Bei Rheinmetall ist selbst die Feuerwehr gepanzert
Im Munitionswerk Unterlüß schützt Rheinmetall seine Werkfeuerwehr mit einem gepanzerten Tanklöschfahrzeug auf Basis des MAN HX 77 vor Explosionsgefahren.
Auf dem Rheinmetall-Werksgelände in Unterlüß in Niedersachsen muss die Werkfeuerwehr unter besonderen Bedingungen arbeiten. Neben den üblichen Risiken eines Industriebetriebs gehören dazu munitionsbelastete Flächen, Schießbahnen und die Gefahren, die von der Erprobung großkalibriger Waffen ausgehen. Blindgänger und nicht detonierte Munition können auch lange nach einem Schießversuch oder einer früheren Nutzung des Geländes eine Gefahr darstellen. Bei einem Brand müssen die Einsatzkräfte deshalb unter Umständen in Bereiche vordringen, in denen sie nicht nur Hitze und Rauch, sondern auch möglichen Explosionen ausgesetzt sind.
Großtanklöschfahrzeug Barbara 7
Für diese Aufgabe hat Rheinmetall das geschützte Großtanklöschfahrzeug Barbara 7 aufgebaut. Das Fahrzeug basiert auf einem MAN HX 77 8×8 aus dem Nutzfahrzeugprogramm von Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV). Der Konzern nutzt damit eine militärische Fahrzeugplattform für den betrieblichen Brandschutz. Der wesentliche Unterschied zu einem konventionellen Tanklöschfahrzeug liegt im Schutz der Besatzung: Die Feuerwehrleute sollen Löschmaßnahmen auch dann durchführen können, wenn ein unmittelbares Aussteigen zu gefährlich wäre.
Militärischer Lkw als Basis
Der MAN HX 77 gehört zur HX-Familie taktischer Militärlastwagen. Die Fahrzeuge sind für den Transport von Personal, Material und Versorgungsgütern unter militärischen Einsatzbedingungen ausgelegt. Das 8×8-Fahrgestell besitzt vier angetriebene Achsen und ist auf hohe Geländegängigkeit ausgelegt. Die HX-Baureihe wird in unterschiedlichen Konfigurationen angeboten, darunter Transport-, Tank- und Systemträgerfahrzeuge. Je nach Ausführung sind geschützte Fahrerhäuser verfügbar.
Beim HX 77 kommt ein Sechszylinder-Dieselmotor von MAN mit 440 PS zum Einsatz. Das Fahrgestell ist für schwere Lasten ausgelegt und bietet eine Grundlage für spezialisierte Aufbauten. Bei Barbara 7 trägt es einen Wassertank mit 13.000 Liter Fassungsvermögen sowie die erforderliche Löschtechnik und Schutzausstattung. Das maximal zulässige Fahrzeuggewicht beträgt 37.248 Kilogramm. Rheinmetall hat den Aufbau nach eigenen Angaben in Eigenleistung realisiert.
Die Wahl der militärischen Plattform steht im Zusammenhang mit den Anforderungen des Einsatzortes. Ein schweres Tanklöschfahrzeug muss nicht nur Wasser und Löschmittel transportieren, sondern auch auf unbefestigten Wegen und in schwierigem Gelände einsatzfähig bleiben. Gleichzeitig muss die Konstruktion das hohe Gewicht von Panzerung, Löschwassertank und technischer Ausrüstung aufnehmen können.
Löschtechnik aus geschützter Position
Barbara 7 verfügt über einen Kabinenschutz der Schutzklasse 3. Gegenüber dem bereits 2021 in Dienst gestellten Vorgängerfahrzeug Barbara 6 mit Schutzklasse 2 wurde der Schutz damit verstärkt. Die Besatzung kann aus der geschützten Kabine heraus arbeiten; die Löschtechnik lässt sich über eine Funkfernsteuerung bedienen. Kamera- und weitere Schutzsysteme unterstützen den Betrieb, wenn die direkte Sicht auf den Einsatzbereich eingeschränkt ist oder ein Aufenthalt außerhalb des Fahrzeugs vermieden werden muss.
Das Konzept ist insbesondere für Brände auf munitionsbelasteten Flächen relevant. Bei einem herkömmlichen Löschfahrzeug müssen Feuerwehrleute für bestimmte Tätigkeiten an der Pumpe, an Schlauchanschlüssen oder an der Wasserabgabe ihre Deckung verlassen. Auf einem Gelände mit möglicher Explosionsgefahr kann dieser Schritt zusätzliche Risiken schaffen. Eine fernbedienbare Löschanlage ermöglicht es dagegen, Wasser aus einer geschützten Position abzugeben. Der größere Tank von Barbara 7 erweitert zugleich die verfügbare Wassermenge gegenüber Barbara 6, das 10.000 Liter mitführt.
Wachsende Aufgaben der Werkfeuerwehr
Der Ausbau der Produktion am Standort Unterlüß hat auch die Anforderungen an den betrieblichen Brandschutz erhöht. Rheinmetall errichtete dort ein großes Munitionswerk mit einer vorgesehenen Jahreskapazität von bis zu 300.000 Schuss Artilleriemunition. Parallel wuchs die hauptberufliche Werkfeuerwehr nach Angaben des Unternehmens von fünf auf 29 Kräfte. Neben Bränden gehören technische Hilfeleistungen, medizinische Einsätze und Brandwachen zum Aufgabenprofil.
Für das Jahr 2025 nennt die Werkfeuerwehr 125 Brandeinsätze, 189 Hilfeleistungen, 53 Krankenfahrten und 424 Brandwachen. Barbara 7 ist damit Teil einer umfassenderen Anpassung der Sicherheitsorganisation an den gewachsenen Betrieb. Eine neue Feuerwache befindet sich ebenfalls im Bau. Das Fahrzeug soll die Einsatzkräfte vor allem dort schützen, wo Brandbekämpfung und die Gefahr durch Munition unmittelbar zusammenfallen.
