Abgeschottete Vorstellung
Tesla lässt das Cybercab in Austin als Robotaxi fahren – ohne Lenkrad und ohne Pedale. Den Start feiert der Konzern jedoch hinter Verschwiegenheitserklärungen, während die NHTSA die Zulassungspraxis untersucht.
In Austin rollen die ersten Cybercabs im Robotaxi-Dienst. Tesla integriert den goldfarbenen Zweisitzer in die bestehende Ride-Hailing-Struktur und spricht von bezahlten Fahrten. Teslas KI-Chef Ashok Elluswamy nennt das Fahrzeug "offiziell" Teil der Robotaxi-Flotte und sagt, die Öffentlichkeit könne mitfahren.
Tesla lädt zur Präsentation nur handverlesene Gäste ein und lässt klassische Medien draußen. Berichte aus dem Umfeld des Events nennen Verschwiegenheitserklärungen als Eintrittskarte, ein Livestream fehlt. Danach verteilt Tesla eigene Clips: Passagiere lehnen sich zurück, spielen am Screen, die Inszenierung wirkt laut Beobachtern eher wie eine kontrollierte Demo als wie ein offener Start.
Kein Lenkrad, keine Pedale: Das steht im Cybercab-Handbuch
Tesla beschreibt das Cybercab in seinem "Rider Guide" als Zweisitzer ohne Lenkrad, ohne Gas- und ohne Bremspedal (S. 5). Die Fahrgäste starten die Fahrt über den Touchscreen ("Start Ride"), nachdem alle angeschnallt sitzen (S. 4). Für den Notfall integriert Tesla einen physischen Stop-Knopf in die Dachkonsole: Ein Druck soll für sofortiges Anhalten sorgen, gleichzeitig baut das Fahrzeug eine Verbindung mit dem Support auf. Als letzte Option dient ein mechanischer Türhebel-Öffner, den Tesla nur für echte Notlagen vorsieht (S. 7/14).
Im Rider Guide legt Tesla auch die Nutzerregeln fest: Kinder unter 13 Jahren dürfen aktuell nicht mitfahren (S. 11). Tesla bietet in dem Zweisitzer kein LATCH/ISOFIX-System, Kindersitze laufen nur über den Gurt (S. 11). Die Insassen können die Fenster aktuell nicht vollständig öffnen (S. 13).
NHTSA ermittelt: Hat Tesla korrekt zertifiziert?
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA startet gleichzeitig eine Untersuchung, weil sie die Zertifizierung von bis zu 1.000 Cybercabs anzweifelt. Die Behörde will prüfen, welche technischen Daten und Prozesse Tesla für die Einhaltung der Federal Motor Vehicle Safety Standards heranzieht. Die Beamten betonen, dass das Cybercab als Fahrzeug ohne dauerhaft angebrachte manuelle Bedienelemente wie Lenkrad, Bremse, Gaspedal und Spiegel unterwegs ist. Außerdem schaut die Behörde darauf, in welchem Umfang Tesla einzelne Standards als nicht anwendbar einstuft.
Unter US-Recht kann die NHTSA Ausnahmen genehmigen und pro Hersteller bis zu 2.500 Fahrzeuge pro Jahr ohne klassische Bedienelemente zulassen; das Amazon-Tochterunternehmen Zoox erhielt dafür bereits grünes Licht für einen begrenzten kommerziellen Einsatz. Tesla steht jetzt im Scheinwerferlicht, weil der Konzern den Betrieb startet, aber beim öffentlichen Auftritt auf Abschottung setzt. Im Marktvergleich fällt das auf: Waymo betreibt seit Jahren Robotaxis in mehreren Städten sichtbar im Alltag und veröffentlicht deutlich mehr Einblicke in Betrieb und Sicherheit – 2027 startet der Dienst mit München auch in Deutschland.
Lenkrad doch möglich? Denholm setzt ein anderes Signal
Teslas Verwaltungsratschefin Robyn Denholm hält laut The Drive sogar Lenkrad und Pedale für denkbar, falls Tesla sie für hohe Stückzahlen braucht. Das widerspricht Elon Musks Linie vom Serien-Robotaxi ohne klassische Bedienelemente – was natürlich die Kosten senkt. Ohne die genannten Bedienelemente und offizielle Zulassung für vollautonomes Fahren darf Tesla das Cybercab auch in den USA aktuell nicht an Privatpersonen verkaufen. Wann dies möglich ist, ist noch nicht abzusehen – Tesla möchte das Modell später aber auch privaten Kunden zum Kauf anbieten.
