Wo Kosten wirklich lauern
E-Autos gelten als wartungsarm, doch die Rechnung entscheidet sich oft erst später. Entscheidend sind Stundensätze, Softwarezugang und wenige, aber teure Ausnahmen wie die Batterie.
Bei der Inspektion sind Elektroautos im ADAC-Check im Schnitt günstiger als vergleichbare Verbrenner. In einer Stichprobe mit 120 angefragten Kostenvoranschlägen in Hamburg, Köln und München lagen die Verbrenner-Angebote meist mindestens ein Drittel über denen der Stromer.
Der Haken steckt teils im Stundenlohn der Werkstatt. Bei fast der Hälfte der Betriebe mit detaillierter Aufstellung waren die Stundensätze für E-Autos höher, im Mittel um rund 17 Prozent.
Für Kunden in Deutschland heißt das: Nicht nur die Liste der Arbeitspunkte zählt, sondern die Kalkulation dahinter. Ein schriftlicher, detaillierter Kostenvoranschlag wird beim E-Auto besonders wichtig, weil der "Elektro-Aufschlag" nicht durch mehr Aufwand erklärbar ist.
Standort und Werkstattwahl zählen
Der ADAC sieht ein deutliches Preisgefälle zwischen Stadt und Umland. Werkstätten im Umkreis von 60 Kilometern um die Großstädte lagen teils klar unter den Preisen in der Stadt.
Wie groß der Effekt sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Stichprobe: Beim BMW i4 war die Inspektion in Hamburg im Schnitt 41 Prozent teurer als im Umland. Beim BMW M440i lag der Abstand bei 10 Prozent.
Wer Inspektionskosten drücken will, sollte deshalb nicht nur die nächste Markenadresse ansteuern. Angebote aus dem Umland können sich lohnen, gerade wenn dieselbe Marke in der Stadt spürbar teurer kalkuliert.
Später kommen die teuren Posten
Über die Jahre verschieben sich beim E-Auto viele Kosten nach hinten. In den ersten acht bis zehn Jahren bleiben die Wartungsaufwendungen oft niedrig, erst dann werden größere Reparaturen an Fahrwerk und Antriebsstrang fällig.
Zusätzlich kann Software zum Kostentreiber werden, wenn Systeme altern oder ersetzt werden müssen. Für freie Werkstätten ist dabei nicht nur die Diagnose-Hardware entscheidend, sondern auch der Zugang zu herstellerseitigen Daten.
Für genau diesen Zugang soll SERMI helfen: Das System schafft EU-weit einen standardisierten, abgesicherten Zugriff auf sicherheitsrelevante Reparatur- und Wartungsinformationen. Grundlage ist die Delegierte Verordnung (EU) 2021/1244 in Verbindung mit (EU) 2018/858 – ein wichtiger Baustein, damit E-Autos auch außerhalb der Markenbetriebe wirtschaftlich zu warten sind.
