Warum Männer häufiger verunglücken als Frauen
Die Unfallstatistik 2025 zeigt, Männer verunglücken im Straßenverkehr deutlich häufiger und schwerer als Frauen. Doch warum eigentlich?
Männer sind im Straßenverkehr nicht nur häufiger in Unfälle verwickelt, sie tragen auch überproportional oft schwere oder tödliche Verletzungen davon. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren 2025 insgesamt rund 373.100 Menschen bei Verkehrsunfällen verunglückt. 217.000 davon waren männlich, 156.100 weiblich. Damit entfielen 58,2 Prozent der Verunglückten auf Männer. Bei den Todesopfern lag ihr Anteil sogar bei 73,6 Prozent. Je schwerer die Unfallfolgen, desto größer wird also der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Bei den Leichtverletzten waren 57,1 Prozent Männer, bei den Schwerverletzten bereits 64 Prozent.
Auch wenn man die Bevölkerungszahl berücksichtigt, bleibt das höhere Unfallrisiko bestehen. Auf 100.000 Einwohner kamen 2025 insgesamt 526 männliche Verunglückte. Bei Frauen waren es lediglich 369. Männer verunglückten damit gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil knapp ein Drittel häufiger. Noch deutlicher fällt die Differenz bei tödlichen Unfällen aus: Rund fünf Männer je 100.000 Einwohner starben im Straßenverkehr, bei Frauen waren es etwa zwei. Das Verhältnis liegt damit bei mehr als zwei zu eins.
Allerdings lässt sich daraus nicht unmittelbar auf ein grundsätzlich riskanteres Verhalten schließen. Männer nehmen insgesamt häufiger am Straßenverkehr teil und nutzen öfter Verkehrsmittel, bei denen Unfälle schwerwiegendere Folgen haben können. Dazu zählen insbesondere Motorräder und Motorroller. Die Zahlen zu den Unfallursachen zeigen aber auch Unterschiede im Verhalten.
Junge Männer tragen das höchste Unfallrisiko
Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen ist insgesamt besonders unfallgefährdet. Innerhalb dieser Gruppe verunglücken Männer jedoch erheblich häufiger als Frauen. 28.631 männliche Jugendliche und junge Erwachsene waren 2025 an Verkehrsunfällen beteiligt und verunglückten dabei. Das sind 70,5 Prozent mehr als bei den gleichaltrigen Frauen, von denen 16.789 verunglückten.
Noch drastischer ist das Verhältnis bei den Todesfällen: 161 junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren kamen im Straßenverkehr ums Leben. Bei den Frauen dieser Altersgruppe waren es lediglich 32. Damit starben fünfmal so viele männliche wie weibliche Jugendliche und junge Erwachsene. Die Zahlen unterstreichen, wie stark junge Männer von schweren Verkehrsunfällen betroffen sind.
Mit zunehmendem Alter verändern sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zwar verunglücken Männer in sämtlichen Altersgruppen häufiger als Frauen, die besonders große Lücke zeigt sich aber bei den jungen Verkehrsteilnehmern. Das ist auch deshalb relevant, weil gerade in dieser Lebensphase die ersten Jahre mit eigenständiger motorisierter Mobilität zusammenfallen.
Männer häufiger auf Motorrädern und selbst am Steuer
Auch die Wahl des Verkehrsmittels unterscheidet sich deutlich. 10,8 Prozent der männlichen Verunglückten waren 2025 mit einem Motorrad oder Motorroller unterwegs. Bei den Frauen lag dieser Anteil lediglich bei drei Prozent. Männer verunglücken damit nicht nur häufiger insgesamt, sondern sind auch deutlich öfter auf motorisierten Zweirädern betroffen.
Beim Fahrrad ist der Abstand geringer: 28,3 Prozent der männlichen und 23 Prozent der weiblichen Verunglückten waren mit dem Rad unterwegs. Das Auto ist dagegen für beide Geschlechter das wichtigste Verkehrsmittel bei Unfällen. 40,6 Prozent der verunglückten Männer und 55,2 Prozent der Frauen verunglückten im Auto.
Allerdings saßen Männer dabei deutlich häufiger selbst am Steuer. Unter den männlichen Autoinsassen, die bei Unfällen verunglückten, waren 79,5 Prozent Fahrer. Bei den Frauen lag dieser Anteil nur bei 66,2 Prozent. Frauen waren somit häufiger als Mitfahrerinnen betroffen. Auch bei Fußgängern zeigt sich ein Unterschied: 8,9 Prozent der verunglückten Frauen waren zu Fuß unterwegs, bei den Männern waren es 6,4 Prozent.
Männer verursachen häufiger Unfälle
Nicht allein die Zahl der Verunglückten, auch die polizeiliche Bewertung der Unfallbeteiligten zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede. Männer werden häufiger als Hauptverursacher eines Unfalls mit Personenschaden eingestuft. Bei 56,1 Prozent der beteiligten Männer sah die Polizei die Hauptschuld für den Unfall bei ihnen. Bei Frauen lag dieser Anteil bei 50,4 Prozent.
Das Muster findet sich bei mehreren Verkehrsmitteln wieder. Unter den Autofahrern wurden 58,9 Prozent als Hauptverursacher eingestuft, bei den Autofahrerinnen waren es 53,8 Prozent. Auch bei Fahrradfahrern lag der Anteil mit 52,8 Prozent über dem der Radfahrerinnen (48,4 Prozent). Bei E-Scootern betrug das Verhältnis 65,3 zu 61,4 Prozent.
Eine Ausnahme bilden motorisierte Zweiräder: Frauen sind zwar deutlich seltener mit Motorrädern oder Motorrollern in Unfälle verwickelt. Wenn es aber dazu kommt, werden sie häufiger als Hauptverursacherinnen eingestuft. Ihr Anteil lag bei 61,9 Prozent, bei den männlichen Kraftradfahrern waren es 57,4 Prozent.
Geschwindigkeit und Alkohol: Männer fallen häufiger auf
Besonders aufschlussreich sind die Unterschiede bei den polizeilich registrierten Fehlverhalten, die zu Unfällen beigetragen haben. Bei beiden Geschlechtern stehen Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie beim Ein- und Anfahren an erster Stelle. Ihr Anteil an allen registrierten Fehlverhalten lag bei Männern bei 14,4 Prozent, bei Frauen bei 17,6 Prozent.
Danach unterscheiden sich die Schwerpunkte. Bei Männern folgte zu geringer Sicherheitsabstand mit 13,2 Prozent, dicht gefolgt von nicht angepasster Geschwindigkeit mit 12,9 Prozent. Bei Frauen stand dagegen das Missachten der Vorfahrt mit 16,4 Prozent an zweiter Stelle. Zu geringer Abstand folgte mit 12,9 Prozent. Nicht angepasste Geschwindigkeit machte bei ihnen lediglich 9,6 Prozent der registrierten Fehlverhalten aus.
Besonders deutlich fällt der Unterschied beim Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss aus. 6,8 Prozent der bei Männern registrierten Fehlverhalten standen damit in Zusammenhang. Bei Frauen waren es nur 2,4 Prozent. Männer fielen somit fast dreimal so häufig durch Alkohol oder Drogen am Steuer auf.
