VW setzt Entwicklung des ID.Golf aus
Volkswagen setzt die Entwicklungsarbeiten am geplanten ID. Golf vorübergehend aus. Der Konzern begründet den Schritt mit seiner angespannten Finanzlage. Ob der elektrische Golf trotzdem wie geplant Anfang der 2030er-Jahre starten kann, ist offen.
Schäfer sagte in einem internen Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, die Entscheidung sei ihm angesichts der Bedeutung des Golf für Volkswagen und Wolfsburg nicht leichtgefallen. Zugleich erklärte er: "Wir können uns diese Arbeit derzeit schlicht nicht leisten". VW-Finanzvorstand David Powels bestätigte die Unterbrechung in der Mitteilung zur Geschäftsentwicklung der Markengruppe Core. Die Entwicklungsleistungen für den künftigen ID. Golf würden pausiert, bis sich die nötigen Investitionen verlässlich darstellen ließen.
ID. Golf soll in WOB gebaut werden
Der ID. Golf soll die elektrische Ergänzung des Golf werden. Der Golf mit Verbrennungsmotor läuft derzeit noch in Wolfsburg vom Band. Seine Produktion soll später nach Mexiko verlagert werden. VW hält nach Angaben des NDR daran fest, den elektrischen Golf im Stammwerk zu fertigen.
Als technische Grundlage ist die neue Plattform SSP vorgesehen. In Wolfsburg soll zunächst ein elektrischer T-Roc auf dieser Plattform entstehen, der ID. Golf soll darauf folgen. Reuters zufolge war der Start der Plattform ursprünglich für 2026 vorgesehen, hat sich aber verzögert. SSP soll konzernweit eingesetzt werden und die Fahrzeugentwicklung vereinfachen sowie die Produktionskosten senken.
Betriebsrat hält den Zeitplan für erreichbar
Der Volkswagen-Betriebsrat hält es für möglich, dass die Pause den geplanten Marktstart nicht verschiebt. Reuters zufolge erklärte er, die verlorene Zeit solle aufgeholt werden. In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur schrieb der Betriebsrat: "Der Stopp der ID.-Golf-Vorarbeiten ist ein Zeichen für die angespannte Finanzlage des Konzerns."
Die Automobilexpertin Helena Wisbert von der Ostfalia Hochschule ist skeptischer. "Fahrzeug-Entwicklungsprozesse sind immer eng getaktet", sagte sie dem NDR. Wenn es bereits zu Beginn Verzögerungen gebe, könne sich das auf den Produktionsstart auswirken. Wann VW die Arbeiten wieder aufnehmen will, ist nicht bekannt.
Wolfsburg verfehlt sein Sparziel
Die Pause am ID. Golf fällt in eine Phase, in der Volkswagen seine Kosten senken will. Das Stammwerk Wolfsburg liegt bei seinem Sparziel in diesem Jahr rund 300 Millionen Euro zurück.
Für die Marke Volkswagen meldete das Unternehmen im dritten Quartal einen Verlust von 182 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten lag das operative Ergebnis bei 813 Millionen Euro, nach 1,476 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Belastend wirkten unter anderem höhere Aufwendungen für Verkaufshilfen, Veränderungen im Modellmix und Kosten im Zusammenhang mit Restrukturierungen, dem geplanten Verkauf des Werks Osnabrück sowie dem Ende der ID.4-Produktion in Chattanooga.
Elektroautos bringen geringere Margen
VW-Finanzvorstand Powels erklärte, die Nachfrage nach Elektroautos steige, ihre Margen lägen aber noch unter denen vergleichbarer Verbrennermodelle. Der wachsende Anteil der Elektroautos erhöhe deshalb derzeit den Kostendruck. VW wolle an Produktkosten und Skaleneffekten arbeiten, um die Profitabilität der Elektromodelle zu verbessern.
Die Entwicklung fällt bei den Konzernmarken unterschiedlich aus. Skoda kam in den ersten neun Monaten auf ein operatives Ergebnis von 1,92 Milliarden Euro. Im dritten Quartal waren es 557 Millionen Euro. Der Elroq war nach Angaben des Konzerns in diesem Zeitraum das meistverkaufte Elektroauto der Volkswagen-Gruppe.
Auch die Nachfrage nach den neuen Elektromodellen der sogenannten Electric Urban Car Family ist laut VW hoch. Für den VW ID. Polo und ID. Cross, den Skoda Epiq und den Cupra Raval seien kurz nach ihrer Einführung zusammen 150.000 Bestellungen eingegangen. Wisbert verwies ebenfalls auf die Nachfrage nach elektrischen Kleinwagen. Sie nannte den ID. Polo als Beispiel dafür, dass solche Modelle derzeit gefragt seien.
