Ebenso brutal wie monoton
Drei E-Motoren mit 1.180 kW, 1.604 PS Systemleistung und der Sprint in 2,25 Sekunden – der Denza Z tritt auf dem Goodwood Motorcircuit an. Wir sammelten Eindrücke zu Beschleunigung, DiSus-M-Fahrwerk, Keramikbremsen und Sitzposition. Wie viel Emotion steckt im Elektro-Geschoss?
Aufgrund des bedauerlichen Umstands, dass Elektro-Sportwagen bis auf weitere verrückte Einfälle auf adäquaten Sound verzichten müssen, hätten wir Ihnen zur Entschädigung gern einen Ohrwurm verpasst – zumal der Markenname des chinesischen Ultra-High-Performance-Geschosses Denza Z eine echte Steilvorlage dafür gibt. Die halbe Redaktion ist seit Wochen am Umdichten, doch bedauerlicherweise beißt sich der Vorschlag "Tiny Denza" mit dem Gewicht von rund 2,2 Tonnen. "Private Denza" hätte Vorschuss-Erotik impliziert, für die sich die junge Marke aber erst noch etwas ins Zeug legen muss.
Probefahrt auf dem Goodwood Motorcircuit
Naja, und "Rhythm is a Denza" eben auch nicht, weil der Denza Z seine sage und schreibe 1.180 kW, also 1.604 PS, zwar mit unfassbarer Wucht, aber konzeptbedingter Monotonie emittiert. Am Ende sind wir jedoch heilfroh, dass auch "Denzing in the dark" als Titel für die Story nicht infrage kam, da sich England von seiner allerfreundlichsten Seite zeigte.
Für Brisanz war trotzdem gesorgt. Zum einen dadurch, dass sich die Sause auf dem Goodwood Motorcircuit zutrug, sich ein Mekka der Automobilsporttradition also kurzerhand zur Bühne für ihre wahrscheinliche Zukunft verwandelte – was sich Stand heute aber immer noch wie ein Death-Metal-Konzert im Petersdom anfühlt.
Zum anderen wird die Exklusivität dieser Gelegenheit mit Verknappung betont. Binnen drei Runden, die in Summe knapp zwölf Kilometern entsprechen, müssen alle Fahreindrücke beisammen sein, was angesichts der Antriebscharakteristik schon eine Aufgabe ist.
Drei E-Motoren sind am Werk. Der vordere bringt es auf 500 kW, die beiden hinteren zusammen auf deren 680. So entsteht ein Allradantrieb, bei dem die Power einer Corvette Z06 an der Vorderachse zerrt und zwei BMW M2 von hinten schieben – einer pro Rad! Na dann… Denza selbst, das vielleicht noch als Info vor dem Geschwindigkeitsrausch, versteht sich als Premiumlabel des chinesischen Autobauers BYD, ist also etwa so ausgerichtet wie Lexus bei Toyota, in Deutschland bereits mit dem noblen Shooting-Brake Z9 GT sowie dem Luxusbus D9 gelistet und bereit, die eigene Prominenz mit der anderer zu boosten: Auf der Homepage grient einem Daniel Craig entgegen, als Fahrlehrer des Testtages fungiert F1-Champ Jenson Button.
Modellvarianten: Coupé, Racing und Special
Das Z-Modell ist dem kühnen Vorhaben als emotionales Zugpferd vorgespannt, debütierte als Spider, um sich nun in drei weitere Versionen aufzusplitten: Coupé, Racing und Special. Letztere muss jedoch insofern eingeklammert werden, als sie sich als Entwicklungsauftrag mit dem Ziel Nordschleifen-Rekord versteht, dafür unter anderem einen aktiven Diffusor und bis zu 1.470 kW – 2.000 PS – bekommen soll. Watt the hell! Die übrigen Modellvarianten differenzieren sich über den Grad der Aerokits, die Rad-Reifen-Kombo (20 oder 21-Zoll) und die Fahrwerksauslegung (Luft respektive Stahl).
Generell Serie: die hausgemachten Keramikbremsen. Firlefanz wie Flügeltüren spart man sich ebenso wie Blingbling. Stattdessen: schlanke Linien mit Bentley-Touch am Heck. Drinnen mischen sich CFK und Alcantara-artige Bezüge mit einem hybriden Bedienkonzept bestehend aus physischen Tasten, einem großen Mittel- sowie einem kleinen Instrumenten-Display.
Die Sitze packen, unterstützen den Seitenhalt in Kurven über lenkwinkelabhängig ausfahrende Seitenwangen, sind wegen des in die Bodenstruktur des Fahrzeugs integrierten 76-kWh-Akkus für Sportwagenverhältnisse jedoch zu hoch positioniert. Denza verspricht aufgrund seiner Flash-Technologie extrem kurze Ladezeiten von nur neun Minuten (10 bis 97 % SoC). Tasten für Race-Modus und Boost sitzen in Daumenweite am Lenkrad, zwei (aktuell funktionslose) Schaltwippen dahinter. Sie deuten wohl auf ein simuliertes Getriebe im Ioniq-N-Stil hin.
Beschleunigung brutal, Akustik monoton
Albern? Bestimmt. Allerdings würde so etwas der schwallartigen Beschleunigung Struktur verleihen, die dann wiederum Anhaltspunkte für den Fahrer böte. Und die braucht’s! Denn tatsächlich besteht die Herausforderung aktuell vor allem darin, mitzufühlen, wo man sich gerade auf diesem elektrischen Beschleunigungsstrahl befindet, der einen unter sachtem Raunen quasi senkrecht tachoaufwärts schießt.
2,25 Sekunden gibt Denza für den Sprint auf 100 an. Und angesichts der schockierenden Vehemenz des Durchzugs besteht kein Grund für Zweifel daran. Selbst oberhalb von 130 wird der 4,78 Meter lange Zwei-plus-zwei-Sitzer beim Pedaltritt noch immer von einer derartigen Macht erfasst, dass es die Vorderachse spürbar aus den Federn hievt.
Fahrwerk stabil, Lenkung wenig Gefühl
In Kurven hat sich der Z besser im Griff. Das DiSus-M-Fahrwerk mit Doppelquerlenkern vorn, Fünflenker-Hinterachse und magnetorheologischen Aktiv-Dämpfern kontert Gewicht wie Schub, führt trotz der recht kantig ansprechenden, weithin gefühllosen Lenkung stabil durch Bögen, wobei die Kurventempi wegen eines überängstlichen Instruktors auf dem Beifahrersitz ein Stück diesseits des Grip-Limits der Pirelli bleiben mussten.
Schade, denn gerade da dürfte es spannend werden. Die Trimotor-Konfiguration vermag nämlich über die ebenso unabhängig wie ansatzlos losschießende E-Power den üblichen Rahmen der Querdynamik umzuackern. Karikatur des Potenzials ist der "Compass-Turn", der den Z zum Stummkreisel macht, indem er sein Heck mit wehenden Reifenrauchfahnen um die Vorderachse "denzen" lässt.
