Der Überflieger darf gar nicht fliegen
Der neue Tesla Roadster zeigt sich mit zahlreichen spektakulären Gimmicks vollgepackt. Nicht alles davon darf tatsächlich auf die Straße.
Tesla nennt die Flugfunktionen der Roadster-Version "Rocket" selbst "nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen". Das verschiebt den Blick weg vom Show-Stunt und hin zu der Frage, welche Funktionen auf deutschen Straßen überhaupt nutzbar wären. Wer in Deutschland reserviert, sollte deshalb genau trennen zwischen Track-only-Gimmicks und alltagstauglicher Basis-Performance.
Rocket bleibt ein Privatgelände-Thema
Tesla weist darauf hin, dass die Flugfunktionen der Rocket-Version nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sind. Damit wären genau die Szenen, die beim Event im Kopf bleiben, auf normalen Straßen tabu – selbst wenn das Auto irgendwann ausgeliefert wird.
Tesla schränkt die Rocket-Version zudem regional ein. Der Hersteller hält es für möglich, dass diese Ausführung nicht in allen Regionen angeboten wird. Für Deutschland und die EU ist damit nicht nur die Zulassung offen, sondern schon die Verfügbarkeit.
Die Rocket-Ausführung ist außerdem nicht einfach "der Roadster mit mehr Leistung", sondern technisch anders zugeschnitten. Sie ist nur auf Einladung erhältlich und als Einsitzer beschrieben, während Performance und Thrust als Zweisitzer eingeordnet werden.
Thrust heißt nicht Straßenmodus
Tesla positioniert die Thrust-Variante mit ihren Kaltgasdüsen am Heck als rennstreckenfokussierte Version. Das ist ein anderer Anspruch als Alltag oder Autobahn, auch wenn die Düse in der Kommunikation als "Thrust" und "Rocket" präsent bleibt.
Die Düsentechnik selbst ist im Bedienkonzept fest eingeplant. Im Track-Screen sind Statusanzeigen für Booster- und Schubdüsensystem zu sehen, auch wenn Tesla im gezeigten Video nicht erklärt, wie die Zusatzbeschleunigung aktiviert wird.
Die Technik hinter den Düsen ist keine Verbrenner-Idee, sondern ein Kaltgas-System. Komprimiertes Gas sitzt in kohlefaserummantelten Druckbehältern und erzeugt Schub über schnell geregelte Düsen, die Tesla zusammen mit SpaceX-Ingenieuren abgestimmt hat.
Kopfüber nur mit Rocket
Tesla versieht die Kopfüber-Fähigkeit auf der US-Produktseite mit einer Fußnote. Diese Fähigkeit ist demnach nur mit Rocket verfügbar. Für Käufer ist das eine klare Grenze zwischen Show-Funktion und den anderen Versionen.
Damit rückt ein zweiter Effekt in den Vordergrund, der ohne "Fliegen" auskommen soll: der Lüfter, der den Roadster auf die Straße pressen soll. Im Track-Interface ist dafür ein eigener Modus vorgesehen, im Video ist "Max Grip" ausgewählt.
Drohnen.de zitiert aus der Roadster-Präsentation eine Zahl, die im Sportwagen-Kontext weit über dem üblichen Straßen-Niveau liegt. Das Team sprach von Kurven mit mehr als 2 g, während gewöhnliche Reifen dort mit rund 1,26 g eingeordnet werden. Unabhängig gemessen ist das nicht, aber es zeigt, worauf Tesla den Track-Nutzen stützen will.
Track-Funktionen ohne Düsen
Tesla trennt die Varianten nicht nur über die Düsen, sondern auch über die Basis-Hardware. Die Performance-Version wird als zweisitzig beschrieben und soll zwar ein aktives Ansaugsystem und verstellbare Aerodynamik bekommen, aber keine zusätzlichen Beschleunigungsdüsen.
Im Track-Menü bündelt der Roadster technische Daten, die eher nach Rennstrecke als nach Pendlerauto klingen. Gezeigt werden unter anderem Temperaturen von Batterie und Motor sowie Informationen zur Aerodynamik, außerdem Brems- und Aerobalance und eine Rundenzeiterfassung.
Auch die Karosserie-Funktionen sind auf Performance-Betrieb zugeschnitten und teils sehr spezifisch. Über die Oberfläche lassen sich etwa eine Absenkung des Fahrwerks und einzelne Aerodynamikelemente steuern, zudem Bargeboards hinter den hinteren Kotflügeln, die Luft von den Vorderrädern ableiten sollen.
Reservierung und Rückerstattung
Für Deutschland nennt ecomento Reservierungszahlungen, die im Sportwagen-Markt ungewöhnlich hoch sind. Genannt werden insgesamt 50.000 Euro für die Performance-Version und 250.000 Euro für die Thrust-Ausführung, bei der auf 5.000 Euro eine weitere Zahlung von 245.000 Euro binnen zehn Tagen folgen soll.
Eine vollständige Rückerstattung wird dabei ausdrücklich nur für die erste Zahlung genannt. Wer auf Straßennutzung spekuliert, trägt damit ein zusätzliches Risiko, falls bestimmte Funktionen oder Varianten in der EU nicht angeboten werden.
Dazu kommt ein zweiter Unsicherheitsfaktor: Einen verbindlichen Kaufpreis veröffentlicht Tesla bislang nicht. Eine Reservierung in Deutschland ist damit keine klare Preiszusage, sondern vor allem ein Platzhalter für ein späteres Angebot.
Zeitplan bis frühestens 2028
Tesla nennt als Produktionsziel für den neuen Roadster das Jahr 2028. Das ist eine weitere Verschiebung gegenüber dem Stand von 2017, als Tesla den Roadster bereits gezeigt hatte und damals einen Produktionsbeginn für 2020 angekündigt hatte.
Für Straßennutzung in Deutschland heißt das vor allem eines: Selbst bei problemloser Homologation in der EU, also der formalen Typzulassung, liegt der Zeitpunkt für ein Serienauto nach Teslas eigener Aussage noch weit weg.
Inhaltlich passt das zu Teslas Positionierung der spektakulärsten Features. Wenn Rocket-Flugfunktionen nicht straßenzugelassen sind und die kopfüber beworbene Fähigkeit an Rocket gebunden ist, bleiben für viele Interessenten vor allem die Track-Funktionen und die Basis-Performance als realistische Erwartung.
