Mehr Funktion, mehr Tasten, mehr Display
Beim neuen VW ID. Tiguan hat sich einiges getan – und das nicht nur beim Design. Vor allem im Innenraum zeigt sich, dass Volkswagen aus den Erfahrungen mit seinen bisherigen ID.-Modellen gelernt hat. Vieles wirkt vertraut, manches überraschend anders. Ob VW damit tatsächlich die richtigen Stellschrauben gedreht hat, zeigt ein genauer Blick ins Interieur.
Nicht nur außen wurde der VW ID. Tiguan umgestaltet, auch innen hat sich das Entwickler- und Designer-Team zu schaffen gemacht. So wurde das Cockpit wurde komplett neu eingerichtet, mit einem hoch installierten und gut erreichbaren 15-Zoll-Touchscreen (ID.4: 12,9 Zoll) plus optionalem Beifahrerdisplay in 12 Zoll, über das man zum Beispiel Gaming-Controller oder Bluetooth-Kopfhörer koppeln kann, und damit unabhängig vom Hauptbildschirm sein eigenes Info- und Entertainmentprogramm gestalten kann.
Hinterm oben sowie unten abgeflachten Lenkrad mit intuitiv bedienbaren, physischen Tasten – das wir bereits aus ID.3 Neo und ID. Polo kennen – steckt ein 10-Zoll-Instrumentendisplay (ID.4: 5,3 Zoll), das verschiedene Layouts bietet (z.B. Assistenz-Ansicht, Navi-Karte oder Rundinstrumente): Highlight sind die sogenannten Retro-Anzeigen im 70er-Jahre Stil des Golfs der ersten Generation. Der Retro-Stil setzt sich auch auf dem Touchscreen fort, wobei man in den virtuellen Ablageschacht, wie ein Modellauto ins Regal, wahlweise einen Tiguan Generation 1, den Golf 1, Golf 4, Golf 2 Country, einen VW Käfer oder Race Touareg von der Dakar-Rallye stellen kann. Durch die große des Drück-Bildschirms können die wichtigsten Funktionen dauerhaft eingeblendet werden und man kann einige Menüs auch nach persönlicher Vorliebe konfigurieren.
Warum nicht gleich? Klimasteuerung über Tasten statt Touch
Viel wichtiger aber ist, was unterm Touchscreen passiert ist. Eine Handbreit tiefer nämlich, direkt unter den Lüfterdüsen, wurde eine Schalterleiste für die Klimasteuerung installiert. Auch die kennen wir aus ID.3 Neo und ID. Polo und finden, dass VW nach dem Touchflächen-Irrweg der vergangenen Jahre unter anderem damit wieder auf den Pfad der Bedientugend zurückgefunden hat. Gleiches gilt für die vier vollwertigen Fensterheber in der Fahrertür, die eine Selbstverständlichkeit sein sollten, das aber jahrelang nicht waren. Praktisch sind auch die nach wie vor großen und zahlreichen Ablagefächer, hier mit zwei Becherhalten und zwei magnetischen Smartphone-Induktiv-Ladeflächen sowie großen Fächern unter der zweigeteilt öffnenden Mittelarmlehne und dem Mittelkonsolensteg. Der ist mit zwei USB-C-Anschlüssen bestückt und nach oben mit einem schmalen Ladekabelkanal verbunden. Die Qualität wirkt hochwertig, mit zum Teil hinterleuchteten Verkleidungsteilen, Einfassungen in Chromoptik und geschäumten Oberflächen – wobei der Qualitätsfokus mehr auf der ersten Reihe lag, denn im Fond ist mehr Hartplastik verbaut.
Gutes ist geblieben: Viel Platz und bewährte Funktionen
Die Platzverhältnisse in beiden Reihen ist mehr als großzügig, zudem bieten die Sitze eine langstreckentaugliche Polsterung, einen ordentlichen Seitenhalt und diverse Einstellmöglichkeiten mit Gurthöhenverstellung, optionaler Heizung, Belüftung und Massagefunktion. Weil der Abstand zwischen Rückbank und Fußboden groß ist, sitzt man nicht mit angewinkelten Beinen und kann sich auch bequem ausstrecken, dabei die Füße unter den Vordersitzen parken. Auch die Funktionalität stimmt mit Klappgriffen im Dachhimmel, Doppel-Leseleuchten, Türfächern, Becherhaltern in der Mittelarmlehne, Lehnentaschen und USB-C-Anschlüssen.
ID. 4 lädt jetzt auch Elektrogrills oder E-Bikes
Strom gibt’s auch im beinahe komplett ausgefilzten Kofferraum aus einer 230-Volt-Steckdose. Oder man stöpselt einen Adapter in den Ladeanschluss überm rechten Hinterrad, sodass man auch bei geschlossenem Kofferraum Geräte betreiben (Kaffeemaschine, Grill, Musikanlage) oder laden kann (z.B. E-Bike, Computer, E-Pumpe für die Luftmatratze). Das können andere Hersteller zwar schon lange. Aber besser, VW bringt so eine Funktion spät als nie. Das Gepäckabteil ist im Vergleich zu dem des ID.4 minimal gewachsen und bietet nun einen Liter mehr Standard- (534) sowie zwölf Liter mehr Maximalvolumen (1.577) bei umgeklappten Fondlehnen. Die sind asymmetrisch geteilt umklappbar (keine Gurt-Einklemmgefahr beim Hochklappen durch separate Führung neben den Lehnen), inklusive Durchladefunktion, und ergeben einen beinahe ebenen Ladeboden. Im Vergleich zum Verbrenner-Tiguan kann man im ID. Tiguan die Rückbank nicht verschieben.
Neu: Mehr Stütz- sowie Anhängelast und ein Frunk
Im Kofferraum versteckt sitzt übrigens der Knopf zum Ausfahren der Anhängerkupplung, wobei die Stützlast beim ID. Tiguan im Vergleich zum ID.4 auf 90, die Anhängelast per se auf 1,8 Tonnen steigt. Mit größerer Heckmaschine oder Allradantrieb (165 kW DC-Ladeleistung) darf man jetzt sogar bis zu 2.000 kg ziehen. Neu ist außerdem der flache Frunk (32 Liter) unter der Fronthaube, in den locker zwei Ladekabel passen und wir fragen uns: Warum gab’s dieses Fach nicht bereits beim ID.4? Denn konstruktiv hat VW quasi nichts geändert.
