Neuer Stellplatz in der Nibelungenstadt Worms
Worms ist ganz sicher eine der ältesten Städte im Land, vielleicht sogar die älteste. Zudem hat sie seit April 2026 einen neuen Stellplatz.
Gestaltet hat die Anlage Lukas Böhme – dabei sind seine privaten Erfahrungen mit dem Wohnmobil recht überschaubar. "Ich hatte nie eins, noch hab ich je in einem übernachtet", gibt der Architekt ebenso offen wie verschmitzt zu. Trotzdem durfte er den neuen Stellplatz "Am Mondscheinweg" realisieren – auf Basis einer Ausschreibung, an der sich sein Arbeitgeber beteiligt hat.
Denn Worms war mit dem bisherigen Stellplatz nicht wirklich glücklich: Der lag zwar direkt am Rhein, aber eben auch neben einer alten Bitumenfabrik, "und damit nicht wirklich ideal". Der Schotterplatz in der Kastanienallee sollte abgelöst werden, "und deshalb gab es vor drei Jahren eine Ausschreibung, die unser Unternehmen wohl auch deshalb gewann, weil wir vor Ort sitzen. Kurze Wege sorgen dafür, dass ein technisches Problem auf dem neuen Areal schnell gelöst werden kann."
Grüne Oase statt trister Campingfläche
Zunächst aber musste dieses umgemodelt werden. 2025 war die gemeindeeigene Fläche noch ein Acker zwischen Schrebergärten. Im letzten Herbst wurde denn noch einmal geerntet, hernach "rückten die Bagger an", denn "wir mussten ja 60 Zentimeter Erde abhobeln, um einen tragfähigen Untergrund aufbauen zu können", erklärt der Architekt. "Trotzdem wollten wir keine triste Fläche, die sich im Sommer aufheizt, sondern eine möglichst naturnahe." Nistkästen, Bienenhotels, Büsche und Gehölze standen von Anfang an auf dem Plan.
Auf dem stand aber auch der 1. April 2026 als Eröffnungstermin – "und den haben wir gehalten", freut sich Lukas Böhme. "Das war aber natürlich keine Einzelleistung, sondern Teamwork", betont er, wobei er auch auf Feldstudien und Gespräche mit Experten aus der Reisemobilbranche verweist. "Passend konnte ich während der ersten Planungen meinen Bruder auf seinem südfranzösischen Campingplatz besuchen."
"Und als ich begann, einen Campingplatz oder einen Reisemobilhafen mit beruflichem Interesse zu betrachten, da sah ich die Möglichkeiten, die uns das Areal bot." Normalerweise realisiert er Hallen oder Versandanlagen: TST hat gut 3000 Mitarbeitende an mehr als 75 Standorten. Dabei begann das mittelständische Logistikunternehmen 1990 mit nur einem einzigen Laster.
Online-Buchungsportal – auch vor Ort
Vielleicht war es auch deshalb wichtig, einige Stellflächen für Reisemobile bis zwölf Meter anzulegen. "Auf jeden Fall ist es unterhaltsam und eine echte Abwechslung zu Lagerhallen." Die Digitalisierung freilich führt hier wie da das Zepter. "Früh war uns klar, dass unser Buchungsportal komplett online laufen soll", von unterwegs oder auch von einem Terminal am Platz selbst wird bezahlt, die Kennzeichenerfassung regelt Zu- und Abfahrt, nach und nach soll es auch Informationen zur Stadt oder zu Restaurants geben, bei der Eröffnung waren die Kapitel indes noch unbeschrieben.
Immerhin aber standen bereits zeitig am Eröffnungstag Gäste aus Mülheim an der Ruhr auf dem Stellplatz, von dem aus man in 20 Minuten bis zum Dom spaziert. Der Supermarkt liegt näher. Die direkt vorbeiführende, durchaus hörbare Kolpingstraße zur B 47 dürfte akustisch in den Hintergrund treten, sobald die Lärmschutzwand begrünt ist. 55 Efeupflanzen wurden alleine hier eingesetzt.
Modernes Ambiente für ein bleibendes Erlebnis
"Dann noch 50 Bäume und gut tausend Büsche – ich freue mich darauf, das alles wachsen zu sehen", betont der Projektleiter. Dass zudem eine PV-Anlage Strom für die knapp 50 Parzellen beisteuert oder die bodennahe Beleuchtung die Nacht der Gäste nicht stören soll, sind weitere feine Aspekte. "Unser Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der weit mehr als nur Schlafplätze bietet – er soll für ein nachhaltiges und bleibendes Erlebnis stehen", betonte Thomas Ewert, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung bei TST, im letzten Oktober.
Und wenn schon der Eröffnungstermin eine Punktlandung wird, dann steht ja wohl auch die Zukunft des neuen Platzes nicht in den Sternen. Auch wenn er am "Mondscheinweg" liegt …
Mondschein Caravaning, Worms
Gebührenpflichtiger Stellplatz für bis zu 47 Reisemobile (7 XXL-Stellplätze für Fahrzeuge bis 12 Meter). Gelände mit leichtem Gefälle zu den Grünanlagen (Regenableitung). Stellplätze als Schotterrasen befestigt, Trennung durch Heckenstreifen oder Grünflächen zwischen den Standplätzen. Hunde erlaubt, zentrale Lage, Stadtzentrum, Restaurant, Supermarkt, Bäckerei zu Fuß erreichbar. Strom: 0,90 Euro/kWh, Wasser: 10 Cent/10 Liter, Entsorgungsstation, Getränke- und Snackautomat, Boule-Bahn, gemeinschaftlich nutzbare Terrasse, Sitzgelegenheiten, WLAN im Preis inbegriffen.
