Europa explodiert, USA verliert
Weltweit gewinnen Elektroautos Marktanteile, aber mit starken Unterschieden. In Europa gehen die E-Auto-Verkäufe steil, in den USA fallen sie stark.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC)hat in einem neuen Quartalsbericht den weltweiten Absatz von Elektroautos (BEV) untersucht – mit sehr interessanten Ergebnissen. Weltweit beobachten die PwC-Analysten neue Rekorde an E-Auto-Absätzen, doch nicht überall kommt Strom gut an. In Europa gehen die BEV-Verkäufe massiv nach oben, während Kunden in den USA die Lust verlieren.
Im dritten Quartal 2026 wurden in den von PwC Autofacts ausgewerteten Märkten 4,3 Millionen batterieelektrische Autos neu zugelassen. Das waren 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen stieg von 21 auf 26 Prozent – obwohl der Gesamtmarkt aller Pkw-Neuzulassungen insgesamt um sechs Prozent schrumpfte. Verbrenner kamen auf 18 Prozent weniger Zulassungen. Plug-in-Hybride verzeichneten ein Minus von 15 Prozent, während Voll- und Mildhybride um 15 Prozent zulegten.
Europa: E-Autos überholen Verbrenner
Die Entwicklung verlief je nach Region stark unterschiedlich. In Europa, das in der Auswertung die EU, Großbritannien und die EFTA-Staaten umfasst, stiegen die Neuzulassungen reiner Elektroautos im dritten Quartal um 55 Prozent auf 941.000, das ließ den Marktanteil auf 28 Prozent steigen. In den fünf größten europäischen Märkten Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien war der Anstieg sogar noch höher, hier wurden insgesamt 612.000 Elektroautos neu zugelassen, 66 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Anteil lag bei 27 Prozent. Damit überholten reine Elektroautos dort erstmals Fahrzeuge mit reinem Verbrennerantrieb.
Besonders stark entwickelten sich Deutschland und Frankreich: In Deutschland wurden im dritten Quartal rund 236.000 batterieelektrische Autos zugelassen, 77 Prozent mehr als im Vorjahr. Frankreich kam auf rund 146.000 und ein Plus von 115 Prozent. Den höchsten Anteil an den Neuzulassungen unter den fünf Märkten erreichte Frankreich mit 39 Prozent, vor Deutschland mit 32 Prozent. Großbritannien verzeichnete 170.000 Zulassungen, ein Zuwachs von 37 Prozent. Auch in Italien und Spanien stiegen die Zahlen, um 37 beziehungsweise 44 Prozent. Nicht alle europäischen Länder meldeten Zuwächse: In Polen gingen die Zulassungen reiner Elektroautos um 32 Prozent zurück.
China weit vorne
China blieb mit 2,5 Millionen Zulassungen im dritten Quartal 2026 der größte Markt für reine Elektroautos. Das entsprach einem Plus von sieben Prozent und einem Anteil von 49 Prozent an allen Neuzulassungen. Allerdings in einem stark sinkenden Markt, der gesamte chinesische Auto-Absatz schrumpfte im selben Zeitraum um 25 Prozent. Plug-in-Hybride entwickelten sich deutlich schwächer: Ihre Zulassungen sanken um 29 Prozent. Zusammen kamen batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride auf 66 Prozent Marktanteil. Der Anteil der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fiel auf 28 Prozent.
Japan bleibt in der Auswertung bei seinem Sonderstatus, Elektroautos bleiben im Heimatland von Toyota eine Randnotiz. Dort blieb der Hybridantrieb die größte elektrifizierte Antriebsart. Reine Elektroautos legten zwar auf 32.000 Zulassungen zu und erreichten damit einen neuen Höchstwert, ihr Anteil lag aber bei fünf Prozent.
USA mit deutlichem Rückgang
In den USA wurden im dritten Quartal 252.000 reine Elektroautos zugelassen – 42 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Ihr Marktanteil betrug sechs Prozent. Auch Plug-in-Hybride verloren: Ihre Zulassungen fielen um 27 Prozent auf 53.000. Als wesentlichen Grund nennt der Bericht das Auslaufen von Steuergutschriften für beide Antriebsarten im September 2025. Hybridautos legten dagegen um 26 Prozent auf 649.000 zu und erreichten einen Marktanteil von 16 Prozent.
In Europa die höchsten Kosten
Der Bericht vergleicht außerdem die jährlichen Energiekosten eines kompakten SUV bei 15.000 Kilometern Fahrleistung. Für Deutschland setzt die Modellrechnung bei einem Elektroauto mit überwiegendem Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz 1.345 Euro an. Bei häufiger Nutzung öffentlicher Wechsel- und Gleichstrom-Ladesäulen sind es 1.809 Euro. Zum Vergleich: Für einen Benziner werden 2.990 Euro, für einen Diesel 2.460 Euro kalkuliert.
Drastisch sind dabei die Unterschiede zu anderen Märkten, die auch eine Erklärung dafür liefern, warum Elektroautos in China so beliebt sind: Wegen der geringen Strompreise kommt man dort für dieselbe Summe fast sechsmal so weit wie mit einem Benziner. Konkret: Mit einem Einsatz von 100 Euro für Energiekosten fährt das berechnete Durchschnittsauto in Deutschland 1.120 Kilometer weit, in China dagegen 5.610 Kilometer. Auch in den USA sind die Strompreise attraktiver, 2.490 Kilometer beträgt hier die berechnete 100-Euro-Reichweite.
