China-AUDI in Deutschland als Mega-Kostenfalle
Es ist das zweite Serienfahrzeug der neuen Marke AUDI, die speziell auf chinesische Kunden zugeschnitten wurde.
Auto China bietet die China-Modelle der Marke AUDI in Deutschland an – ohne vier Ringe, aber mit deutschem Bestellprozess. Audi Deutschland betont: Die Fahrzeuge entstehen für China und bleiben auf diesen Markt zugeschnitten. Wir klären, ob sich das Angebot lohnt.
Auto China bewirbt den AUDI E5 Sportback auf einer eigenen deutschen Angebotsseite. Der Händler setzt dabei auf große Worte und viel Technik: "Doppelmotor-quattro-Performance", "100 kWh Lithium-Ternär-Batterie", "800 V Ultraschnellladung", dazu Displays und Assistenzfunktionen.
Auch ein E7X steht auf der Liste – samt Preisen
Aktuell bietet Auto China auf seiner Website den E5 Sportback und den SUV E7X an. Der Importeur ruft 59.980 Euro für den E5 und 72.900 Euro für den E7X (siehe Fotoshow) in der Ausstattung Flagship auf – allerdings lohnt sich hier genaues Hinschauen: Es handelt sich jeweils um Netto-Basispreise, in denen notwendige Leistungen nicht enthalten sind. Hinzu kommt nämlich automatisch ein Ladeadapter für 950 Euro – schließlich nutzen für den chinesischen Markt gebaute Fahrzeuge den GB/T-Standard sowohl für Wechsel- als auch für Gleichstrom. Für ein Laden in Europa ist also ein GB/T-zu-Typ-2- oder GB/T-zu-CCS2-Adapter obligatorisch. Eine hierzulande ebenso zwingend erforderliche EU-Straßenzulassung schlägt mit 1.500 Euro zu Buche, zwei Jahre Garantie kosten 3.500 Euro und die Lieferung kostet weitere 2.800 Euro. Auf die dann 68.730 Euro kommt noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent – macht aufgerundet 81.789 Euro. Als Vergleich erwähnt die Automobilwoche den Einstiegspreis des E5 in China: 235.900 Yuan, umgerechnet rund 30.000 Euro – der deutsche Preis ist also 2,7 mal so hoch.
Wer eine offiziell von Audi angebotene Alternative sucht: Ein A6 E-Tron Sportback ist mit 4,93 Meter fast fünf Zentimeter länger als das China-Modell, seine Systemleistung ist mit 210 kW (286 PS) zehn Kilowatt (13,6 PS) niedriger und sein Lithium-Ionen-Akku speichert brutto mit 83 kWh etwas mehr Energie (E5 Sportback: Lithium-Eisenphosphat-Akku, 76,2 kWh). Preislich liegen die beiden weit auseinander: Für den A6 E-Tron Sportback ruft Audi mindestens 62.800 Euro auf – zirka 30 Prozent weniger als Auto China für den E5 Sportback verlangt. Der Preis für den EX7 Flagship klettert so auf 97.163 Euro.
Homologation, Zulassung und After-Sales
Auto China beschreibt sich als Spezialist, der Chinas Elektrofahrzeuge nach Europa und in den Nahen Osten bringt. Der Händler schreibt, er übernehme "den gesamten Weg – Fahrzeugbeschaffung in China, EU-Typgenehmigung und Homologation, Bahntransport, Zulassung sowie echten After-Sales mit Ferndiagnose und Schnelllade-Adaptern". Zusätzlich reklamiert Auto China "Europas ersten zugelassenen Xiaomi SU7" und nennt sich "offizieller Li-Auto-Händler".
Audi Deutschland grenzt die China-AUDI klar ab
Audi Deutschland ordnet die Modelle als China-Produkte aus dem Joint Venture mit SAIC ein. Audi teilt mit:"Die Modelle der Schwestermarke AUDI basieren auf einer eigenen, gemeinsam mit unserem Partner SAIC entwickelten Plattform (Advanced Digitized Platform) und sind tief in das digitale Ökosystem Chinas integriert. Die im Rahmen dieses Joint Ventures entwickelten und produzierten Fahrzeuge sind gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen unserer chinesischen Kundinnen und Kunden zugeschnitten und werden ausschließlich für den chinesischen Markt entwickelt."
Bericht von Sichtungen in Deutschland
Die Automobilwoche berichtet, dass Beobachter den E5 Sportback schon in Hamburg und Frankfurt gesehen haben. Aus Kreisen des Importeurs heißt es, das Interesse sei groß und erste Fahrzeuge gingen bereits an Kunden.
Sitz laut Impressum: Saint Kitts und Nevis
Auto China LLC nennt im Impressum als Unternehmenssitz: A.L. Evelyn Ltd Building, Suite 1, P.O. Box 258, Main Street, Charlestown, Saint Kitts and Nevis. Solche Adressen dienen häufig als "Registered Office"-Lösung, bei der Dienstleister eine Zustelladresse und Verwaltungsservice bereitstellen, ohne dass am Ort zwingend ein operatives Autohaus oder ein Kundenservice sitzt. Saint Kitts und Nevis nutzt ein territoriales Steuersystem; Offshore-Gesellschaften, die außerhalb des Landes wirtschaften, zahlen dort typischerweise keine lokale Körperschaftsteuer. Für Kunden zählt am Ende, welche Gesellschaft als Vertragspartner auftritt und wo sich Ansprüche praktisch durchsetzen lassen.
Deutschland-Adresse: Karlsplatz 3, München
Als deutsche Adresse nennt Auto China den Karlsplatz 3 in 80335 München. Laut der Website Implisense sind unter dieser Anschrift aktuell 214 Firmen registriert. Aus der Adresse allein ergibt sich damit kein klassischer Fahrzeughandel mit Werkstatt- und Auslieferungsbetrieb; entscheidend bleiben die Angaben in Vertrag, Rechnung und Servicezusagen. Käufer sollten deshalb besonders auf die konkrete deutsche Anlaufstelle für Abholung, Gewährleistung und Service achten, die Auto China in den Unterlagen verbindlich nennt.
Rechtsrisiko Parallelimport: BVfK-Warnung und OLG-Fall als Beispiel
Die Automobilwoche zitiert Ansgar Klein, Präsident des Bundesverbands freier Kfz-Händler (BVfK): Er würde als Händler keine Fahrzeuge aus China holen, weil selbst nach juristischem "grünem Licht" ein Restrisiko bleibe. Klein fordert laut Bericht eine ausdrückliche Herstellerzustimmung, sonst drohten markenrechtlich "große Schwierigkeiten mit Vernichtungskraft". Als Beispiel nennt die Automobilwoche einen Rechtsstreit um China-VW ID.6: Ein rechtskräftiges OLG-Urteil untersagte den Verkauf, die bereits importierten Autos mussten laut Bericht vernichtet werden; die Lagerung kostete nach Gerichtsangaben rund eine halbe Million Euro.
Weitere Marken im Angebot
Auto China listet nach eigener Darstellung auch Xiaomi, Zeekr, Huawei, Jetour und Li Auto.
