Punkte auf der Straße
Gelbe Punkte auf der Fahrbahn sollen Autofahrer aufmerksamer machen und das Tempo senken. Ein Blick nach Berlin zeigt allerdings, wie teuer solche Versuche ausfallen können und warum die Markierungen nicht jedem Verkehrsteilnehmer helfen.
In österreichischen Villach testen die Verantwortlichen gelbe Punkte auf einer 2,4 Kilometer langen Straße im Stadtteil Tschinowitsch. Die Markierungen sollen Autofahrer auf die besondere Situation im Wohngebiet aufmerksam machen und zu einem niedrigeren Tempo bewegen.
Die Stadt setzt dabei auf große und kleine Kreise, die sich deutlich vom dunklen Asphalt abheben. Zusätzliche Verkehrsschilder oder neue Verbote sind in dem Konzept nicht vorgesehen.
Rund 3.000 Fahrzeuge nutzen die Straße innerhalb von 24 Stunden. Ein Fahrverbot mit Ausnahme für Anwohner prüften die Verantwortlichen zwar, hielten es aber für schwer umsetzbar. Das Projekt kostet 14.500 Euro.
Gelb soll den Blick auf die Fahrbahn lenken
Gelb gehört im Straßenverkehr zu den Warnfarben. Der starke Kontrast zur Fahrbahn soll den Blick der Fahrer auf die Markierungen lenken und sie dazu bringen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Die Punkte verändern weder die zulässige Höchstgeschwindigkeit noch die Vorfahrt. Sie besitzen keine eigene rechtliche Bedeutung und ersetzen kein Verkehrszeichen.
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit begleitet den Versuch in Villach. Aus vergleichbaren Projekten in Wien und Graz berichtet die Organisation von einer Verringerung des Geschwindigkeitsniveaus um zwei bis drei km/h.
Poller verstärken den optischen Effekt
Einige Städte kombinieren die farbigen Kreise mit Pollern oder baulichen Verengungen. Die Hindernisse lassen die Fahrbahn schmaler wirken und machen die Durchfahrt für Ortsfremde angeblich weniger attraktiv.
Die Gestaltung soll damit nicht nur das Tempo senken. Sie soll auch den Durchgangsverkehr reduzieren und mehr Aufmerksamkeit für Fußgänger und Radfahrer schaffen.
Internationale Erfahrungswerte deuten laut den vorliegenden Berichten auf weniger Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern hin, wenn Markierungen und Poller gemeinsam zum Einsatz kommen. Belastbare Aussagen hängen allerdings von der jeweiligen Straße, der Gestaltung und der Verkehrssituation ab.
Keine feste Bedeutung für Autofahrer
Gelbe Punkte gehören nicht zur offiziellen Verkehrszeichenwelt. Autofahrer müssen deshalb keine bestimmte Regel befolgen, wenn sie über eine solche Markierung fahren. Kritiker befürchten, dass die Punkte bei Ortsfremden zu Unsicherheiten führt. Das würde die Aufmerksamkeit zwar auf die Straße lenken, aber auch vom übrigen Verkehr ablenken. Der ÖAMTC Kärnten kritisiert außerdem die Unterhaltungskosten. Städte müssen die Markierungen regelmäßig erneuern, wenn Witterung, Schmutz und Reifenabrieb ihre Sichtbarkeit verringern.
Berlin testete grüne Punkte
Berlin sammelte 2019 Erfahrungen mit einer ähnlichen Maßnahme. In der Bergmannstraße in Kreuzberg setzte das Bezirksamt grüne Punkte ein. Die Markierungen sollten die dort geltende Tempo-20-Regel stärker ins Blickfeld rücken.
Das Experiment gehörte zur Begegnungszone Bergmannstraße. Dort ergänzten Parklets, Poller, Piktogramme und weitere Elemente die farbigen Kreise. Das Bezirksamt wollte den Autoverkehr reduzieren und den Straßenraum stärker für Fußgänger und Radfahrer öffnen.
146.500 Euro für Markierungen und Piktogramme
Die grünen Punkte kosteten zusammen mit den Piktogrammen 146.500 Euro. Bereits nach einer Woche verloren die Markierungen ihren frischen Farbeindruck, verschmutzten und hoben sich weniger deutlich vom Asphalt ab.
Die Gestaltung stieß bei vielen Anwohnern und Bezirkspolitikern auf Kritik. Auch die Parklets sorgten für Streit. Das gesamte Modellprojekt kostete mehr als eine Million Euro.
Berlin entfernte die Punkte wieder
Nach rund einem Jahr Testlauf beschloss die Bezirksverordnetenversammlung den Abbau der Parklets und der grünen Markierungen. Arbeiter schliffen die Punkte im November 2019 vom Asphalt ab und sperrten dafür jeweils eine Hälfte der Fahrbahn.
Damit endete der Versuch in der Bergmannstraße. Die auffällige Gestaltung blieb nicht dauerhaft bestehen, obwohl das Bezirksamt zunächst über eine feste Übernahme einzelner Elemente beraten hatte.
