Das kann der Wolf II
Das geschlossene Tactical Mobility Vehicle basiert auf der D7x-Plattform des aktuellen Defender.
Der Defender Wolf, der legendäre britische Militär-Offroader, erhält einen Nachfolger. Jaguar Land Rover hat den Defender Wolf II auf dem Militärgelände Millbrook präsentiert.
Drei Varianten des Wolf Series II zeigte JLR, die für die Ausschreibung des britischen Verteidigungsministeriums über ein neues Light Mobility Vehicle entwickelt wurden. Verantwortlich ist die neu gegründete Defender Defence Division. Sie soll die Fahrzeuge nicht nur für den britischen Bedarf bauen, sondern auch Streitkräften anderer Nato-Staaten anbieten. auto-motor-und-sport.de berichtete darüber bereits.
Der neue Wolf übernimmt die D7x-Plattform
Technische Grundlage ist die D7x-Architektur des aktuellen zivilen Defender. Im Gegensatz zu den früheren militärischen Land Rover besitzt der Wolf Series II keinen separaten Leiterrahmen. Karosserie und tragende Struktur bilden eine selbsttragende Einheit.
Dieser Aufbau ermöglicht unterschiedliche Karosserien und Radstände, ohne für jede Ausführung ein vollständig neues Fahrzeug entwickeln zu müssen. JLR kann dadurch geschlossene Transportfahrzeuge, offene Trägerplattformen und Versionen mit speziellen Aufbauten auf derselben technischen Basis anbieten.
JLR beziffert die Verwindungssteifigkeit der D7x-Struktur mit 29 kNm pro Grad. Nach Angaben des Herstellers entspricht das etwa dem Dreifachen einer herkömmlichen Rahmenbauweise. Die steife Konstruktion soll Belastungen im Gelände aufnehmen und zugleich höhere Nutzlasten ermöglichen.
Für die Freigabe der Architektur absolvierte der Defender laut JLR mehr als 62.000 Tests. Die Erprobung der zivilen Plattform umfasste mehrere Millionen Kilometer in Wüsten, arktischen Regionen und Höhenlagen. Zusätzlich wurde die Struktur auf einzelne starke Belastungen vorbereitet, wie sie bei harten Schlägen auf Fahrwerk und Karosserie auftreten können.
Sechszylinder-Diesel mit 576 Nm
Der Wolf Series II wird von einem Sechszylinder-Dieselmotor angetrieben, der im britischen Wolverhampton gebaut wird. Er leistet 254 PS, und erreicht ein maximales Drehmoment von 576 Nm. Die Fahrzeuge können mit Nato-kompatiblen Kraftstoffen betrieben werden. Die Reichweite beträgt 938 Kilometern.
Die Bodenfreiheit von 293 Millimeter und die Wattiefe von 900 Millimeter entsprechen weitgehend denen des aktuellen Defender. Zur Geländetechnik gehören beim Serienmodell verschiedene Fahrprogramme, eine elektronische Steuerung der Antriebssysteme und ein spezielles Programm für Wasserdurchfahrten. Welche dieser Funktionen unverändert in die Militärfahrzeuge übernommen werden, ist noch offen.
Mono-TMV trägt vier Soldaten
Das Mono-Tactical Mobility Vehicle basiert auf dem Defender 110. Die offene Ausführung bietet Platz für vier Personen und kann bis zu 1.000 Kilogramm Nutzlast aufnehmen. Mit einem gebremsten Anhänger darf sie bis zu 3.500 Kilogramm ziehen.
Das Mono-TMV kommt ohne festes Dach und ohne eine durchgehend geschlossene Karosserie daher. Die reduzierte Verkleidung erleichtert der Besatzung das schnelle Ein- und Aussteigen. Hinter den vorderen Plätzen befindet sich eine offene Plattform für Ausrüstung und missionsabhängige Anbauten.
Das Fahrzeug ist für Aufgaben vorgesehen, bei denen Beweglichkeit, Übersicht und schneller Zugriff auf die mitgeführte Ausrüstung wichtiger sind als der Schutz einer geschlossenen Karosserie. Infrage kommen etwa Patrouillen, Aufklärung oder der Transport kleiner Einsatzgruppen.
Utility Vehicle basiert auf dem Defender 130
Für größere Transportaufgaben verwendet JLR den längeren Defender 130. Das Utility Vehicle kann bis zu 2.000 Kilogramm Nutzlast befördern. Seine Anhängelast fällt mit 3.000 Kilogramm etwas geringer aus als beim kürzeren Mono-TMV.
Hinter dem abgetrennten Fahrerhaus befindet sich eine große Ladefläche. Sie lässt sich mit verschiedenen Modulen, geschlossenen Transportaufbauten oder Halterungen für militärische Ausrüstung versehen. Damit kann das Utility Vehicle unter anderem Material, Ersatzteile und Versorgungsgüter transportieren. Sowohl das Utility Vehicle als auch das Mono-TMV sollen sich im Frachtraum eines Transporthubschraubers vom Typ CH-47 Chinook befördern lassen.
Tactical Mobility Vehicle mit geschlossenem Aufbau
Das Tactical Mobility Vehicle besitzt im Gegensatz zum Mono-TMV eine geschlossene Karosserie. Es ist für den Transport von Personal und Ausrüstung vorgesehen und bleibt äußerlich näher am zivilen Defender. Ergänzt werden militärische Anbauteile, zusätzliche Halterungen und eine angepasste Innenausstattung.
Zu Besatzungsstärke, Nutzlast und Anhängelast dieser Variante nennt JLR noch keine Werte. Auch das mögliche Gesamtgewicht und die genaue Fahrwerksauslegung sind nicht bekannt. Vorgestellt wurde das Fahrzeug zunächst als leichtes Mobilitätsfahrzeug und nicht als geschütztes Patrouillenfahrzeug.
Drei weitere Ausführungen stehen bereit
In Millbrook zeigte JLR neben den drei neu vorgestellten Modellen ein General Purpose Vehicle, ein Command and Control Vehicle und eine Battlefield Ambulance. Damit umfasst die bisher bekannte Baureihe sechs militärische Ausführungen.
Das General Purpose Vehicle übernimmt allgemeine Transportaufgaben. Die Führungsversion bietet Raum für Kommunikations- und Arbeitsplätze, während der Verwundetentransporter auf die Aufnahme und Versorgung verletzter Soldaten ausgerichtet ist. Technische Einzelheiten zu diesen drei Fahrzeugen hat das Unternehmen noch nicht veröffentlicht.
Gemeinsame Technik für unterschiedliche Aufgaben
Die gemeinsame Plattform soll den Wartungs- und Ausbildungsaufwand innerhalb einer Flotte begrenzen. Fahrzeuge für Transport, Führung oder medizinische Aufgaben können zahlreiche technische Komponenten gemeinsam nutzen. Mechaniker müssen dadurch nicht für jede Ausführung vollständig unterschiedliche Systeme beherrschen.
Auch Ersatzteile lassen sich über mehrere Varianten hinweg verwenden. Unterschiede entstehen vor allem durch den Radstand, die Karosserie und den jeweiligen Aufbau. Die Militärversionen werden zudem von der bestehenden Lieferkette des JLR-Konzerns unterstützt, der den zivilen Defender in zahlreichen Ländern verkauft.
Der erste Wolf kam 1997 zur Truppe
Die britischen Streitkräfte führten den bisherigen Land Rover Wolf ab 1997 ein. Er basierte auf dem damaligen Defender 90 und Defender 110, war jedoch kein unverändertes Serienfahrzeug. Verstärkte Rahmen, angepasste Fahrwerke und eine für den militärischen Betrieb ausgelegte Elektrik unterschieden ihn von den zivilen Modellen.
Die Fahrzeuge liefen unter den Bezeichnungen Truck Utility Light und Truck Utility Medium. Sie wurden mit kurzen und langen Radständen sowie in offenen und geschlossenen Ausführungen beschafft. Je nach Version dienten sie dem Transport von Soldaten, Ausrüstung, Funktechnik oder Waffensystemen.
Die militärische Land-Rover-Geschichte reicht bis 1948 zurück
Land Rover lieferte bereits kurz nach dem Start der Marke im Jahr 1948 Fahrzeuge an das britische Militär. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Varianten für die britischen Streitkräfte und andere Armeen. Der Name Wolf wurde allerdings erst für die ab den späten 1990er-Jahren beschaffte Generation verwendet.
Mit dem Produktionsende des klassischen Defender im Jahr 2016 entfiel die technische Grundlage des bisherigen Wolf. Der Wolf Series II übernimmt deshalb vor allem den Namen und die Funktion seines Vorgängers. Konstruktiv handelt es sich durch die selbsttragende Karosserie um ein neues Fahrzeug.
Defender baut eigenes Militärgeschäft auf
JLR hat für die Entwicklung und Vermarktung des Wolf Series II eine eigene Defence Division innerhalb der Marke Defender eingerichtet. Die neue Sparte soll von der Konstruktion bis zur Auslieferung für die Fahrzeuge verantwortlich sein.
Bereits zuvor bot JLR über den Bereich Defender Expert speziell ausgerüstete Fahrzeuge für Polizei, Feuerwehr, Grenzschutz und andere Behörden an. Der Wolf Series II erweitert dieses Angebot um eine militärische Baureihe, die von Beginn an für mehrere Einsatzrollen entwickelt wurde.
Noch keine Entscheidung über die Beschaffung
Großbritannien will mit dem Light-Mobility-Vehicle-Programm einen Teil seiner leichten Militärfahrzeuge erneuern. JLR bewirbt sich mit dem Wolf Series II um diesen Auftrag. Unabhängig von der britischen Ausschreibung will JLR den Wolf Series II international anbieten. Als mögliche Kunden nennt das Unternehmen allgemein Verteidigungsorganisationen aus Nato-Staaten, ohne einzelne Länder aufzuführen.
