Warum die elektrische Alpine A110 auf Timing statt Superlative setzt
Alpine zeigt die nächste A110 erst 2026 in Paris – aber die Technik ist bereits umrissen. Genau diese frühe Ansage kann zur Marktchance werden, weil Porsche den elektrischen 718 weiter nach hinten schiebt.
Alpine positioniert die kommende A110 als ersten Elektro-Sportwagen der Marke auf neuer Basis. Gleichzeitig verweist Alpine selbst auf verschiedene Karosserievarianten wie Coupé, Spider und sogar einen 2+2-Sitzer.
Für den deutschen Markt ist das vor allem deshalb interessant, weil im kompakten Sportwagen-Segment nicht viele neue Elektro-Sportwagen konkret angekündigt sind.
Auch weil sich bei Porsche der Start des elektrischen 718 verzögert, entsteht eine Lücke, in der sich ein neues Angebot schneller etablieren kann. Entscheidend wird, ob Alpine den Zeitplan hält und die A110 elektrisch tatsächlich vor einem elektrischen 718 in die Showrooms bringt; Boxster und Cayman sollen 2027 auf den Markt kommen.
APP: Plattform mit Packaging-Vorteil
Die Alpine Performance Platform (APP), eine modulare Aluminiumarchitektur, bildet die technische Basis. Alpine setzt auf Klebe- und Niettechnik, um Steifigkeit mit Leichtbau zu verbinden.
Wichtig für die Silhouette ist die Batterieanordnung: Statt eines großen Akkus im Fahrzeugboden sind zwei Batteriepacks vorne und hinten vorgesehen. Alpine nennt als Ziel eine Gewichtsverteilung von 40 zu 60 zwischen Vorder- und Hinterachse, also mit mehr Last auf der Antriebsseite – ähnlich wie bei klassischen Mittelmotor-Sportwagen.
Eine 800-Volt-Architektur soll vor allem beim schnellen Laden Vorteile bringen. Alpine spricht von Cell-to-Pack-Technik, bei der Zellen ohne klassische Modul-Ebene direkt im Pack sitzen, um Bauraum und Gewicht zu sparen.
Dynamik per Software und Hinterachse
Den Antrieb plant Alpine als hintere elektrische 3-in-1-Achse mit zwei Elektromotoren. Ein Siliziumkarbid-Wechselrichter (SiC) soll dabei hohe Leistung mit schneller Regelung verbinden.
Als Steuerzentrale nennt Alpine das Alpine Dynamic Model (ADM ECU), das von Batteriemanagement bis aktive Aerodynamik Funktionen zusammenführt. Solche Zentralrechner sind im E-Auto die Schaltzentrale, weil viele Fahreigenschaften heute softwareseitig definiert werden.
Für die Kurvendynamik setzt Alpine auf Active Torque Vectoring (AATV), also eine aktive Momentenverteilung zwischen den Hinterrädern. Alpine beziffert die Eingriffsgeschwindigkeit auf 10 Millisekunden – das ist grob ein Wimpernschlag geteilt durch drei – und zielt damit klar auf präzises Einlenken statt bloße Geradeaus-Leistung.
