Marder fällt durch Funktest
Mit dem Schützenpanzer Marder 1A5 bekämpfen Panzergrenadiere auf- und abgesessen feindliche Infanterie, Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge.
Der Schützenpanzer Marder der Bundeswehr kann nicht wie geplant an einem NATO-Einsatz teilnehmen, das Modell ist durch einen Funk-Test gefallen. Doch was steckt dahinter?
Der Marder sollte mit der Panzergrenadierbrigade 37 den NATO-Auftrag "Forward Land Forces" übernehmen und die Ostflanke sichern. Doch der Marder erfüllt die dafür festgelegten Anforderungen an die neue digitale Funktechnik nicht.
Im Marder müssen die neuen Digital-Funkgeräte mit der vorhandenen Fernmelde- und Bordverständigungsanlage zusammenspielen. Über diese ältere Technik verständigt sich die Besatzung im Fahrzeug. Nach einem Bericht der FAZ ließ sie sich nicht zuverlässig genug mit dem digitalen System verbinden. Das Heer wollte die Anforderungen an die Stabilität indes nicht absenken.
Auch bei anderen Bundeswehr-Fahrzeugen gibt es Schwierigkeiten, allerdings mit anderen technischen Ursachen. Bei Leopard-2-Panzern stellte die Bundeswehr Funkstörungen und Verbindungsabbrüche fest. Als mögliche Ursache nannte sie Wechselwirkungen zwischen dem digitalen Funk und der analogen Bordkommunikation.
Funk-Umrüstung liegt hinter dem Plan
D-LBO (Digitalisierung Landbasierte Operationen) umfasst mehr als neue Funkgeräte. Das System soll Soldaten, Fahrzeuge und Gefechtsstände digital verbinden. Dazu gehören verschlüsselte Gespräche und der Austausch von Lageinformationen. Rund 16.000 Fahrzeuge und Plattformen sollen die Grundausstattung erhalten.
Der Einbau ist je nach Fahrzeug unterschiedlich aufwendig. Kabel, Stecker und Antennen müssen angepasst werden. Bei manchen Fahrzeugen waren sogar Änderungen am Dach nötig. Weil Entwicklung, Erprobung und Umrüstung gleichzeitig laufen, kommt das Programm langsamer voran als geplant
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums waren mehr als 2.000 Fahrzeuge umgerüstet, rund 300 weniger als vorgesehen. Bis Ende 2026 sollen 2.700 Fahrzeuge den D-LBO-Grundstand erreicht haben. Das im Oktober in Munster aufgestellte Zentrum Digitalisierung Land soll die Arbeiten unterstützen. Als nächster Großverband soll die Panzerbrigade 45 in Litauen bis Mitte 2027 digitalisiert werden.
Was der Marder kann
Der Marder ist das Gefechtsfahrzeug der Panzergrenadiere. Er bringt sie geschützt in den Einsatz und unterstützt sie mit seiner Bewaffnung. Die Soldaten können im Fahrzeug mitfahren oder absitzen und zu Fuß weiterkämpfen. Zur Ausrüstung gehören eine 20-Millimeter-Kanone, ein MG3, eine Nebelmittelwurfanlage und das Panzerabwehrsystem MELLS
Die Bundeswehr nutzt verschiedene Varianten des Marder 1, darunter die Modelle 1A3, 1A4, 1A5 und 1A5A1. Die technischen Angaben in der Tabelle beziehen sich auf die veröffentlichten Grunddaten. Gewicht und Ausrüstung können je nach Version abweichen.
Puma-Verbände übernehmen den NATO-Auftrag
Für den Einsatz der Brigade sollen stattdessen Puma-Verbände herangezogen werden. Dazu gehört das Panzergrenadierbataillon 112 aus Regen, das den Puma als Hauptwaffensystem nutzt. Der Puma ist mit einer 30-Millimeter-Kanone und einer Startplattform für zwei MELLS-Lenkflugkörper ausgerüstet. Sein Motor leistet 1.088 PS, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 70 km/h
Der Marder soll trotzdem weiter genutzt werden. Nach Angaben des Heeresinspekteurs Christian Freuding plant die Bundeswehr, rund 120 Fahrzeuge mit digitaler Funktechnik auszurüsten. Das Heer rechnet damit, den Schützenpanzer noch etwa zehn Jahre einzusetzen.
