Neuer Knaus Sky TI auf Crafter im ersten Test
Erster Check des frisch aufgelegten Knaus Sky TI: Einer von drei neuen Grundrissen – hier der 700 DEG mit Einzelbetten und Längsbanksitzgruppe.
Mit der Entscheidung für den VW Crafter als Basis hebt Knaus die Baureihe auf eine neue Stufe. Denn der VW gilt, im Vergleich zum bisher verwendeten Fiat Ducato, als die hochwertigere Reisemobilbasis. Auch wenn der Fiat in Sachen Assistenzsysteme aufgeholt hat, den Federungskomfort an der Vorderachse und die ausgeklügelte Funktionalität der digitalen Helfer hat er nicht. Schon bei den ersten Fahrversuchen mit dem Sky TI auf den Feldwegen rund um das Werk in Jandelsbrunn merkt man das.
Knaus Sky TI 700 DEG
- Gurte/Schlafplätze: 4/3–5
- Zul. Gesamtgewicht: 3.500–4.000 kg
- Länge/Breite/Höhe: 7,59/2,30/2,87 m
- Grundpreis: ab 102.900 Euro
Ergonomie und Fahrverhalten
Die Ergonomie hinterm bestens bedienbaren Multifunktionslenkrad passt wie angegossen. Die serienmäßige Automatik macht Lust auf lange Reisen, die Geräuschdämmung stimmt auch. Der VW ist neben dem Sprinter das beste Basisfahrzeug am Markt. In diesem Falle reden wir hier vom Triebkopf, also dem Fahrerhaus, Motor und der Vorderachse – das angeschraubte Chassis, auf dem der Wohnaufbau sitzt, ist übrigens auch nagelneu und entstand aus der Zusammenarbeit zwischen VW und Knaus. Es ist tief abgesenkt, damit im Sky-TI ein isolierter Funktionsdoppelboden möglich ist, in dem die Tanks und andere Bordtechnik Platz finden. Und es ist breit, damit der Aufbau stabil darauf lagert.
Der Radstand kommt bei diesem Modell auf 4490 mm, was bei den ersten Fahrten einen ordentlichen Geradeauslauf erkennen lässt. In den Kurven liegt das Heck, auch dank verbreiterter Spur, recht satt. So die Erkenntnisse der ersten paar Runden rund ums Werk – ausführliche Tests folgen. Optisch ist der VW als Basis eines Teilintegrierten nicht ganz so einfach an den Aufbau anzubinden, da die Schnauze des Triebkopfs eher lang ist. Von der Seite fällt das auf, von vorn weniger, denn Knaus hat in der T-Haube geschickt die Sicken der Motorhaube wieder aufgegriffen.
Preis und Ausstattung
Rund 103.000 Euro beträgt der Basispreis für den Sky TI 700 DEG mit Einzelbetten und Raumbad. Das optionale Hubbett ist beim Testmodell noch nicht an Bord. Also rein in die Bude und alles mal anfassen. Die Klappen machen einen wertigen Eindruck. Sie schließen mit Hakenschnappern aus Alu. Vorne ist eine Längsbanksitzgruppe eingebaut, in der man sich gegenübersitzt.
Damit man sich am mittig stehenden Tisch beim Vorbeilaufen nicht stößt, sind die Ecken angefasst und die Platte hälftig umklappbar. Beim Blick ringsum kann man sich schon wohlfühlen. Das große Dachfenster in der T-Haube besteht aus Glas und lässt sich immerhin ein paar Zentimeter weit öffnen. Der Mechanismus wirkt stabil, solide. Immerhin soll er das Fenster während der Fahrt sicher halten und auch eine mögliche Geräuschbildung verhindern.
Innenraumgestaltung
Sollen Passagiere mit an Bord, lassen sich die beiden Seitenbänke zu Gurtplätzen umbauen. Wie so häufig ist dabei auch hier etwas Fummelei mit den Polstern, dem Gestell und dem Gurt notwendig. Es sind eher Notsitze, sicher auch mal für eine längere Urlaubsfahrt geeignet, aber ein echtes Vier-Personen-Mobil wird der 700 DEG damit nicht.
Über der Aufbautür sind die Bedienpanele platziert. Knaus setzt beim Kontrollboard auf ein ziemlich schlichtes Exemplar und bei der Heizungssteuerung muss serienmäßig gar das altgediente Einstellrad mit Leuchtdioden herhalten. Konnektivität, gar in Verbindung mit dem CAN-Bus der VW-Basis, wird es nicht geben.
Küche und Bordtechnik
Die Küche verfügt über eine kleine, runde Spüle und einen Zweiflammkocher. Immerhin bleibt so ein gutes Stück echte Arbeitsfläche frei und in den Schränken steht reichlich Stauraum bereit. Gekocht wird mit Gas, geheizt mit einer Diesel-Gebläseheizung mit 6 kW.
Gegen Aufpreis lässt sich sogar eine Alde-Warmwasser-Diesel-Heizung samt Fußbodentemperierung ordern. Der Kühlschrank arbeitet mit Kompressortechnik, bei den heutigen heißen Sommern eine gute Wahl. Er ist schlank, hoch und gut platziert. Darunter findet sich ein weiterer Schrank, um Dinge unterzubringen.
Schlafzimmer und Bad
Etwas weiter hinten gelangt man zum Bad. Die Tür vom Toiletten- und Waschraum lässt sich als Raumtrenner nutzen. Sie fällt dann auf der anderen Seite neben dem Kühlschrank ins Schloss. Vor dem Schlafzimmer gibt es zudem eine Schiebetür, um das Bad auch an dieser Seite zu schließen. Damit ergibt sich ein Raumbad mit separater Dusche. Das große Waschbecken aus Kunststoff zeigt sich handschmeichlerisch. Es ist groß und haptisch angenehm. Beim Probesitzen auf der Toilette wünscht man sich keine weiteren Speckröllchen auf der Hüfte. Hier besser mal checken, wie man damit zurechtkommt. Die Sitzhöhe passt jedenfalls.
Die Dusche ist ansprechend und funktional eingerichtet. Einziger Kritikpunkt: Der Radkasten ragt etwas störend in den Fußraum, ist aber so verschalt, dass man sich nicht die Füße stößt. Die Zähne sind geputzt, dann ab ins Bett. Hier warten rechts und links zwei Meter lange Einzelbetten mit rund 80 cm Breite (plus Mittelteil) und Aufstieg in der Mitte über eine Treppe. In den Stufen findet sich praktischer Stauraum. Man kann sogar in die Heckgarage hinuntergreifen, um an die Getränkekiste zu kommen, die man von außen dort eingelagert hat.
Im Bett hat man trotz der hohen Heckgarage noch über 90 Zentimeter Kopf- und Bewegungsfreiheit zum Sitzen und sich Umziehen. Verkleidet sind die Wände mit modern wirkenden Textilpanelen, deren Keder-Kantenschutz aber, zumindest beim gecheckten Vorserienmodell, noch etwas simpel gestrickt erscheint.
Bei der Heckgarage kann das neue, tiefe Chassis seine Vorteile voll ausspielen, denn die Ladekante ist angenehm niedrig. Die Zugangstüren auf beiden Seiten geben eine lichte Öffnung von 80 mal 80 Zentimetern frei. Innen finden sich praktische Ablagefächer für Auffahrkeile & Co. sowie Verzurrschienen zur Ladungssicherung. Kritik entzündet sich allenfalls an dem störenden Absatz, der von vorn in die Garage hineinragt. Links in der Garage ist noch die Elektrik samt Batterie installiert. Serienmäßig ist eine 100-Ah-LFP-Batterie. Die lässt sich verdoppeln oder durch ein bis zwei 180-Ah-Exemplare ersetzen. Schon wegen des Kompressorkühlschranks erscheint zumindest die Erweiterungsoption auf 180 Ah sinnvoll.
Technische Daten
Aufbau: Sandwichaufbau mit Flachrahmenchassis, Wandstärken Dach, Boden, Wand 32/36/32 mm, Isolierung EPS, Akustikstoffwandblenden im Wohn- und Schlafbereich, 5 Alurahmenfenster.
Ausbau: Möbel aus Holz, Sitzbank mit 2 Dreipunktgurten, Heckbett 1.980/1.970 × 780 mm, Sanitäreinrichtung mit Kassettentoilette und Warmwasserdusche, Küche mit Zweiflammkocher und Kompressorkühlschrank 157 L.
Bordtechnik: Dieselgebläseheizung/Boiler Truma 6 kW, Frischwassertank 125 L, Abwassertank 100 L, Bordbatterie LiFePO 100 Ah, Gasflasche 5 kg.
Basisfahrzeug: VW Crafter, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1.968 cm³, Leistung 103 kW/140 PS, Automatikgetriebe.
Maße und Gewichte: Länge × Breite × Höhe: 7.590 × 2.300 × 2.870 mm, Radstand 4.490 mm, zulässiges Gesamtgewicht 3.500 kg (auflastbar).
