Abschied von der 6x6-Knicktechnik
Statt auf die ungewöhnliche 6x6-Volvo-Knicktechnik zu setzen, kommt die neue selbstfahrende Archer-Haubitze als 8x8 von Rheinmetall daher.
Archer selbst ist eine schwedische Entwicklung von BAE Systems Bofors, deshalb erhalten auch die heimischen Streitkräfte als erstes "ihre" neue Haubitze. Beim neuen Modell sitzt das automatisierte 155-mm-Geschütz auf einem HX2 von Rheinmetall MAN Military Vehicles. Heraus kommt ein 38 Tonnen schwerer 8x8, der mit nur drei Soldaten auskommt.
440 PS bewegen 38 Tonnen
Unter dem Geschütz steckt der HX2 mit vier angetriebenen Achsen. Der komplette Archer ist 13,1 Meter lang, drei Meter breit und 3,4 Meter hoch. Mit einer optionalen Waffenstation wächst die Höhe auf vier Meter. Bei maximal angehobenem Geschütz erreicht das System sogar 10,4 Meter. Das Gewicht liegt bei 38 Tonnen.
Der Dieselmotor leistet 324 kW beziehungsweise 440 PS und holt sich seinen Sprit aus einem 400-Liter-Tank. 90 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Fahrreichweite von bis zu 800 Kilometern stehen der Haubitze zu Buche. Der Archer bewältigt Längssteigungen bis 30 Grad und eine Seitenneigung des Fahrgestells bis 19 Grad. Die Bodenfreiheit beträgt 40 Zentimeter, Wasser kann bis zu einer Tiefe von einem Meter durchfahren werden. Ein integriertes Runflat-System erlaubt die Weiterfahrt mit beschädigten Reifen.
155-mm-Geschütz mit 21 Granaten
Das Geschütz hat das NATO-Kaliber 155 Millimeter und eine Rohrlänge von 52 Kalibern. Technische Grundlage ist die schwedische Bofors FH77. Der Richtbereich reicht in der Höhe von minus einem bis plus 70 Grad, seitlich kann das Rohr jeweils 85 Grad nach links und rechts geschwenkt werden.
Im automatischen Magazin stecken 21 Granaten. Hinzu kommen 108 ganze und 18 halbe Treibladungsmodule. Archer übernimmt nicht nur das Laden und Richten. Auch die Munition wird automatisch verwaltet, elektronische NATO-Zünder werden vom System eingestellt und die ballistischen Berechnungen erfolgen direkt an Bord.
Drei Schuss in 20 Sekunden
Bei einem kurzen Feuerstoß kann Archer drei Granaten innerhalb von 20 Sekunden verschießen. Bei intensivem Feuer sind alle 21 Geschosse des Magazins innerhalb von drei Minuten möglich. Für längeres Dauerfeuer nennt BAE Systems 54 Schuss innerhalb von 35 Minuten. Die maximale Feuerrate gibt der Hersteller mit acht Schuss pro Minute an.
Dazu kommt MRSI. Archer kann bis zu sechs Granaten nacheinander mit unterschiedlichen Flugbahnen verschießen. Dadurch können die Geschosse nahezu gleichzeitig im Ziel eintreffen. Wie viele Granaten dafür eingesetzt werden können, hängt von der Entfernung ab.
20 Sekunden reichen für den Stellungswechsel
Die Reichweite richtet sich nach der verwendeten Munition. BAE Systems nennt 30 Kilometer mit konventioneller HE-Sprengmunition und 40 Kilometer mit reichweitengesteigerter HEER-Munition. Mit der gelenkten M982 Excalibur sind 50 Kilometer angegeben.
Ein wesentlicher Teil des Archer-Konzepts ist der schnelle Wechsel zwischen Fahren und Schießen. Rund 20 Sekunden nach dem Anhalten kann das System feuerbereit sein. Nach dem letzten Schuss dauert es laut Hersteller ebenfalls rund 20 Sekunden, bis die Haubitze wieder abfahrbereit ist.
Die drei Soldaten bleiben dabei in der Kabine. Sie sitzen getrennt von Geschütz und Munition. BAE Systems nennt Schutz gegen Geschosse, Splitter und Minen sowie ein Überdrucksystem für CBRN-Bedrohungen. Eine Klimaanlage ist für Einsätze bei hohen und niedrigen Temperaturen vorgesehen.
In fünf Minuten wieder voll beladen
Die 21 Granaten im Fahrzeug sind nicht der gesamte Munitionsvorrat des Systems. Für Archer gibt es ein eigenes Nachschubfahrzeug, in das bis zu 100 Granaten passen.
Mit diesem System soll sich der Archer innerhalb von fünf Minuten neu beladen lassen. Das Unterstützungsfahrzeug nimmt außerdem Versorgungsgüter für die Besatzung auf. Optional kann der Archer eine fernbediente Waffenstation auf dem Kabinendach tragen, so etwa einen 40-mm-Granatwerfer oder ein schweres Maschinengewehr im Kaliber 12,7 Millimeter. Die Sensorik ist für Tag und Nacht ausgelegt und kann auch zur Überwachung des Umfelds genutzt werden.
Der bisherige Archer fährt auf einem Knicklenker
Der Archer 8x8 ist eine neue Ausführung eines bereits eingeführten schwedischen Artilleriesystems. Die bisherige Variante fällt durch ihr ungewöhnliches Fahrgestell auf. Sie basiert auf einem schweren Volvo-Dumper mit 6x6-Antrieb und Knicklenkung. Vorder- und Hinterwagen sind dabei über ein Gelenk miteinander verbunden.
Beim neuen Modell wird dieses spezielle Fahrgestell durch den konventionell aufgebauten HX2 ersetzt. Das automatisierte Geschützkonzept bleibt dagegen erhalten. Ähnlich sieht es die 10x10-Konfiguration auf einem Oshkosh-Fahrgestell vor.
