Für wen sich Allwetterreifen eignen – und für wen nicht
Allwetter- oder Ganzjahres-Reifen können eine Alternative zum jährlichen Reifenwechsel sein. Sie eignen sich aber nicht für jeden Autofahrer.
Zwei Reifensätze, zweimal im Jahr ein Wechseltermin und die Frage, wohin mit den gerade nicht benötigten Rädern: Ganzjahresreifen ersparen diesen Aufwand und werden deshalb immer beliebter, auch weil die Performance der Allwetter-Gummis durch neue Technik und Materialmischungen immer besser wird. Ihre Eigenschaften bleiben dennoch ein Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen. Deshalb entscheidet in erster Linie, wo und wie oft das Auto eingesetzt wird, ob es sich um einen guten oder schlechten Kompromiss handelt.
Es bleibt ein Kompromiss
Die Gummimischung von Allwetterreifen muss sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Temperaturen funktionieren. Lamellen und Profilrillen geben auf Schnee und Matsch Halt. Zugleich können sich die Profilblöcke unter Belastung stärker verformen als die steiferen Profilbereiche eines Sommerreifens. Das wirkt sich bei trockener Fahrbahn negativ auf Bremsweg und Lenkansprache aus. Bei hohen Temperaturen steigt zudem der Rollwiderstand gegenüber einem Sommerreifen. Das kann den Kraftstoffverbrauch erhöhen und bei Elektroautos die Reichweite verringern.
Auch auf Schnee gibt es Unterschiede zu einem guten Winterreifen. Moderne Ganzjahresreifen können dort beachtliche Traktion und kurze Bremswege bieten, erreichen aber nur selten die Eigenschaften eines guten Winterreifens. Beim Kauf ist deshalb das Alpine-Symbol wichtig: Es kennzeichnet Reifen, deren Wintertauglichkeit in einem standardisierten Test geprüft wurde. Die Bezeichnung Ganzjahres- oder Allwetterreifen allein sagt noch nicht aus, wie gut ein Modell bei Schnee, Nässe oder auf trockener Fahrbahn abschneidet.
Aktueller Test
Besonders häufig sind Ganzjahresreifen bei Kleinwagen zu finden. Diese werden oft als Zweitwagen genutzt und übernehmen kurze Fahrten in der Stadt oder im nahen Umfeld. Unser aktueller Test von neun Modellen in der Kleinwagendimension 195/55 R 16 zeigt dabei, wie unterschiedlich die Schwerpunkte ausfallen (siehe der unten verlinkte Beitrag und die Bildergalerie). Testsieger wurde der Continental AllSeasonContact 2. Er zeigte sehr gute Eigenschaften auf nasser und trockener Straße und hatte im Test den geringsten Rollwiderstand.
Unsere Testergebnisse zeigen unter anderem, dass ein hoher Grip auf Schnee nicht automatisch gute Leistungen auf Nässe bedeutet. Das entscheidende Fazit unseres Vergleichstests mit modernen Allwetterreifen betrifft jedoch die Tauglichkeit in der warmen Jahreszeit: Die Winter-Experten unter den Ganzjahresreifen kommen zwar heute schon an die Schneequalitäten mancher Winterreifen heran, von der Sicherheit eines guten Sommerreifens, insbesondere auf trockenen Straßen, sind sie jedoch ein weites Stück entfernt. Das bedeutet auch, dass die Annahme, Allwetterreifen wären vor allem im schneearmen Flachland eine günstige Alternative, nicht unbedingt zutrifft. Denn sie fordern vor allem im Sommer Einschränkungen.
Schwere und leistungsstarke Fahrzeuge stellen ebenfalls höhere Anforderungen an die Reifen. Bei ihnen können sich die Unterschiede zu einem Sommerreifen auf trockener Straße noch stärker bemerkbar machen, etwa beim Bremsen und beim Kurven-Fahrverhalten.
Vielfahrer brauchen zwei Sätze
Für Wenigfahrer, die tendenziell öfter zu Ganzjahres-Bereifung greifen, kann jedoch zusätzlich entscheidend sein, wie die Reifen genutzt werden. Ein Satz Ganzjahresreifen nutzt sich laufleistungsbedingt schneller ab als jeweils abwechselnd eingesetzte Sommer- und Winterreifen. Doch das ist nicht automatisch ein Nachteil, denn bei geringer jährlicher Fahrleistung kann es vorkommen, dass zwei Reifensätze überaltern, bevor ihre Profile abgefahren sind.
Bei hohen Jahresfahrleistungen, regelmäßigen Langstrecken oder täglicher Nutzung bei jeder Wetterlage sprechen andere Anforderungen für zwei saisonale Reifensätze. Das gilt ohnehin für Fahrten in bergige Regionen oder in den Winterurlaub, wo Schneefahrbahnen im Winter regelmäßig zu finden sind.
Regeln im Ausland
Auch geplante Fahrten ins Ausland können eine Rolle spielen. In Italien beispielsweise gelten für Winter- und Ganzjahresreifen zwischen dem 16. Mai und dem 15. Oktober besondere Vorgaben zum Geschwindigkeitsindex. Dieser muss mindestens dem in den Fahrzeugpapieren angegebenen Wert entsprechen. In Österreich müssen Winter- und Ganzjahresreifen bei winterlichen Verhältnissen mindestens 4 mm Profil haben. Und in der Schweiz reicht seit Oktober 2024 die reine "M+S"-Kennzeichnung nicht mehr aus, um bei winterlichen Verhältnissen als wintertauglich zu gelten. Ein Ganzjahresreifen muss dafür das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke) tragen. Wer eine Reise plant, sollte deshalb die Vorschriften am Zielort und die Angaben zu den eigenen Reifen prüfen.
