Mehr Reichweite und billiger als der iX3
Der iX4 ist vier Zentimeter flacher als der iX3 und nominell 5.000 Euro teurer. Für wen das vorteilhaft sein kann, obwohl es sich nachteilig anhört.
Das Prinzip SUV-Coupé hat BMW 2008 mit dem X6 quasi erfunden. Einen X4 gab’s ab 2014. Aber die zweite Generation lief 2025 aus und bei BMW scheint die Neigung zu einer Neuauflage gering – zumindest bekommt man auch auf Nachfrage "zum jetzigen Zeitpunkt" kein Bekenntnis zum X4 mit Verbrenner, obwohl der X3 bereits im Herbst 2024 startete, der iX3 hingegen erst ein Jahr später.
Bessere Aerodynamik, mehr Reichweite
Dafür baut BMW ab November (Auslieferungen ab März) eben den iX4 . Ohne die Absatzzahlen des letzten X4 zu kennen: Beim E-Auto bringt ein SUV-Coupé neben der schnittigeren Linienführung immerhin auch technisch Vorteile. Ein geringerer Luftwiderstand schlägt sich 1:1 bei Verbrauch und vor allem Reichweite nieder. Der iX4 ist zwar bis zur A-Säule mit dem iX3 identisch, aber seine Dachlinie liegt insgesamt vier Zentimeter niedriger – (minimal) weniger Stirnfläche ist die Folge. Außerdem verbessert das Fließheck den cW-Wert. Der iX3 kommt auf einen für ein SUV guten Wert von 0,24, der iX4 schafft 0,23. Zum Vergleich: Die Neue-Klasse-Limousine i3 erreicht 0,21.
Für den iX4 50 xDrive gibt BMW jedenfalls eine WLTP-Reichweite von bestenfalls 828 Kilometer an und somit immerhin 23 Kilometer mehr als beim kombiförmigen iX3.
Flacher gleich weniger Platz?
An einem Eukalyptus-grünen iX4 50 xDrive konnten wir im Studio ausprobieren, was die Coupé-Form für den Innenraum bedeutet. Wer vorn auf den sportlich geformten und passend zum Lack leicht grünlichen Ledersitzen Platz nehmen will, merkt die vier Zentimeter in der Höhe je nach Körpergröße vor allem beim Einstieg – der Dachbogen kommt einem näher als beim klassischen SUV iX3. Deutlich fällt das naturgemäß beim Entern des Fonds auf: Das verlangt einen kleinen, aber bewussten Diener. Drinnen angekommen bleibt der Einfluss auf die Kopffreiheit dank des serienmäßigen Glasdachs allerdings gering. Bei 1,84 Meter Körpergröße bleibt eine gute Handbreit Abstand zwischen Glas und Glatze oder eben Schopf.
Ein wenig von der Kopffreiheit hat sich BMW allerdings mit einer minimal tiefer eingebauten Rückbank und deren stärkerer Neigung nach hinten erkauft. Die Folge: Bei größeren Menschen bzw. solchen mit langen Beinen leidet die Schenkelauflage. Insgesamt sitzen aber auch Erwachsene im Fond ziemlich kommod. Der Beinraum ist gleich üppig wie im iX3, die Füße passen unter die Vordersitze. Für Familien stört der flachere Fond – wenn überhaupt – erst, wenn der Nachwuchs schneller in die Höhe schießt, als er den Führerschein erwerben kann. Und wer keine Kinder hat, dürfte die hinteren Sitze ohnehin selten nutzen.
Kofferraum verweigert höchstens die Waschmaschine
Selbst im Gepäckraum bleiben die Einschränkungen überschaubar. 30 Liter weniger Volumen in der Standardkonfiguration wird erst recht kaum jemand wahrnehmen. Eher die recht lange Hutablage, die einen recht flachen und tiefen Gepäckraum oben abschließt. Wer die rausnimmt und die Rückbank umklappt, um Sperriges zu transportieren, muss zwar mit 150 Liter weniger auskommen als im iX3 mit seinem Steilheck. Entsprechend fehlt das Volumen vor allem da, wo man es selten braucht: am hinteren Ende des Fahrzeugs über dem regulären Kofferraum. Zudem bleiben dennoch annehmbare 1.600 Liter und ein langer Laderaum, der eine ebene Fläche auf Höhe der Ladekante bietet. Sie steigt erst ab dem Beginn der Rückbanklehne an, aber das ist auch im iX3 so. Höheres Transportgut müsste da im iX4 je nach Maß hinauf bugsiert werden, um die größere Laderaumhöhe zu Beginn der abfallenden Heckklappe zu nutzen. Wer also nicht ständig Weißware oder Kommoden transportieren will, hat keinen Grund, den iX4 von der Liste zu streichen, wenn er einen Elektro-SUV mit viel Reichweite und Langstreckenqualitäten sucht.
Der Preis könnte eher abhalten: Der iX4 kostet trotz des geringfügig schlechteren Platzangebots 5.000 Euro mehr als die entsprechenden iX3-Versionen. Den heftigen Aufpreis für rund 2,8 Prozent Reichweitengewinn relativiert die bessere Ausstattung. Das Glasdach kostet beim iX3 1.420 Euro Aufpreis und ist beim iX4 genauso Serie wie das M-Sportpaket mit 20-Zöllern in speziellem Design, die M-Bremse mit blauen Sätteln, optisch veränderte Stoßfänger und M-Lenkrad. Dessen Auswahl steigert den Preis im iX3-Konfigurator um 3.800 Euro. Ausstattungsbereinigt beträgt die Preisdifferenz zwischen SUV und SUV Coupé daher -220 Euro. Wer die beiden Extras will, spart mit dem iX4 also sogar zwei Tankfüllungen für den Vorgänger-X4.
