So wirken sich Extras auf den Gebrauchtpreis aus
Der eine sitzt auf Stoff und freut sich über ein paar Radkappen, der andere gönnt sich das XXL-Soundsystem und die Innenraumbeduftung. Mit Sonderausstattungen können sich Preis und Wert eines Fahrzeugs ganz enorm verändern. Doch welche Auswirkungen hat das auf den Gebrauchtpreis?
Ich möchte meinen Gebrauchten besonders hoch ansetzen, weil er besonders gut ausgestattet ist. Ist das legitim oder doch eher ein Irrglaube? Dieser Überlegung wollen wir uns heute widmen. Denn – so viel vorweg – hier lauern einige Missverständnisse auf unbedarfte Käufer und Verkäufer. Das bedeutet aber auch: Wer sich auskennt, macht ein richtig gutes Geschäft. Wir erklären nicht nur die Zusammenhänge, sondern auch, wie Sie auf der Suche nach dem nächsten Gebrauchten davon profitieren können.
Zu Anfang erläutern wir noch kurz das Konzept von Sonderausstattungen und gehen auf das Wirrwarr der Begrifflichkeiten ein. Schließlich hört man von Sonderwünschen, Mehrausstattungen, Sonderausstattungen, Ausstattungspaketen, Ausstattungslinien oder schlicht Extras. Im Grunde lässt sich all dies darauf zurückführen, welche Funktionen, Aufwertungen oder sonstigen Besonderheiten ein Auto besitzt, die über die Serienausstattung hinausgehen. Das war früher etwas einfacher zu verstehen: In der Basis gab es zum Beispiel Kurbelfenster und keine Klimaanlage. Gegen Mehrpreis bekam der Käufer elektrische Fensterheber und eine Klimaanlage oder -automatik. Grob lassen sich diese Einzelheiten in Funktions- und Individualisierungsausstattungen einteilen. Eine Anhängerkupplung bietet einen zusätzlichen Nutzen, ein Sonderlack oder große Felgen dienen allein dem eigenen Geschmack. Alle einzelnen Positionen lassen sich als Sonder- oder Mehrausstattung bezeichnen, kurz: als Extra.
Das sind Ausstattungspakete
Ein Ausstattungspaket bündelt einzelne Bestandteile. So kann der Hersteller günstiger produzieren, weil weniger individuell konfigurierte Autos vom Band laufen müssen, und ermöglicht dem Käufer wiederum einen etwas vergünstigten Mehrpreis. Das Ganze bekommt dann häufig einen schnittigen Namen. So bedeutet ein Sportpaket übersetzt meist: ein tiefergelegtes Fahrwerk, hübsche große Felgen, eventuell eine verstärkte Bremsanlage oder Designspielereien wie veränderte Abgasendrohre oder Innenraumdetails. Viele Hersteller bieten seit Jahren Businesspakete an, die meist mit einem umfangreicheren Infotainment, einem vergrößerten Tank sowie Annehmlichkeiten wie Sitzheizung oder hochwertigeren Sitzen daherkommen – eben mit allem, was lange Fahrten angenehmer macht.
Der Unterschied zum Paket
Ausstattungslinien wirken auf den ersten Blick ähnlich, sind jedoch anders aufgebaut. Bei deutschen Herstellern gibt es vorrangig Linien, die eher unterschiedliche optische Geschmacksrichtungen darstellen: etwa, ob ein Auto gegenüber der oft etwas biederen Basis besonders sportlich oder eher luxuriös wirken soll. Beispiele dafür sind traditionell Audi, BMW oder Mercedes. Ob Sie Ihre C-Klasse in der Exclusive-Line oder der AMG-Line ordern, verändert im Prinzip nur die Form der Schürzen, die Auswahl an Felgen sowie die Stilrichtung des Innenraums. Andere Hersteller, allen voran asiatische Marken, verstehen die Linien als Bündelung von Extras. Sprich: Wenn Sie drei unterschiedlich teure Linien haben, können Sie davon ausgehen, dass es drei deutlich unterschiedliche Ausstattungsniveaus gibt. Weil stattdessen meist kaum Einzelextras buchbar sind, bedeutet das wiederum, dass konkrete Merkmale wie zum Beispiel Ledersitze relativ teuer erkauft werden müssen, weil stets auch Elemente an Bord sind, die der Käufer vielleicht sonst nicht bestellt hätte.
Auswirkungen auf den Wiederverkaufswert
Mit diesem Hintergrundwissen lässt sich nun einordnen, welchen Stellenwert die Ausstattung für den Wiederverkaufswert, sprich: den Gebrauchtwagenpreis, hat. Ein Grundsatz ist dabei unbedingt zu berücksichtigen: Der einstige Neupreis der Sonderausstattungen nimmt schneller ab als der Wert des gesamten Autos. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Beim Händler stehen zwei Jahreswagen desselben Typs: gleicher Motor, gleiche Farbe, gleiche Laufleistung. Einer besitzt einige Funktionsextras, wie zum Beispiel elektrische Sitze oder ein höherwertiges Lichtsystem, der andere nicht. Logischerweise ist Nummer 1 spürbar teurer. Aber: Die Preisdifferenz ist schon jetzt etwas kleiner als das, was die Extras den Erstbesitzer noch vor ein paar Monaten gekostet haben. Wir drehen die Uhr um zehn Jahre vor. Die beiden fast identischen Autos stehen wieder mit gleicher Laufleistung beim Händler. Nun ist aus dem Preisunterschied, der gut und gern mal bei 3.000–5.000 Euro lag, ein schlappes Pölsterchen von 500 Euro geworden. Wiederum später zählt die Ausstattung überhaupt nicht mehr, weil es bei älteren Autos wichtiger ist, dass die Wartungshistorie passt. Dann ist das wertvollere Auto immer dasjenige, das den besseren Zustand besitzt.
Auf die breite Masse kommt es an
Als Zwischenfazit können wir also die Faustregel festhalten: Mit steigendem Alter sinkt der finanzielle Mehrwert von Sonderausstattungen. Das mag Verkäufern wehtun, die einst viel Geld für bestimmte Merkmale ausgegeben haben, während es den Käufer freut, wenn mehr an Bord ist. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Wie eingangs erwähnt, gibt es Ausstattungen, die einen funktionalen Mehrwert bieten, und solche, die eher der Verschönerung oder der Individualisierung dienen. Nehmen wir als Beispiel eine Anhängerkupplung und einen besonders teuren Felgensatz. Es gibt Käufer, für die das eine Extra essenziell und das andere völlig vernachlässigbar ist. Wer die Kupplung braucht, würde wohl kein Auto ohne eine solche kaufen. Die teuren Felgen sind für einen anderen Käufer das absolute Highlight, während der Zughaken ungenutzt bleibt.
Weh tut's, wenn was fehlt
Sind solche Einzelheiten also ebenfalls beim Restwert vernachlässigbar? Ja und nein. Es kommt auf das Umfeld vergleichbarer Gebrauchtwagen an. Die besagte Anhängerkupplung kann an einem Kompaktwagen kaum einen Mehrwert erzielen. Bei kräftigen SUV, die häufig als Zugmaschine eingesetzt werden, sieht es wieder anders aus. Dann gehört die Kupplung zum guten Ton, und das Auto ist für einen Großteil der Käuferschaft deutlich attraktiver. Oder anders: Das sportliche Coupé verkauft sich deutlich schlechter, wenn ein Satz mickriger Basisräder montiert ist.
Was nach eher kruden Einzelfällen klingt, ist in Wirklichkeit ein entscheidender Faktor auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Jedes Auto hat ein bestimmtes Image, in dem sich sein Käufer wiedererkennt. Nicht umsonst wirken typische Vielfahrerautos, die als Neuwagen gern als Geschäftswagen im Außendienst genutzt werden, wie eine Art Uniform. Denken Sie zum Beispiel an die Unmengen schwarzer Audi A4 oder A6 Kombis mit S-Line-Paket. Das mag auf manche langweilig wirken, doch fällt hier besonders schnell auf, wenn eine deutlich individuellere Lackfarbe gewählt wurde und dafür womöglich die sportliche Optik fehlt. Schon häufig ließen sich solche Premiumfahrzeuge in der Vergangenheit deutlich schlechter verkaufen, selbst wenn sie mit einer Menge teurer Extras daherkamen.
