Bremspedal bricht wegen Billigmaterial
Der Maextro V800 bremst plötzlich nicht mehr: Nach dem Versagen schaltet sich Chinas Regierung ein. Sogar der berühmte "China-Speed" beim Entwicklungstempo wird hinterfragt.
Während ein chinesisches Autoportal den elektrischen Luxus-Van Maextro V800 testete, brach während einer Vollbremsung aus 100 km/h die Bremspedalhalterung – und zwar bei drei verschiedenen Fahrzeugen. Bei einem Wagen geschah das im dritten Bremsversuch, bei einem weiteren im vierten und beim Dritten bereits im Zweiten. Der mehr als drei Tonnen schwere Van fuhr daraufhin zunächst ungebremst weiter; die Tester konnten ihn lediglich mit der Notbremsfunktion über die Parktaste stoppen. Verletzt wurde offenbar niemand.
Empörung in China, Regierung untersucht
Ein Video des Vorfalls verbreitete sich in den vergangenen Tagen rasant in China und löste dort große Empörung aus. Staatliche Medien betonten die Schwere des Sicherheitsversagens. Die Regierung setzte eine offizielle Untersuchung in Gang: Das Industrieministerium, die Cyberspace-Behörde und die oberste Marktaufsicht sollen gemeinsam die Ursache klären.
Bei den Bremspedalhalterungen des mindestens etwa 100.000 Euro teuren Luxus-Vans soll es sich um ein Kunststoffteil aus glasfaserverstärktem Polypropylen gehandelt haben. Diese will Maextro nun neu konstruieren und bei bereits verkauften Modellen kostenlos ersetzen. Gleichzeitig kündigte Maextro an, mit dem Untersuchungsausschuss zu kooperieren. Einen offiziellen Rückruf hat der Hersteller jedoch bislang offenbar nicht bei der Pekinger Marktaufsicht angemeldet. Zudem monierte der Hersteller, dass die Testbedingungen nicht den Standards entsprochen hätten, sondern "extrem" gewesen seien.
Der Fall hat eine breitere Debatte über die Sicherheit und das hohe Entwicklungstempo der chinesischen Autoindustrie angefacht. Zwei Tage nach der Veröffentlichung des Videos legten vier Regierungsbehörden einen Entwurf für strengere Vorgaben zu Entwicklung und Erprobung neuer Fahrzeugtechnik vor. Zusätzlich hatte ein Normungsgremium bereits vorgeschlagen, Zuverlässigkeitstests für bestimmte Elektrofahrzeuge auf mindestens 30.000 Kilometer auszuweiten und eine mindestens einjährige Erprobung unter verschiedenen Klimabedingungen vorzuschreiben. Damit reagiert Peking nicht nur auf den einzelnen Vorfall, sondern auch auf die Sorge, dass verkürzte Entwicklungszeiten notwendige Praxistests verdrängen könnten.
Die Marke Maextro, ein Joint Venture von Huawei und JAC, ist in Deutschland bislang nicht aktiv.
