USA bekommen endlich moderne Lichttechnik
Die USA überarbeiten ihre veralteten Scheinwerferregeln und wollen moderne Lichttechnik besser berücksichtigen. Adaptive Fernlichtsysteme, LED-Scheinwerfer und internationale Standards rücken dabei in den Mittelpunkt.
Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) überarbeitet den Federal Motor Vehicle Safety Standard No. 108. Die Vorschrift regelt seit Jahrzehnten die Fahrzeugbeleuchtung in den USA und berücksichtigt anscheinend viele aktuelle Technologien nur unzureichend.
Die Behörde untersucht dabei fünf zentrale Themen: Blendung, moderne Lichttechnik, die Position und Ausrichtung von Scheinwerfern, Prüfverfahren sowie die Angleichung an internationale Standards.
Adaptive Scheinwerfer scheitern bisher an US-Vorgaben
Die US-Regeln bremsten adaptive Fernlichtsysteme bislang stark aus. Solche Scheinwerfer blenden einzelne Bereiche des Lichtkegels aus, sobald ein entgegenkommendes oder vorausfahrendes Fahrzeug auftaucht. Gleichzeitig beleuchten sie den übrigen Straßenraum weiter mit Fernlicht.
Europa nutzt für solche Systeme seit Jahren eigene Vorschriften. Die USA gingen 2022 zwar einen Schritt auf adaptive Fernlichttechnik zu, entwickelten dafür aber eigene Anforderungen innerhalb des FMVSS 108. Die europäischen Systeme passten deshalb nicht zu den US-Vorgaben.
Nur wenige Hersteller entwickelten daraufhin spezielle Scheinwerfer für den amerikanischen Markt. Rivian und Tesla gehören zu den Ausnahmen. Viele andere Hersteller verzichten dagegen auf die zusätzliche technische Entwicklung.
NHTSA prüft Blendung und Scheinwerferhöhe
Die NHTSA will untersuchen, welchen Anteil moderne Lichttechnik an der Blendung anderer Verkehrsteilnehmer hat. Außerdem prüft die Behörde, wie Scheinwerferhöhe und Lichtausrichtung die Sicht von Autofahrern beeinflussen.
LED-Scheinwerfer leuchten meist heller als frühere Halogensysteme. Gleichzeitig fahren in den USA immer mehr große Pick-ups und SUVs. Deren Scheinwerfer sitzen häufig auf einer Höhe, auf der sie direkt in die Augen von Fahrern niedrigerer Autos leuchten.
Eine Studie der American Automobile Association (AAA) zeigt die Wahrnehmung des Problems: Sechs von zehn US-Fahrern sehen Scheinwerferblendung als ernstes Problem. Das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) kommt allerdings zu einem differenzierteren Ergebnis. Zwischen 2015 und 2023 nannten Polizeiberichte Blendung in elf US-Bundesstaaten nur bei ein bis zwei von 1.000 nächtlichen Unfällen als Faktor.
Mehr Licht soll nicht automatisch mehr Blendung bedeuten
Die US-Regeln für minimale und maximale Lichtstärken haben sich laut IIHS seit 1997 kaum verändert. Die Technik entwickelte sich in dieser Zeit jedoch stark weiter. Besonders ältere Fahrer reagieren empfindlich auf Blendung.
Adaptive Systeme könnten beide Probleme miteinander verbinden: Sie leuchten den Straßenraum stärker aus und sparen gleichzeitig die Bereiche aus, in denen andere Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Dafür brauchen Hersteller Vorgaben, die mit ihren internationalen Lichtsystemen zusammenpassen.
Auch LEDs und Sensoren stehen auf dem Prüfstand
Die NHTSA will die Vorschriften für LED-Scheinwerfer, Dämmerungssensoren, automatische Fernlichtassistenten und austauschbare Leuchtmittel überarbeiten. Dazu kommen neue Prüfverfahren für Kunststoffoptiken und austauschbare Abdeckungen.
Die Behörde setzt erstmals seit mehr als 25 Jahren auf ein Verfahren mit direkter Beteiligung verschiedener Interessengruppen. Verkehrsminister Sean Duffy beruft bis zu 18 Vertreter aus der Lichtindustrie, von Ausrüstungsverbänden, Sicherheitsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Ingenieursverbänden.
Neue Regeln entstehen nicht über Nacht
Die NHTSA hat noch keine fertige Vorschrift vorgelegt. Zunächst sammelt die Behörde Stellungnahmen zum Umfang der Reform und zur Zusammensetzung des Expertengremiums. Interessierte können ihre Kommentare und Bewerbungen bis zum 9. November einreichen.
Auch nach einer neuen Regel dürften Blendprobleme nicht verschwinden. Falsch eingestellte Scheinwerfer, illegale Umbauten und besonders helle Nachrüstlösungen bleiben mögliche Ursachen.
