Ein unschlagbares Gespann
Rund 4.500 Kilometer Strecke hat der Hobby De Luxe 460 bereits hinter sich – die meisten davon am Haken der Mercedes V-Klasse. Zeit für ein erstes Zwischenfazit zu Van und Caravan.
Das Dauertest-Gespann aus Mercedes V 300 d 4matic und Hobby De Luxe 460 UFe räumt schon zur Test-Halbzeit mit drei Vorurteilen auf. Erstens: Hobby-Caravans sind zwar hübsch und gut ausgestattet, aber schlecht verarbeitet. Zweitens: Vans machen keinen Stich gegen ein modernes SUV. Drittens: Wohnwagenfahren ist nervtötend langsam.
Freilich gibt es auch Sachen, die nicht perfekt sind, doch nähern wir uns der Sache einmal systematisch. Und zwar von hinten.
Hobby De Luxe 460 überzeugt auf Dauer
Schon im Einzeltest vor Beginn der eigentlichen Kilometerfresserei haben wir die Solidität und Verarbeitungsgüte des Hobby De Luxe 460 gelobt. Und daran ist auch nach knapp 4.500 Kilometern nicht zu rütteln. Was übrigens wörtlich genommen werden darf, weil Klappen und Türen passen und schließen wie am ersten Tag, nichts ist abgebrochen oder ausgerissen. Dass die Scharniere der Oberschrankklappen in Aluprofilen verschraubt werden, zeigt hier Wirkung.
Doch bevor der Hobby auf die ersten großen Touren unter anderem in die Vogesen, an den Nürburgring und über anspruchsvolle Straßen nach Oberitalien ging, musste noch ein Mysterium aufgeklärt werden: Weder im großen Steuerungsdisplay neben der Eingangstür noch im Wohnraum war ein Bedienfeld oder Schalter für die Therme zu finden. Einen Anruf und einen Zwischenstopp später war das Problem gelöst: Bei der ausgelieferten Software-Version war der Thermenschalter ab Werk nicht programmiert worden, was das Caravaning Center Schmidtmeier in Steinenbronn lott per Update erledigte. Seither produziert die Therme am Landstrom zuverlässig Warmwasser, das man speziell in der großen Spüle gut gebrauchen kann. Allerdings fehlt fürs intensive Geschirrspülen eine Abdichtung zwischen Arbeitsfläche und Kühlschrank.
Die Schwächen des Dauertesters
Der große Slimtower-Kühlschrank gefällt durch seine Größe, warnt in Fahrpausen aber trotz Stromversorgung vom Mercedes piepsend vor einem Fehler beim Wechsel der Energiequelle. Die Lösung ist bzw. wäre aber einfach: Um die Steuerungselektronik des Kühlschranks autark zu betreiben, muss man für rund 30 Euro die separaten Batteriefächer Dometic R10-BP kaufen, die hinter die Frontblende geschoben und eingesteckt werden.
Dass sich das Dekor in der Kühlschranktür aus seinem Rahmen wölbt, ist ein optischer Makel, der beim Kundendienst behoben wird.
Zur Werkstatt rollen wird der Hobby ohnehin. Der Hauptgrund dafür ist die Bremse: Obwohl alle Hobby-Caravans selbst nachstellende Bremsen des Typs Knott ANS haben, ist mittlerweile ein Auflaufruck zu spüren. Insider berichten von häufiger nicht penibel eingestellten Bremsgestängen – wovon der Testwagen auch betroffen zu sein scheint. Die Bremswirkung indes wirkt aktuell noch ausreichend. Das ist auch wichtig, weil sich der De Luxe am Haken des V 300 d als sportlicher Nachläufer entpuppt, der sich sowohl auf der Autobahn als auch auf Überlandetappen äußerst flott und sicher bewegen lässt.
Mercedes V-Klasse: Der Van für alle Fälle
Aus dem Camping- und Redaktionsalltag ist der Mercedes V 300 d schon jetzt kaum mehr wegzudenken. Mit nur zwei der vier verschiebbaren Einzelsitze und ohne die klappbare Gepäckablage im Fond meistert der Van den Spagat zwischen schneller Limousine, potentem Zugfahrzeug und hilfsbereitem Transporter besonders geschmeidig. Beispiel gefällig? Auf dem Maniva-Pass wurde der so bestuhlte V 300 d zum Rettungsboot für eine hoffnungslos abgesoffene 125er-Enduro – und brachte auch ein E-Bike und Weinkartons sicher aus Italien zurück.
Mit dem 4matic-Allradantrieb und der belastbaren, feinfühligen Wandlerautomatik zieht der luftgefederte Benz auch Tandemachs-Anhänger souverän aus der Wiese und hält sie vorbildlich auf Kurs. Nachteil des zusätzlichen Vorderachsantriebs: Der Wendekreis wächst. Dafür sinkt durch das Drehmoment von 500 Nm der Verbrauch. Mit dem 1,5-Tonnen-Hobby im Schlepp übersteigt er selten 10,5 Liter. Obendrein fehlt nach über 20.000 Kilometern noch kein Schluck Öl.
Gibt es also bisher gar nichts zu meckern? Doch: Die Sitzflächen der Vordersitze werden auf sehr langen Strecken von Fahrerinnen und Fahrern unterschiedlicher Statur als zu schmal und damit unbequem empfunden. Und: Das bordeigene Navi ist nichts für schwache Nerven: Mehr als einmal schlug es trotz angehängtem Caravan eine deutlich längere Route über Alpenpässe vor – obwohl die Hauptverkehrsroute frei und damit mehr als eine Stunde schneller gewesen ist. Gut, dass Apple CarPlay und Android Auto kabellos funktionieren – dass man bei Fremd-Navigation auf Augmented Reality verzichten muss, ist verschmerzbar.
Hier haben wir den Mercedes V 300 d ausführlich vorgestellt:
Zurück zum Caravan
Der Grundriss spaltet die Gemüter, was weniger an ihm selbst als an unterschiedlichen Präferenzen liegt: Es gibt Paare, die das französische Doppelbett für groß genug halten, und solche, die sich während der Nacht freiwillig bis zum nächsten Morgen trennen. Gut also, dass sich die Sitzgruppe mit wenigen Handgriffen in ein brauchbares Zusatzbett verwandelt. So taugt der 460er sogar auch als Familiendomizil mit zwei Kindern. Keine zwei Meinungen gibt es zur Matratze im Bugbett, die unisono als viel zu weich empfunden wird. Mit den praktischen Ablagen am Kopfende und zwei Fenstern für angenehme Belüftung kann sich wiederum jeder anfreunden.
Weil der Hobby De Luxe 460 UFe unter dem Strich viele stimmige Lösungen bereithält und gut funktioniert, sieht man ihm Kleinigkeiten wie die schlecht zugänglichen Sitztruhen-Stauräume und das Fehlen einer Schuhklappe neben dem Eingang nach. Eine Empfehlung ist auch eine Bordbatterie. Denn ohne eigene Stromversorgung funktioniert die praktische Wasserwaage im Zentraldisplay nur, wenn der Wagen am Landstrom hängt.
