Schwede sticht Puma und Co. aus
Die aktuelle MkIV-Version verfügt über eine modernisierte Elektronik und leistungsstärkere Antriebstechnik.
Der schwedische CV90 gehört zu den etablierten Schützenpanzern Europas. Im internationalen Markt konkurriert er mit deutschen Modellen wie dem Puma und dem Lynx. Doch was kann der CV90, den Nachbar Niederlande nun beschaffen will?
Der CV90 ist ein Kettenfahrzeug für mechanisierte Infanterie. Er bringt Soldaten geschützt in den Einsatz und unterstützt sie dort mit seiner Bordwaffe. Entwickelt wurde die Plattform für die schwedischen Streitkräfte. Die Arbeiten begannen Mitte der 1980er-Jahre, die Produktion startete 1993. Seitdem wurde das Fahrzeug mehrfach modernisiert und zu einer Familie unterschiedlicher Varianten ausgebaut.
Im europäischen Markt trifft der CV90 auf mehrere Schützenpanzer ähnlicher Gewichtsklassen. Dazu zählen der Puma, den KNDS und Rheinmetall gemeinsam entwickeln und fertigen, sowie der Lynx von Rheinmetall. Der Puma ist bei der Bundeswehr eingeführt. Der Lynx wurde unter anderem von Ungarn bestellt. Die Fahrzeuge sind jedoch nicht bei jeder Beschaffung direkte Konkurrenten: Bei der geplanten niederländischen Erweiterung etwa geht es um eine gemeinsame CV90-Beschaffung mit Schweden und weiteren Partnern.
Drei Schützenpanzer mit unterschiedlichen Konzepten
Der Puma ist auf modularen Schutz ausgelegt und mit einer 30-mm-Maschinenkanone sowie einer Panzerabwehrlenkwaffe ausstattbar. Neben der dreiköpfigen Besatzung können bis zu sechs Infanteristen mitfahren. Der Lynx KF41 ist ebenfalls modular konzipiert. Rheinmetall bietet ihn mit unterschiedlichen Türmen und für verschiedene Aufgaben an.
Der CV90 kann je nach Version mit 30-, 35- oder 40-mm-Maschinenkanonen ausgerüstet werden und ebenfalls verschiedene Schutz- und Elektroniksysteme aufnehmen. Hier haben wir bereits die besten NATO-Schützenpanzer miteinander verglichen.
MkIV: stärkere Motorisierung und neue Elektronik
Die aktuelle Generation des CV90 ist der MkIV. BAE Systems nennt einen Scania-V8-Dieselmotor mit bis zu 1.000 PS und ein X300-Schwerlastgetriebe. Eine überarbeitete elektronische Architektur soll die Integration neuer Sensoren und Systeme erleichtern. Eine aktive Dämpfung soll höhere Geschwindigkeiten im Gelände ermöglichen.
Das zulässige Gesamtgewicht des MkIV beträgt laut Hersteller bis zu 38 Tonnen. BAE Systems beschreibt die höhere Gewichtsreserve als Möglichkeit, zusätzliche Ausrüstung aufzunehmen und das Fahrzeug weiterzuentwickeln. Das tatsächliche Gewicht hängt von der jeweiligen Konfiguration ab. Auch Motorleistung, Schutzpakete und Ausstattung können sich zwischen den nationalen Versionen unterscheiden.
Bewaffnung und Schutz variieren
In der Schützenpanzerversion besteht die Besatzung aus Fahrer, Kommandant und Richtschütze. Der hintere Kampfraum bietet Platz für bis zu acht Infanteristen. Bei der slowakischen CV9035 MkIV ist eine 35-mm-Bushmaster-III-Kanone vorgesehen. Die slowakische Ausführung erhält außerdem ein modernes Feuerleitsystem, ein aktives Schutzsystem und eine integrierte Panzerabwehrlenkwaffe. Diese Ausrüstung beschreibt die slowakische Konfiguration und ist nicht automatisch Bestandteil jedes CV90.
Die CV90-Plattform lässt sich auch für andere Aufgaben auslegen, etwa als Aufklärungs-, Führungs-, Flugabwehr- oder Bergefahrzeug. Größere Geschütze gehören zu besonderen Ableitungen wie dem CV90 und nicht zur üblichen Schützenpanzerversion.
Auch beim Schutz gibt es verschiedene Ausstattungsstufen. Je nach Auftrag können zusätzliche Panzerung, Warnsysteme und aktive Schutzmaßnahmen integriert werden. BAE Systems nennt für die MkIV-Familie Systeme, die Bedrohungen erkennen und Gegenmaßnahmen auslösen oder anfliegende Geschosse abfangen können. Welche Systeme tatsächlich eingebaut sind, richtet sich nach der Bestellung des jeweiligen Landes.
Niederlande planen zusätzliche Fahrzeuge
Die Niederlande betreiben bereits CV90 und lassen ihre vorhandenen Fahrzeuge modernisieren. Zusätzlich sollen neue Fahrzeuge ein weiteres Panzerinfanteriebataillon der 13. Brigade ausrüsten. Es soll in Budel stationiert werden.
Am 26. Oktober 2026 informierte das niederländische Verteidigungsministerium das Parlament über den Stand des Vorhabens. Die Beschaffung soll über das schwedisch geführte "Nordic Initiative" erfolgen. Mit BAE Systems Hägglunds und den beteiligten Ländern seien die Vertragsbedingungen abgestimmt. Nach der parlamentarischen Behandlung will die Regierung die Kaufbestätigung unterzeichnen. Das Projektbudget liegt bei rund 1,3 Milliarden Euro; die geplante Zahl der Fahrzeuge wurde nicht öffentlich genannt.
Vorgesehen ist die CV90 Nordic Edition. Sie soll ein verbessertes Fahrgestell mit dem weiterentwickelten Turm der niederländischen CV90-Version nach deren Modernisierung kombinieren. Die Niederlande wollen diese Konfiguration weitgehend übernehmen und nur bei zwingendem Bedarf abweichen. Das Verteidigungsministerium erwartet von der gemeinsamen Beschaffung unter anderem Vorteile bei Lieferzeit, Standardisierung und Instandhaltung.
Diese Länder nutzen oder beschaffen den CV90
BAE Systems führt zehn Länder als CV90-Kunden beziehungsweise Nutzer: Dänemark, Estland, Finnland, die Niederlande, Norwegen, Schweden, die Schweiz, die Ukraine, Tschechien und die Slowakei. Der Stand der Programme ist unterschiedlich. Einige Staaten verfügen über eingeführte Flotten, bei anderen laufen Modernisierungen oder neue Lieferprogramme. Tschechien hat 246 Fahrzeuge in sieben Varianten bestellt; die Serienlieferungen werden vorbereitet. Die ersten slowakischen CV90 MkIV wurden 2025 gefertigt und 2026 vorgestellt.
Auch Litauen plant eine Beschaffung. Nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums sollen gemeinsam mit fünf weiteren NATO-Staaten insgesamt 100 CV90 MkIV erworben werden. Im Juni 2026 ermächtigten Litauen, die Niederlande, Finnland und Norwegen Schweden, ihre Interessen in den Verhandlungen über eine gemeinsame Rahmenvereinbarung zu vertreten. Die späteren nationalen Kaufverträge standen zu diesem Zeitpunkt noch aus.
