Warum der Trofeo eher Reisecoupé als Tracktool ist
590 PS, Allrad und ein Look wie auf Spannung gezogen: Der geliftete Maserati GranTurismo Trofeo legt sichtbar nach. Im Stadtverkehr erlebt man jedoch eine akustische Überraschung, und auch beim Einparken wird's spannend.
Eines lässt sich über die Modellpflege der seit Anfang 2023 aktuellen GranTurismo-Familie von Maserati nicht sagen: dass sie nicht sichtbar sei. Muskulöser, gespannter und angriffslustiger steht das Coupé da, in diesem Fall als GranTurismo Trofeo im matten Verde Jupiter. Das matte Jupitergrün gehört zum Fuoriserie-Ausstattungsprogramm und verteuert – nebenbei erwähnt – den Kaufpreis des GranTurismo um 19.040 Euro.
590 PS mit Zylinderabschaltung
Macht zusammen mit dem Grundpreis von 199.818 Euro also 218.858 Euro. Was dafür geboten wird? Nun, Trofeo steht ja bei Maserati für die jeweils schärfste Motorvariante. Beim GranTurismo ist es nach wie vor der Dreiliter-Nettuno-V6, nunmehr mit 590 statt 550 PS. Bei der Basisversion Modena bleibt die Motorleistung gleich: nach wie 490 PS (ab 161.143 Euro). Dazu gibt es den elektrischen Folgore mit 560 kW (762 PS), heute die preiswerteste Möglichkeit, ein Maserati GranCoupé zu fahren: ab 158.655 Euro).
Am Sound des Trofeo hätten sie gefeilt, erzählen die Maserati-Entwickler. Der V6 klingt nach wie vor satt und sonor, da musste man sich in Modena noch nie viel vorwerfen lassen. Nur bei langsamer Fahrt tönt der Trofeo etwas knurrig. "Klingt wie ein Yaris", bemerkt ein danebenstehender Kollege. Und liegt damit gar nicht so falsch. Unter bestimmten Betriebsbedingungen wird die rechte Zylinderreihe stillgelegt. Ein zusammenschiebbares, per Öldruck gesteuertes Stößelsystem deaktiviert dabei den Ventiltrieb, was den Dreiliter-V6 in einen 1,5-Liter-Dreizylinder verwandelt. Im Stadtverkehr von Triest hat der Nettuno-Motor jedenfalls oft die Gelegenheit dazu, Sprit zu sparen und als Dreizylinder zu performen.
Im Interieur gibt es ebenfalls Neues zu entdecken, etwa die Kippschalter für Getriebefunktionen. Der Wippschalter für D wie Drive liegt weit rechts außen, fast schon vor dem Beifahrer. Immerhin wurde eine neue Funktionalität hinterlegt: Beim Rangieren kann mit den Schaltwippen zwischen Rück- und Vorwärtsfahren hin und her geswitched werden, eine im Alltag und bei Fotofahrten willkommene Bedienungserleichterung.
Der Country-Modus hat nichts mit Musik zu tun
An der rechten Speiche des neu geformten Volants ist der Schalter für die Fahrmodi zu finden. GT, Sport und Corsa heißen die Programme beim Trofeo. Im Modena bietet sich zudem der Country-Modus an. Was aber in diesem Fall nichts mit Musik zu tun hat: Die Bodenfreiheit wird mit der adaptiven Luftfederung um einige Millimeter erhöht – in steilen Garagenauffahrten ebenso praktisch wie auf unebenem Geläuf.
Der Trofeo-Pilot muss darauf verzichten. Hier stellt sich schnell die "Sport"-Position in Verbindung mit der per Knopfdruck abrufbaren weichen Dämpfereinstellung als angenehmstes Programm für zügige Landstraßenetappen heraus. So kurvt der Maserati behände und zielgenau durch Biegungen, bevorzugt durch schnelle Landstraßenkurven.
In sehr eng gestecktem Terrain kann er freilich sein Gesamtgewicht von rund 1,8 Tonnen nicht mehr so richtig verbergen. Zumal das Maserati-Coupé kein zierliches Auto ist. Mit knapp drei Metern Radstand und über 4,90 Metern Gesamtlänge verfügt er beinahe schon über Luxuslimousinen-Format. Je bergiger die Landschaft und knapper die Kurvenradien werden, desto eher merkst du, dass du in einem 1,8 Tonnen- und Fünfmeter-Auto unterwegs bist.
Landstraße statt Rennstrecke
Ohnehin scheinen die leichtgängige Lenkung und das Feedback der Brake-by-Wire-Bremse eher für den Einsatz als elegantes, schnelles Reisecoupé als auf Rennstrecke und Trackdays ausgelegt. Leistung ist freilich nie ein Problem. Der Nettuno-V6 hämmert ab 2.500 Umdrehungen maximal auf die Kurbelwelle. Ab 4.000/min legt der Sechszylinder richtig los, nur 3,5 Sekunden vergehen theoretisch, bis 100 km/h anliegen. Und zwar ziemlich egal, welchen Reibwert die Fahrbahn gerade aufweist: Dank serienmäßigen Allradantriebs ist Traktion kein Thema.
Wer sich übrigens tief in den Motorraum beugt, sieht, dass sich das Differenzial der Vorderräder vor dem Motor befindet. So kann das Triebwerk weit unten und hinter der Vorderachse platziert werden – das hilft der Gewichtsverteilung und der Agilität.
Nach den Bergstraßen führt der Rückweg nach Triest durch Grado an der Adria entlang. Auch diese Prüfung absolviert der Trofeo bravourös, nimmt Temposchwellen und Kreisverkehre so souverän wie die Autobahnetappen mit 130er-Tempolimit.
Große Mühelosigkeit im großen Cabrio
Womit wir GranCabrio wären. Das gilt es in der Modena-Version auszuführen, der milderen Variante des V6 mit 490 PS und maximal 600 Nm. Den Knopf für die Verdeckfunktionen suchen wir beim Start vergeblich. Ein freundlicher Maserati-Mitarbeiter hilft. Er verbirgt sich im Touchscreen: Anwählen, wischen und dann den Finger auf dem Screen lassen, schon klappt das Stoffdach hinter den Sitzen zusammen.
Ansonsten zeigt sich die Fahrt im großen Cabrio von Mühelosigkeit geprägt. Das Luftfederfahrwerk lässt den großen Wagen sehr lässig über Landstraßen gleiten. Und von den Bergen in Slowenien weht kühler Wind in den Maserati. Was das Cabrio kostet? Ab 171.258 Euro, der elektrische Folgore ab 168.770 Euro.
