98 % weniger Gewinn von Januar bis September 2026
Der operative Verlust bei der Volkswagen AG im dritten Quartal 2026 beträgt 5,86 Milliarden Euro. Hohe Sondereffekte erklären einen großen Teil des Einbruchs – doch auch die Absatzkrise in China und die Zukunft der Werke setzen Volkswagen unter Druck.
Volkswagens ausgewiesenes operatives Ergebnis ist in den ersten neun Monaten 2026 auf 71 Millionen Euro geschrumpft. Im dritten Quartal allein stand ein operativer Verlust von 5,86 Milliarden Euro zu Buche. Hohe Sondereffekte erklären einen großen Teil des Einbruchs; zugleich verschärft der Absatzrückgang in China den Druck auf den Konzernumbau.
Was ist passiert?
Im dritten Quartal 2026 lag das operative Ergebnis bei minus 5,86 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatte Volkswagen minus 1,30 Milliarden Euro verbucht. Über die ersten neun Monate blieb ein operatives Ergebnis von 71 Millionen Euro – nach 5,41 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang um 98,7 Prozent. Der Konzernumsatz sank in diesem Zeitraum um 2,2 Prozent auf 233,4 Milliarden Euro.
Wie dramatisch ist der Einbruch wirklich?
Das ausgewiesene Ergebnis wird stark von Sondereffekten geprägt. Sie summierten sich in den ersten neun Monaten auf 8,7 Milliarden Euro; 7,8 Milliarden davon entfielen auf das dritte Quartal. Ohne diese Posten lag das operative Ergebnis laut Volkswagen bei 8,8 Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite bei 3,8 Prozent. Das ist deutlich mehr als die ausgewiesenen 71 Millionen Euro, aber kein Grund zur Entwarnung: Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern eine operative Umsatzrendite von bis zu einem Prozent.
Finanzvorstand und COO Arno Antlitz mahnte in der Mitteilung zu den Quartalszahlen: "Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln." Die Prognose für 2026 bleibt laut Volkswagen unter anderem von der Entwicklung des Marktumfelds und der internationalen Zollsituation abhängig.
Woher kommen die Belastungen?
Zu den Sondereffekten zählen eine nicht zahlungswirksame Abschreibung von 6,4 Milliarden Euro auf den Firmenwert von Porsche, rund eine Milliarde Euro an Wertberichtigungen bei vollkonsolidierten Gesellschaften in China sowie zusätzliche Aufwendungen im Zusammenhang mit dem angestrebten Verkauf des Werks Osnabrück.
Daneben nennt Volkswagen den schwachen chinesischen Markt, zunehmenden Preis- und Wettbewerbsdruck, US-Zölle und den gestiegenen Anteil margenschwächerer Elektroautos. Die Porsche-Abschreibung ist nicht mit einem laufenden operativen Verlust der Markengruppe Sport Luxury gleichzusetzen: Für diese weist Volkswagen in den ersten neun Monaten ein operatives Ergebnis von 1,5 Milliarden Euro aus.
Warum ist China für VW zum Problem geworden?
"Der Gesamtmarkt in China ist im freien Fall", sagte VW-China-Chef Ralf Brandstätter im Interview mit dem Handelsblatt. Nach seiner Darstellung wurden im Vorjahr dort mehr als 24 Millionen Fahrzeuge verkauft; für 2026 erwarteten Institute weniger als 19 Millionen. Zugleich verschiebt sich die Nachfrage: Höhere Benzinpreise bei niedrigen Strompreisen beschleunigten den Wechsel zum Elektroauto und setzten Verbrenner zusätzlich unter Druck.
Volkswagens Auslieferungen in China gingen in den ersten neun Monaten laut Brandstätter um 30 Prozent zurück, bei reinen Elektroautos sogar um 42 Prozent. Er erklärte, VW könne seinen Marktanteil von mehr als 20 Prozent bei Verbrennern weitgehend halten. Weil dieses Segment überproportional schrumpfe, treffe das den Konzern besonders. Die neuen Elektroautos liefen erst an und könnten den Rückgang bislang nicht ausgleichen. Hinzu komme der Wettbewerb: Rund 500 neue oder deutlich überarbeitete Modelle kämen auf einen kleineren Markt.
Brandstätter erwartet, dass sich der chinesische Markt im kommenden Jahr nicht deutlich erholt. Bis 2030 rechnet er für VW dort mit rund 2,2 Millionen Verkäufen pro Jahr – statt der im Frühjahr genannten 3,2 Millionen. Für 2026 könnte der Konzern nach Einschätzung des Handelsblatts erstmals seit 2010 unter zwei Millionen verkaufte Autos in China rutschen.
Was tut VW dagegen – und was bedeutet das für die Werke?
In China hat Volkswagen nach Brandstätters Angaben in den vergangenen zwei Jahren Kapazitäten für mehr als eine Million Fahrzeuge abgebaut und die Beschäftigtenzahl von 90.000 auf weniger als 70.000 reduziert. Die Fabrikkosten seien seit 2023 um 20 Prozent gesunken. Nun sollen die Produktionskapazitäten um mindestens weitere 500.000 Fahrzeuge verringert werden. Bis Ende 2027 will VW die Kosten je nach Einheit um 20 bis 30 Prozent senken. Auch Exporte aus China sollen wichtiger werden; Brandstätter nannte dafür unter anderem Kasachstan und Usbekistan als bereits gestartete Märkte sowie Mexiko, Ägypten, Vietnam und Australien als weitere Ziele.
Der konzernweite Zukunftsplan sieht laut dem vorliegenden Bericht rund 50.000 wegfallende Stellen weltweit vor. Bis 2035 soll die Modellpalette etwa halbiert, die Produktion auf einen Absatz von rund neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr ausgerichtet werden. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist dem Bericht zufolge für den Zeitraum 2031 bis 2034 noch keine wirtschaftlich tragfähige Anschlussproduktion gesichert. Ein gemeinsames Konzept für die europäischen Werke soll bis Ende Juni 2027 vorliegen.
In Zwickau werden neben Vorserien-Fahrzeugen auch Altfahrzeuge zerlegt, um Komponenten und Rohstoffe zurückzugewinnen. Ob dieses Geschäft groß genug werden kann, um die Zukunft des Standorts zu sichern, ist offen. Die vorliegenden Informationen enthalten weder konkrete Angaben zu seinem Umfang noch zu seinem möglichen Ergebnisbeitrag.
