Toyota setzt beim Wasserstoff auf Schwerlast-Lkw
Toyota treibt seine Brennstoffzellentechnik der dritten Generation voran und kooperiert mit Scania und Iveco. Wasserstoff soll im schweren Fernverkehr mit Batterie- und Dieselantrieben konkurrieren.
Toyota will das Thema Wasserstoff nicht allein über den Pkw-Sektor vorantreiben, sondern setzt zunehmend auf den Schwerlastverkehr. Auf der IAA Transportation 2026 in Hannover stellt der japanische Konzern seine Brennstoffzellentechnik der dritten Generation vor und kündigt gleich mehrere Kooperationen mit Nutzfahrzeugherstellern an. Im Mittelpunkt stehen 40 Scania-Lkw, die ab 2027 im realen Transportbetrieb eingesetzt werden sollen. Gleichzeitig liefert Toyota seine Brennstoffzellensysteme für die nächste Generation des Iveco S-eWay Fuel Cell.
Dritte Generation mit mehr Leistung
Die dritte Generation der Toyota-Brennstoffzelle wurde speziell für den Einsatz in Nutzfahrzeugen entwickelt. Gegenüber dem bisherigen System verspricht Toyota die doppelte Leistung und doppelte Lebensdauer sowie einen um 20 Prozent verbesserten Wirkungsgrad. Gleichzeitig sollen die Kosten deutlich sinken. Das System erreicht eine Leistung von 300 kW und ist vergleichsweise kompakt aufgebaut. Damit will Toyota die Brennstoffzelle näher an die Anforderungen schwerer Lkw heranführen, bei denen Reichweite, Nutzlast, hohe Auslastung und kurze Standzeiten entscheidend sind.
Besonders konkret wird die Zusammenarbeit mit Scania. Toyota liefert seine 300-kW-Brennstoffzellensysteme für 40 schwere Lkw, die in das Pilot-Partner-Programm des schwedischen Herstellers aufgenommen werden. Die ersten Fahrzeuge sollen im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen. Ausgewählte Transportunternehmen sollen die Fahrzeuge unter realen Bedingungen einsetzen. Dabei geht es nicht nur um Reichweite und Zuverlässigkeit, sondern auch um Energieverbrauch, Betriebseffizienz und vor allem um die Gesamtkosten über die Lebensdauer.
H2 muss sich wirtschaftlich rechnen
Genau diese Praxiserfahrungen sind für Toyota und Scania entscheidend. Denn die Frage ist nicht mehr allein, ob ein Brennstoffzellen-Lkw technisch funktioniert und lange durchhält. Die Technik muss sich im täglichen Transportgeschäft auch wirtschaftlich rechnen. Dazu gehören neben dem Fahrzeug selbst die Kosten und Verfügbarkeit des Wasserstoffs sowie die notwendige Tankinfrastruktur.
Eine zweite Kooperation besteht mit Iveco. Im Rahmen des EU-geförderten Horizon-Europe-Projekts EMPOWER liefert Toyota ebenfalls seine Brennstoffzellentechnik. Iveco übernimmt die Entwicklung und Integration des Fahrzeugs. Der neue S-eWay Fuel Cell soll mit insgesamt 300 kW Brennstoffzellenleistung eine Reichweite von mehr als 900 Kilometern erreichen. Toyota nennt zudem eine angestrebte Lebensdauer von mehr als 25.000 Betriebsstunden. Die Validierung soll im vierten Quartal 2026 beginnen, Straßentests sind für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen.
Vorteile gegenüber Batterien
Damit positioniert Toyota den Wasserstoff genau dort, wo die Technologie gegenüber rein batterieelektrischen Lkw einen möglichst großen Vorteil hat: bei langen Strecken und hoher Fahrzeugauslastung. Während große Batterien viel Gewicht und lange Ladezeiten mit sich bringen können, lässt sich Wasserstoff vergleichsweise schnell nachfüllen. Dafür benötigt der Brennstoffzellen-Lkw allerdings eine entsprechende Tankinfrastruktur – und genau daran hapert es bislang vielerorts.
Toyota will deshalb nicht nur Fahrzeuge und Brennstoffzellen entwickeln. Der Konzern spricht ausdrücklich von sogenannten Wasserstoff-Ökosystemen, in denen Fahrzeuge, Tankstellen, Wasserstoffversorgung, Kunden und politische Rahmenbedingungen gemeinsam aufgebaut werden. In Deutschland und den Niederlanden laufen bereits entsprechende Ansätze, bei denen der Aufbau der Infrastruktur mit dem Einsatz von Fahrzeugen gekoppelt werden soll.
Wasserstoff auch im Motorsport
Auch aus dem Motorsport will Toyota Erkenntnisse für seine Wasserstofftechnik gewinnen. Seit 2017 erprobt der Konzern Wasserstoff-Verbrennungsmotoren unter Rennbedingungen. 2027 soll zusätzlich ein Brennstoffzellen-Hilux bei der Rallye Dakar in der Kategorie "Future Mission 1000" antreten. Für 2028 ist außerdem der Start des Hilux Fuel Cell vorgesehen. Der Pick-up soll mehr als 400 Kilometer Reichweite bieten und bis zu 2,5 Tonnen ziehen können.
Parallel baut Toyota seine Position bei der Brennstoffzellentechnik für schwere Nutzfahrzeuge organisatorisch aus. Im Juli unterzeichneten Volvo Group, Daimler Truck, cellcentric und Toyota eine verbindliche Vereinbarung, nach der Toyota gleichberechtigter Gesellschafter von cellcentric werden soll. Das Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck und Volvo Group entwickelt und produziert Brennstoffzellensysteme speziell für schwere Nutzfahrzeuge. Der Einstieg Toyotas steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung. Damit entsteht ein breites Bündnis der europäischen und japanischen Nutzfahrzeugindustrie. Toyota bringt seine inzwischen dritte Brennstoffzellengeneration ein, während Scania und Iveco die Technik in konkreten Fahrzeugen und Transportanwendungen erproben. Über cellcentric kommt zusätzlich eine Verbindung zu Daimler Truck und Volvo hinzu.
