2.500 Jobs weg, 450 Millionen sparen
Volvo Cars rutscht im dritten Quartal 2026 in die roten Zahlen und verliert vor allem in China kräftig an Umsatz. Der schwedische Hersteller verschärft seinen Sparkurs und plant den Abbau von rund 2.500 Stellen.
Volvo Cars hat im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 66,9 Milliarden SEK (rund 6,0 Milliarden Euro) erzielt. Im Vorjahreszeitraum waren es 86,4 Milliarden SEK (rund 7,8 Milliarden Euro). Das Betriebsergebnis rutschte von plus 6,4 Milliarden SEK (rund 576 Millionen Euro) auf minus 5,6 Milliarden SEK (rund 504 Millionen Euro).
Der Hersteller weist zusätzlich ein bereinigtes EBIT von minus 3,7 Milliarden SEK (rund 333 Millionen Euro) aus. Diese Kennzahl klammert den Ergebnisanteil aus Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen sowie Sondereffekte aus. Die bereinigte EBIT-Marge lag bei minus 5,6 Prozent; ohne diese Anpassungen betrug sie minus 8,4 Prozent.
China und USA belasten das Geschäft
Vor allem China setzte Volvo Cars unter Druck. Der Umsatz auf dem chinesischen Markt sank gegenüber dem Vorjahresquartal um fast 50 Prozent. Neue einheimische Anbieter verschärfen dort den Wettbewerb, während etablierte Premiummarken mit starkem Preisdruck kämpfen.
In den USA belasteten Zölle und der Wegfall von Kaufanreizen für elektrifizierte Autos das Geschäft. Hinzu kamen eine Neubewertung von CAFE-Credits, die das Ergebnis mit 1,1 Milliarden SEK (rund 99 Millionen Euro) belastete, und höhere Rohstoffkosten. Auch Polestars Verluste aus dem zweiten Quartal schlugen mit 0,9 Milliarden SEK (rund 81 Millionen Euro) zu Buche.
Volvo spart weitere 5 Milliarden SEK
Volvo Cars will zusätzlich 5 Milliarden SEK (rund 450 Millionen Euro) bei indirekten Ausgaben und variablen Kosten einsparen. Dafür plant das Unternehmen weltweit einen strukturellen Abbau von rund 2.500 Stellen, davon 2.000 in Schweden. Volvo lässt Beraterverträge auslaufen, setzt auf natürliche Fluktuation und bietet Beschäftigten gezielt Abfindungen an.
Bis Ende 2027 erwartet Volvo Cars die volle finanzielle Wirkung der Maßnahmen. Dann sollen die indirekten Ausgaben fast 25 Prozent unter dem Niveau von 2024 liegen. Das Unternehmen will zudem Verwaltungskosten senken, die Forschung und Entwicklung weiter straffen sowie die Zusammenarbeit mit der chinesischen Konzernmutter Geely und gemeinsamen Zulieferern ausbauen.
Der Free Cashflow fiel im dritten Quartal auf minus 8,9 Milliarden SEK (rund 801 Millionen Euro). Ein Jahr zuvor hatte er bei minus 4,3 Milliarden SEK (rund 387 Millionen Euro) gelegen. Volvo Cars räumt der Liquidität nun Vorrang ein und beziffert den Rückgang der Investitionen gegenüber 2024 auf rund 30 Prozent.
Mehr Elektroautos, schwierige Märkte
Der Anteil vollelektrischer Autos am Absatz stieg im dritten Quartal auf 32 Prozent; im Vorjahresquartal hatte er 22 Prozent betragen. Einschließlich Plug-in-Hybriden erreichte Volvo Cars einen Elektrifizierungsanteil von 53 Prozent – nach 46 Prozent im Vorjahr. In Europa machten vollelektrische Modelle 45 Prozent des Absatzes aus.
Für den neuen EX60 liegen laut Volvo Cars mehr als 50.000 Bestellungen aus Europa vor. Das Modell zählt zu den wichtigsten Bausteinen der Produktoffensive, doch neue Fertigungstechnologien wie Cell-to-Body bremsen den Hochlauf. Volvo steigert die Produktionsmengen nach eigenen Angaben schrittweise.
Bis Ende 2030 plant der Hersteller 13 neue Autos. Für 2027 kündigt Volvo ein globales Elektromodell für ein preisgünstigeres Segment in Europa sowie zwei speziell für China entwickelte Modelle an. In den USA will der Konzern die Produktion des XC60 im ersten Quartal 2027 nach Charleston verlagern und dort bis zum Ende des Jahrzehnts ein weiteres neues Modell bauen.
"Kurzfristig müssen wir unseren Turnaround-Plan angesichts der stark unter Druck stehenden Volumina mit weiteren entschlossenen Maßnahmen verstärken", sagt CEO Håkan Samuelsson. Volvo Cars wolle den Break-even-Punkt senken und den Cashflow verbessern, um widerstandsfähiger zu werden.
