Handy, Gurt, Abstand und Tempo gleichzeitig überwacht
Neue Verkehrsüberwachung erfasst neben dem Tempo auch Handynutzung, fehlende Sicherheitsgurte und zu geringe Abstände. Frankreich, Polen und Tschechien setzen bereits auf Systeme, die mehrere Verstöße mit einer Kamera erkennen.
Klassische Blitzer messen vor allem die Geschwindigkeit. Moderne Kombisysteme prüfen zusätzlich, ob Fahrer während der Fahrt ein Handy benutzen, den Sicherheitsgurt anlegen und ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten.
Damit kontrollieren die Anlagen verschiedene Verkehrsregeln in einem Messvorgang. Je nach Technik erfassen sie außerdem Rotlichtverstöße. Behörden können dadurch mehr Regelverletzungen mit weniger Geräten überwachen.
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Frankreich setzt auf Verhaltensblitzer
Frankreich treibt diese Entwicklung besonders stark voran. Dort tragen die Anlagen die Bezeichnung "Verhaltensblitzer" – auf Französisch "radars comportementaux". Die Systeme richten ihre Kameras nicht nur auf das Fahrzeug und dessen Geschwindigkeit, sondern prüfen auch den Innenraum.
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Die Technik erkennt unter anderem ein Smartphone in der Hand, einen nicht angelegten Gurt oder einen zu geringen Abstand. Für die genannten Verstöße sieht Frankreich jeweils 135 Euro Bußgeld und Punkte im nationalen Fahreignungsregister vor.
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Frankreich plant den weiteren Ausbau solcher Anlagen. Nach den vorliegenden Berichten sollen bis 2028 rund 1.700 Überwachungsanlagen im Land stehen. Aktuell arbeiten dort etwa 600 Systeme.
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Polen verschärft die Kontrollen
Auch Polen baut seine Verkehrsüberwachung aus – Kombisysteme erhöhen den Kontrolldruck. Wer zu schnell fährt und gleichzeitig telefoniert, keinen Gurt trägt oder zu dicht auffährt, löst mehrere Verstöße in einem Vorgang aus.
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Deutschland nutzt bereits einzelne Bausteine
Deutschland setzt bislang vor allem Systeme ein, die einzelne Verkehrsverstöße erfassen. Die MonoCam gehört dazu. Die ursprünglich für die niederländische Polizei entwickelte Kamera richtet sich von Brücken aus auf vorbeifahrende Fahrzeuge und konzentriert sich auf die Handynutzung am Steuer.
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Eine Software filtert verdächtige Bilder aus dem Videomaterial. Polizeibeamte prüfen anschließend jede Aufnahme und entscheiden, ob ein Verstoß vorliegt.
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Wer in Deutschland mit dem Handy am Steuer erwischt wird, zahlt derzeit 100 Euro und erhält einen Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung oder Sachbeschädigung steigt das Bußgeld und es kommt ein Fahrverbot hinzu.
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Kombisysteme tragen verschiedene Namen
Für Anlagen, die mehrere Aufgaben miteinander verbinden, verwenden Behörden und Hersteller unterschiedliche Bezeichnungen. Bei Kreuzungen sprechen sie häufig von Systemen zur kombinierten Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachung. In Deutschland stammen viele zugelassene Messsysteme von Vitronic oder Jenoptik. Der PoliScan FM1 von Vitronic arbeitet als stationäres oder mobiles Geschwindigkeitsmessgerät. Das Unternehmen bietet dafür das KI-Modul "Augen auf die Straße" an, das verdächtige Handy- und Gurtverstöße erkennen soll.
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Jenoptik bietet mit TraffiStar S350 und TraffiTower ebenfalls Systeme für die Verkehrsüberwachung an. Je nach Ausstattung und behördlicher Zulassung erfassen sie Geschwindigkeit, Rotlicht und weitere Merkmale.
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Die menschliche Prüfung bleibt wichtig
Künstliche Intelligenz übernimmt bei diesen Anlagen vor allem die Vorauswahl. Sie durchsucht in kurzer Zeit große Mengen an Bildmaterial und markiert Aufnahmen, auf denen ein Handy in der Hand, ein fehlender Gurt oder ein zu geringer Abstand erkennbar sein könnte.
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Polizeibeamte müssen die Bilder anschließend bewerten. Erst die menschliche Prüfung entscheidet über die weitere Verfolgung.
Noch keine flächendeckende Kombikontrolle
Deutschland nutzt bereits Technik gegen Handys am Steuer und verfügt über Messgeräte für Geschwindigkeit und Rotlicht. Eine flächendeckende Kontrolle aller vier Verstöße mit einem einzigen System gibt es hier bislang nicht.
Ob und wann Behörden solche Kombisysteme breiter einsetzen, hängt von Zulassung, Datenschutz und den jeweiligen Landesregelungen ab. Die technische Entwicklung zeigt allerdings, wohin sich die Verkehrsüberwachung in Europa bewegt.
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