Nicht mit Porsche!
Porsche will nach Angaben von Vorstandschef Michael Leiters keine zusätzlichen Stellen über die bereits vereinbarten Programme hinaus abbauen. Zuvor hatte ein Medienbericht für Unruhe gesorgt, wonach Volkswagen weitere 4.100 Arbeitsplätze bei der Sportwagenmarke für entbehrlich halte.
Es gebe derzeit keine Pläne, weitere Arbeitsplätze über die bereits vereinbarten Maßnahmen hinaus zu streichen. Das geht aus einer internen Mitteilung an die Belegschaft hervor, über die die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Ausgangspunkt war ein Bericht des "Handelsblatts". Demnach sieht eine Vorlage zu einem Aufsichtsratsbeschluss bei Volkswagen vom Anfang September vor, die Beschäftigtenzahl in der Markengruppe Sport Luxury um rund 4.100 Mitarbeiter zu reduzieren. Zu dieser Markengruppe gehört ausschließlich Porsche. Die Maßnahmen sollten laut Bericht zusätzlich zu den bereits bestehenden Vereinbarungen gelten.
Leiters sieht keine Änderung am vereinbarten Stellenabbau
Leiters erklärte in seiner Mitteilung, die in den Berichten genannte Zahl von 4.100 Stellen stamme aus Berechnungen des Volkswagen-Konzerns. Porsche habe jedoch ein eigenes Restrukturierungsprogramm erarbeitet, das bereits vom Aufsichtsrat des Sportwagenherstellers beschlossen worden sei. An diesem Programm habe sich nichts geändert.
Volkswagen kann Porsche wegen der eigenständigen Unternehmensstruktur keine konkreten Personalmaßnahmen vorschreiben. Entscheidungen über einen Stellenabbau müssen bei Porsche selbst getroffen und mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden. Die in der VW-Unterlage genannte Zahl bedeutet deshalb nicht, dass bereits ein zusätzliches Abbauprogramm beschlossen wurde.
Porsche streicht bereits rund 9.000 Stellen
Unabhängig von der aktuellen Diskussion läuft bei Porsche bereits ein umfangreicher Personalabbau. Im ersten Zukunftspakt hatte das Unternehmen 2025 vereinbart, rund 3.900 Stellen bei Porsche sowie weitere 500 Arbeitsplätze bei Tochterunternehmen abzubauen.
Im Juli 2026 kamen weitere 5.000 Porsche-Stellen hinzu. Diese sollen bis 2035 wegfallen. Insgesamt betrifft das bei Porsche rund 8.900 Arbeitsplätze. Werden die Tochtergesellschaften einbezogen, erhöht sich die Zahl auf etwa 9.400 Stellen. Der Abbau soll nach den bisherigen Vereinbarungen sozialverträglich erfolgen. Vorgesehen sind unter anderem Altersteilzeit, Abfindungen und das Auslaufen befristeter Verträge. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2035 ausgeschlossen. Zugleich wurden die Standorte Zuffenhausen und Weissach bis zu diesem Zeitpunkt abgesichert.
VW sieht eine Lücke von 700 Millionen Euro
Nach dem Bericht des "Handelsblatts" geht Volkswagen bei Porsche von einer Lücke von rund 700 Millionen Euro bei den Gemeinkosten aus. Daraus leitete der Konzern rechnerisch einen weiteren Personalbedarf von rund 4.100 Stellen ab. Porsche und Volkswagen hatten den ursprünglichen Bericht zunächst nicht kommentiert.
Die Berechnungen stehen im Zusammenhang mit einem größeren Sparprogramm im Volkswagen-Konzern. Der VW-Aufsichtsrat hatte Anfang September weitere Schritte zur Kostensenkung beraten. Neben einem Stellenabbau geht es dabei um eine einfachere Konzernstruktur, niedrigere Verwaltungskosten und mögliche Veränderungen im Produktionsnetz.
Porsche belastet die VW-Bilanz
Volkswagen senkte am 18.9.2026 seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich. Der Konzern erwartet nur noch eine operative Umsatzrendite von höchstens einem Prozent. Zuvor war Volkswagen von vier bis 5,5 Prozent ausgegangen. Ein wesentlicher Grund ist eine Abschreibung von rund sechs Milliarden Euro auf Porsche. Insgesamt rechnet Volkswagen mit einmaligen Belastungen von etwa zehn Milliarden Euro. Neben den Problemen bei Porsche wirken sich nach Konzernangaben auch schwächere Aussichten für andere Marken aus.
Die operative Umsatzrendite beschreibt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der laufenden betrieblichen Kosten als operativer Gewinn verbleibt. Eine Rendite von einem Prozent bedeutet, dass von 100 Euro Umsatz rechnerisch nur ein Euro operativer Gewinn übrig bleibt.
