Kommen jetzt die Verbrenner-Schnäppchen?
Gebrauchtwagen verändern ihren Wert derzeit schneller als erwartet. Was das für Verbrenner und Elektroautos bedeutet, zeigt der Blick auf die aktuellen Restwerte.
Der Gebrauchtwagenmarkt verschiebt sich. Während die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos zunimmt, geraten Benziner und vor allem Diesel unter Druck. Ihre Restwerte sinken, die Fahrzeuge bleiben länger auf den Höfen der Händler. Damit steigt das Risiko, dass die ursprünglich kalkulierten Preise beim späteren Verkauf nicht mehr zu erzielen sind.
Wie die Automobilwoche berichtet, beobachten Experten derzeit wieder zunehmende Risiken bei den Restwerten. Gebrauchte Elektroautos würden sich seit dem Frühjahr 2026 auf Kosten der Verbrenner besser entwickeln. Dadurch wachsen bei manchen Händlern die Bestände an Benzinern und Dieselfahrzeugen. Das binde Kapital und erhöhe die Gefahr, dass die kalkulierten Restwerte nicht erreicht werden. Doch was genau ist eigentlich der Restwert eines Fahrzeugs?
Was ist der Restwert?
Der Restwert bezeichnet den erwarteten Wert eines Autos zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft. Im Leasing ist damit meist der Wert am Ende der Vertragslaufzeit gemeint. Angegeben wird er häufig als Prozentsatz des ursprünglichen Listenpreises. Kostet ein Auto beispielsweise 40.000 Euro und wird ein Restwert von 60 Prozent kalkuliert, entspricht das einem erwarteten Wert von 24.000 Euro nach drei Jahren. Dieser Betrag ist jedoch keine Garantie. Der tatsächliche Verkaufspreis kann später höher oder niedriger ausfallen. Für die Leasingrate spielt der Restwert eine wichtige Rolle. Je höher der erwartete Wert am Vertragsende ausfällt, desto geringer ist der rechnerische Wertverlust während der Leasinglaufzeit. Dadurch kann die monatliche Rate sinken.
Diesel verlieren stärker als Benziner
Die Entwicklung lässt sich an den Restwerten dreijähriger Gebrauchtwagen ablesen. Laut den Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) sanken die Werte von Benzinern seit Jahresbeginn von durchschnittlich 60,9 auf 59,4 Prozent des ursprünglichen Listenpreises. Bei Dieselfahrzeugen ging es von 60,4 auf 58 Prozent zurück. Gebrauchte Elektroautos entwickelten sich dagegen in die andere Richtung. Ihr durchschnittlicher Restwert stieg von 50,9 auf 51,5 Prozent.
Auf den ersten Blick wirken die Veränderungen gering. Für Händler können sie dennoch spürbare Folgen haben. Bei einem Fahrzeug mit einem Listenpreis von 40.000 Euro bedeutet ein Rückgang von 60,4 auf 58 Prozent einen Wertverlust von rund 960 Euro gegenüber der ursprünglichen Kalkulation. Bei einem Rückgang von 60,9 auf 59,4 Prozent sind es 600 Euro. In einem Geschäft mit niedrigen Umsatzrenditen können solche Abweichungen die Erträge deutlich verringern.
Gebrauchte Elektroautos verkaufen sich schneller
Die Entwicklung zeigt sich auch bei den Standzeiten: Nach Angaben der Automobilwoche verkaufen sich gebrauchte Elektroautos bei der Autohausgruppe Weller im Schnitt vier Tage schneller als Verbrenner. Längere Standzeiten binden Kapital und erhöhen das Risiko von Preisnachlässen. Händler, die das Restwertrisiko selbst tragen, müssen mögliche Verluste bei Leasingrückläufern auffangen.
Viele Verbrenner treffen auf eine schwächere Nachfrage
In den kommenden Jahren dürften deutlich mehr gebrauchte Verbrenner auf den Markt kommen als Elektroautos. 2023 standen rund 524.000 neue Elektroautos etwa 487.000 Diesel- und 979.000 Benzinerzulassungen gegenüber. Treffen diese Fahrzeuge zeitversetzt auf eine schwächere Nachfrage, steigt der Preisdruck – zumal sich Diesel laut Automobilwoche bereits heute langsamer verkaufen und teilweise nur mit Verlust abgegeben werden. Auch der Export kann diese Entwicklung kaum vollständig ausgleichen. Die Nachfrage nach gebrauchten Verbrennern sinkt laut dem Fachmagazin europaweit, während sich die Fahrzeugbestände in den Abnehmerländern zunehmend elektrifizieren. Eine Auswertung von Auto1.com zeigt demnach, dass 2025 mehr elektrifizierte Fahrzeuge nach Rumänien als nach Deutschland gingen. Verbrenner könnten deshalb länger im Inland stehen oder nur mit Preisnachlässen verkauft werden.
Wie schnell geht die Korrektur?
Kurzfristig hängt die weitere Entwicklung unter anderem von den Energiepreisen ab. Bleiben Kraftstoffpreise hoch, könnte das die Nachfrage nach verbrauchsintensiveren Fahrzeugen weiter belasten. Sinkende Spritpreise könnten den Absatz von gebrauchten Verbrennern dagegen wieder erleichtern.
Die weitere Entwicklung ist deshalb nicht vollständig vorhersehbar. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern könnten die aktuellen Verschiebungen teilweise vorübergehend sein. Langfristig dürfte der wachsende Anteil elektrifizierter Fahrzeuge den Gebrauchtwagenmarkt jedoch weiter verändern.
