Große Menschen stoßen an Grenzen
Der Hobby Ontour Van 600 FT auf Ruhrgebiets-Tour: Für große Menschen sind Querbett, Dusche und begrenzte Innenhöhe eine Herausforderung.
Für einen kurzen Trip ins Ruhrgebiet ist ein sechs Meter langer Kastenwagen wie der Hobby Ontour Van 600 FT das passende Reisevehikel. Nicht unbedingt, weil ich finde, dass man darin besonders großzügig wohnt, sondern weil man mit ihm gut Strecke machen kann.
Sechs Meter sind kompakt genug, um auch in der Stadt noch eine Parklücke zu finden, und gleichzeitig ist das Fahrzeug langstreckentauglich. Der 140 PS starke Turbodiesel und das vergleichsweise geringe Gewicht tun ihr Übriges: Der Hobby ist weniger ausgewachsenes Reisemobil als vielmehr ein flott zu bewegendes Zuhause auf Zeit.
Weniger kompatibel ist allerdings der Innenraum unseres Dauertesters mit meiner Körperlänge. Mit 2,02 Metern bin ich selbst an den wenigen Tagen, die ich zusammen mit meiner Freundin im Hobby unterwegs war, immer wieder an Grenzen gestoßen. Die eine oder andere Beule kauft man in einem solch kompakten Fahrzeug vielleicht einfach mit – zumindest während der Eingewöhnungsphase. Das sollte man wissen.
Eine Nacht in Bochum: Der Stellplatz "Glück Auf"
Als klar war, dass wir bei unserer Wochenend-Stippvisite in der Heimat wegen einer Ausstellung noch den Umweg über Recklinghausen und dessen Kunsthalle machen wollten, bot sich eine Nacht im Camper geradezu an. Montags haben die Museen geschlossen und so ergab sich quasi ein kleiner "Brückentag" in Bochum. Ein bisschen Recherche in der Stellplatz-Radar-App später war unser Gastgeber gefunden: der Stellplatz "Glück Auf".
Der liegt verkehrsgünstig im Bochumer Norden, in der Nähe der Autobahnen A40 und A43, und ist damit nicht nur für einen Städtebesuch, sondern auch als Zwischenstopp auf einer längeren Reise interessant. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es, die könnten aber näher sein.
Der Platz gehört zum Caravaningbetrieb Spürkel, in dessen Umfeld sich ein umfangreiches Angebot rund ums Camping findet – von Vorzelten über Campingmöbel bis hin zu Zubehör und Technik. Wer also noch einen passenden Adapter, eine neue Tasse oder irgendein anderes Teil fürs mobile Zuhause sucht, dürfte hier gute Chancen haben. Spürkel wirbt zudem mit einer großen Vorzeltausstellung und einer breiten Auswahl an Campingzubehör.
Camping eher vor dem Fahrzeug
Richtiges Camping hat sich nicht ergeben. Das lag nicht nur an der Kürze des Trips, sondern auch am begrenzten Platzangebot im Van. Ist das Wetter gut und die Temperatur angenehm, hält man sich ja ohnehin lieber vor als hinter der Schiebetür auf. Im Sommer wird der Hobby dann dank seiner Markise beinahe zur überdachten Terrasse. Und mit geöffneter Schiebetür erweitert sich der Wohnraum dann um ein paar Quadratmeter Ruhrgebiet.
Zwei Meter Mensch, sechs Meter Van
Seine kompakte Fahrzeuglänge erkauft sich der Hobby unter anderem mit dem Querbett im Heck. Dort zu zweit zu übernachten, hat sich für mich als kleine Herausforderung erwiesen. Die Matratze ist zwar bequem und im Schulterbereich erfreulich breit, doch die Liegefläche misst eben keine Länge jenseits der Zwei-Meter-Marke – zumal Seitenfenster, Rahmen und Plissee noch ein paar Zentimeter beanspruchen. Für Großgewachsene ist das keine ideale Kombination.
Schließlich muss man nachts auch mal aufs Örtchen, und dann sollte der Weg im Dunkeln möglichst hindernisfrei vonstattengehen. Liegt man zu zweit nebeneinander und muss irgendwann aus der Koje herauskrabbeln, sind Beine und Füße besser schon am Ausstieg. Im Querbett des Hobby Ontour Van 600 FT habe ich mich daher vermeintlich falsch herum hingelegt. So konnte ich mich aufrichten, musste mich nur noch um 90 Grad auf der Matratze drehen – und schon war der Weg frei. Gedacht ist das im Dauertester eigentlich andersherum. Aber was ist schon ein Grundriss gegen die nächtliche Realität?
Dusche mit Größenlimit
Die Nutzung des Bads im Hobby haben wir uns gespart. Schließlich bietet der Stellplatz in Bochum gut ausgestattete Sanitäranlagen. Dennoch lohnt ein Blick in die Nasszelle, denn die ist für einen Kastenwagen dieser Größe grundsätzlich ordentlich gemacht. Besonders praktisch ist die Schwenkwand, dank der man ohne Duschvorhang auskommt. Die vorhandene Fläche geht für ein sechs Meter langes Fahrzeug in Ordnung, Stauraum und Bewegungsfreiheit bleiben naturgemäß aber begrenzt.
Küche auf kleinem Raum
Die Küche zeigt, wie gut der Hobby seine sechs Meter ausnutzt. Neben der Kocher-Spülen-Kombination bleibt überraschend viel Arbeitsfläche, und in Schubladen, Hängeschränken und Ablagen lässt sich einiges unterbringen. Sogar die Kaffeemaschine findet einen festen Platz. Größere Kochambitionen sollte man angesichts des begrenzten Brennerabstands allerdings nicht entwickeln. Fürs Frühstück und für eine schnelle Mahlzeit reicht das Küchenkonzept allemal.
Auf der Straße zu Hause
Auf der Fahrt spielt der Ontour Van seine Stärken aus. Mit Automatikgetriebe und Abstandstempomat reist es sich entspannt. Nur das optionale Panoramafenster über dem Fahrerhaus trübt den guten Fahreindruck etwas: Es bringt zwar viel Licht und zusätzliche Kopffreiheit, entwickelt bei höherem Tempo aber deutliche Windgeräusche. Für einen Van, der animiert, schnell und unkompliziert Strecke zu machen, ist das ein kleiner Wehrmutstropfen.
Viel Stellplatz für einen fairen Preis
Doch zurück zu unserer Reise: Für eine Nacht auf dem Bochumer Stellplatz inklusive Duschen und Strom haben wir am Ende nicht mal 20 Euro bezahlt. Das ist bemerkenswert günstig. Für Fahrzeuge bis sechs Meter werden aktuell 16 Euro pro Nacht fällig, Strom und Wasser kommen nach Verbrauch beziehungsweise Nutzung hinzu. Organisiert wird der Aufenthalt über die Glückauf-Karte, die man am Automaten erhält und mit Guthaben auflädt. Was man nicht verbraucht hat, wird beim Zurückgeben der Karte wieder aufs Konto gebucht.
Die Karte dient aber nicht nur zum Bezahlen der Dusche, sondern öffnet auch die Türen zu den sauberen Sanitäranlagen und zum Aufenthaltsraum. WLAN gibt es ebenfalls. Und wer abends nicht mehr in die Stadt möchte, kann es sich vor dem großen Fernseher gemütlich machen. Gemeinsam ein Fußballspiel zu schauen – vom VfL oder der Nationalmannschaft – dürfte hier durchaus Spaß machen. Für einen kurzen Stadtaufenthalt ist das Angebot jedenfalls mehr als ordentlich.
Eine Einschränkung gibt es allerdings: Der Weg zur nächsten U-Bahn-Station könnte kürzer sein. Gerade auf dem nächtlichen Rückweg wirkt die Strecke für Ortsunkundige nicht unbedingt einladend. Schade, denn mit der Bahn kommt man ansonsten unkompliziert in die Bochumer Innenstadt.
Unter Tage in Bochum: Steinkohle, Bergbau, Bodenschätze und Kunst
Wer schon einmal in Bochum ist und etwas mehr Zeit mitbringt, findet mit dem Deutschen Bergbau-Museum gleich noch ein ziemlich passendes Ziel. Schon das mächtige Fördergerüst, das Teil des Gebäudes ist, macht unmissverständlich klar, worum es hier geht.
Im Inneren führen vier Rundgänge durch die Themen Steinkohle, Bergbau, Bodenschätze und Kunst, rund 20 Meter unter der Erde wartet zudem ein 1,2 Kilometer langes Anschauungsbergwerk. Dort lässt sich zumindest erahnen, unter welchen Bedingungen Bergleute früher gearbeitet haben und wie sich die Technik unter Tage entwickelt hat.
Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 9:30 bis 17:30 Uhr, der reguläre Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 8 Euro. Wer seinen Bochum-Aufenthalt also etwas ausdehnen möchte, findet hier reichlich Ruhrgebiets-Historie auf und unter der Erde.
Ab ins Bermuda3Eck: Bars, Geschäfte und lebendiges Flair
Unser Ziel an diesem Abend lag dagegen über Tage und mitten in der Stadt: das Viertel rund um das Bermuda3Eck. Dort gibt es zahlreiche Geschäfte, Bars und Restaurants – dazu ein angenehm junges, lebendiges Flair. Ein bisschen erinnert die Gegend an Prenzlauer Berg, nur weniger gentrifiziert und eben mit Ruhrgebietscharme. Auf der Meile am Bermuda3Eck kann man sich zudem dem geradezu unüberschaubaren gastronomischen Angebot hingeben. Für einen Abend ist das allemal ein überzeugendes Argument.
Kunst zum Abschluss: zugängliche Werke von Ragnar Kjartansson
Am nächsten Tag ging es weiter nach Recklinghausen in die Kunsthalle. Dort stand eine Ausstellung des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson auf dem Programm. Seine Arbeiten bewegen sich häufig zwischen Performance, Musik, Theater und bildender Kunst; sie können zugleich melancholisch, humorvoll und angenehm eigensinnig sein. Kjartansson arbeitet oft mit Wiederholung, Zeit und bewusst übersteigerter Emotionalität. Was zunächst spielerisch oder beinahe beiläufig wirkt, entwickelt dadurch eine eigentümliche Intensität.
Auch in Recklinghausen ließ sich erleben, wie der Künstler aus langen Abläufen, Wiederholungen und inszenierter Gefühligkeit etwas entwickelt, das gleichzeitig leicht zugänglich und erstaunlich vielschichtig wirkt. Für diesen Ausstellungsbesuch hatte sich der Umweg ins Ruhrgebiet jedenfalls gelohnt.
