2,5 Tonnen, die sich plötzlich leicht anfühlen
Letzterer ist der Modus für jene Momente, in denen man sich einbildet, einen sündhaft teuren SUV auf Schotter mit der langen Seite voran in die Kurve werfen zu müssen.
Mehr Abtrieb, mehr Grip, weniger Wanken: Lamborghini macht aus seinem SUV endgültig eine Kurvenwaffe. Warum die Fahrwerks- und Aerodynamik-Upgrades beim Urus SE Performante wichtiger sind als die Mehr-PS.
Der Urus war schon immer der Beweis, dass selbst im SUV-Bereich die Vernunft im Lamborghini-Lastenheft höchstens als Randnotiz auftaucht. Der neue SE Performante radiert diese zwar nicht endgültig aus, dafür mit 812 PS und maximal 1.000 Nm gewaltige Striche auf den Asphalt. Gegenüber dem bisherigen Verbrenner-Performante sind das 146 PS und 150 Nm obendrauf. Entscheidender als die nackten Werte ist aber: Das Drehmoment liegt früher an. Der Urus wirkt nicht nur stärker, sondern spricht auch giftiger, präsenter an – als hätte jemand die Latenz aus dem Antriebsstrang geschnitten.
2,5-Tonner speckt 32 Kilogramm ab
Zum optischen Schnittmuster gehört dagegen viel Carbon: Haube, Dach, nahezu alle Anbauteile. Ergebnis: 32 Kilogramm weniger als der Urus SE. Nicht dass es einen Unterschied machen würde, bei 2,5 Tonnen, aber was soll's. Die akustische Komponente bedient eine neue Akrapovic-Anlage mit Schalldämpfer und Endrohren aus Titan, die allein schon zehn Kilogramm einspart und klarstellt, dass "Hybrid" nicht unbedingt "Flüstermodus" heißen muss. Im Sportmodus blubbert sie länger nach, insgesamt wird's lauter, der Start-Sound wurde neu designt – weniger Oper, mehr Power-Metal.
Auf der Straße bewahrt der Performante vor allem eines: Haltung. Die neue Zweikammer-Luftfederung reduziert die Rollneigung um 55 Prozent, gleichzeitig sinken die Karosserievibrationen um ein Viertel. Das klingt zunächst nach Messlabor, fühlt sich aber auch in der Praxis nach einem deutlichen Präzisions-Plus an – nach einem SUV, der sich nicht mehr in hilfloses Untersteuern flüchtet, wenn man ihn in die Kurve wirft. Ein neuer 6D-Sensor ermittelt zentrale Parameter wie den Reifengrip, die exakte Geschwindigkeit und den Karosseriewinkel in Echtzeit. Dadurch lässt sich die Leistungsabgabe in den unterschiedlichen Fahrmodi noch harmonischer, aber auch in Sachen Performance effizienter modulieren.
Fühlt sich leichter an, als er ist
Für den Fahrer heißt das: Der stärkste Urus fühlt sich viel leichter an, als er tatsächlich ist. Dazu kommen neue Bremssensoren, die laut Lamborghini eine um neun Prozent bessere Bremsleistung ermöglichen. Für die Rennstrecke bedeutet das spätere Bremspunkte und ein stabileres Pedalgefühl. Auf dem Nardò-Handlingkurs will man so eine Sekunde zum Vorgänger gutgemacht haben. Glauben wir sofort.
Speziell für den Performante hat Bridgestone übrigens spezielle Potenza-Race-Semislicks gebacken, die – freilich auf Asphalt – sechs Prozent mehr Grip als die bisherigen Sportreifen bieten. Eine verbesserte Aerodynamik mit 16 Prozent mehr Abtrieb vorn und tiefer sitzendem Splitter ergänzt das Einlenk-Talent.
Ganz neu: Der Rally-Modus
Vier Fahrmodi gibt es: Strada, Sport, Corsa – und neu: Rally. Letzterer ist der Modus für jene Momente, in denen man sich einbildet, einen sündhaft teuren SUV auf Schotter mit der langen Seite voran in die Kurve werfen zu müssen. Geht, dem folierten Testträger macht das auch nichts aus, aber der Performante-Käufer, der das seinem neuen Schätzchen antut, den müssen sie vermutlich erst noch backen. Die anderen drei unterscheiden sich vor allem in ihrer Hybridstrategie und der fahrwerklichen Freizügigkeit. Strada steht für Komfort, Sport für Fahrspaß inklusive Drift-Potenzial und Corsa für ernsthafte Track-Ausflüge.
