Deutsche Dieselpreise könnten hochspringen
Die USA denken bereits über einen möglichen Exportstopp für Diesel nach.
Donald Trump erwägt einen vollständigen oder teilweisen Exportstopp für Diesel, um die Preise in den USA zu senken. Für Europa käme die Maßnahme zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn Deutschland deckt einen erheblichen Teil seines Bedarfs über Importe.
Die US-Regierung prüft einen Exportstopp für Diesel. Präsident Donald Trump sagte am Rand der UN-Generaldebatte in New York, die USA sollten den Kraftstoff nicht mehr ausführen. Finanzminister Scott Bessent lässt nach eigenen Angaben prüfen, ob ein vollständiges oder ein teilweises Verbot angesichts der Raffineriekapazitäten umsetzbar wäre.
Trump begründet den Vorstoß mit den stark gestiegenen Preisen im eigenen Land. Der US-Dieselpreis erreichte laut Daten der Energy Information Administration am 21. September 2026 einen Rekordwert von 6,53 Dollar pro Gallone. Das entspricht umgerechnet etwa 1,60 bis 1,72 Dollar pro Liter – deutlich weniger als in Deutschland, aber auch für US-Verhältnisse ein historisch hoher Wert.
Hohe Preise setzen die Republikaner unter Druck
Vor den Zwischenwahlen am 3. November suchen die Republikaner nach Möglichkeiten, die Kosten für Verbraucher und Unternehmen zu senken. Diesel spielt in den USA vor allem für Lastwagen, Traktoren und andere Nutzfahrzeuge eine wichtige Rolle. Hohe Kraftstoffkosten belasten deshalb besonders Landwirte und Speditionen.
Der Dieselpreis stieg in den USA im August um rund 24 Prozent. Seit Jahresbeginn legte er nach Angaben von CNN sogar um etwa 83 Prozent zu. Der Iran-Krieg, Ausfälle russischer Raffinerien durch ukrainische Drohnenangriffe sowie Exportbeschränkungen Russlands und Chinas verschärfen die Lage am Weltmarkt.
US-Politik streitet über den Exportstopp
Vor allem Politiker aus landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten wie Iowa, Kansas und Nebraska unterstützen den Exportstopp. Senator Chuck Grassley aus Iowa fordert ein Stopp für Diesel-Exporte. Auch mehrere Abgeordnete sowie der Gouverneur von Louisiana befürworten eine zeitlich begrenzte Sperre.
Politiker aus ölproduzierenden Bundesstaaten wie dem wirtschaftlich mächtigen Texas (als eigenständiger Staat wäre Texas die 8.-größte Volkswirtschaft der Welt – vor Italien) und Alaska lehnen den Vorschlag dagegen ab. Ihre Regionen profitieren stark vom Exportgeschäft. Der US-Branchenverband American Petroleum Institute warnt ebenfalls: Ein Exportstopp könnte die Preise weiter erhöhen und die Raffinerien dazu bringen, ihre Produktion zu drosseln.
Ein Exportstopp könnte angeblich auch den USA schaden
Ein Verbot würde zunächst vor allem die Regionen an der Golfküste und im Mittleren Westen beeinflussen. Dort sitzen viele Raffinerien, die große Mengen Diesel für den Export herstellen. Bleiben diese Mengen im Land, könnten die Preise in den betroffenen Regionen zunächst sinken.
Die Ost- und Westküste hängen dagegen teilweise von Importen ab. Dort könnten die Preise steigen, weil die Versorgung über längere Wege laufen müsste. Eine Verlagerung innerhalb der USA bleibt zudem schwierig, weil Transportkapazitäten und regionale Vorschriften den Austausch begrenzen.
Raffinerien könnten ihre Produktion drosseln
Der größere Unsicherheitsfaktor liegt bei den Raffinerien. Können sie Diesel nicht mehr gewinnbringend ins Ausland verkaufen, könnten sie weniger Rohöl verarbeiten. Dann sinkt nicht nur das Dieselangebot. Auch Benzin und Kerosin könnten teurer werden, weil Raffinerien mehrere Kraftstoffe aus demselben Rohölprozess gewinnen.
Andy Lipow vom Beratungsunternehmen Lipow Oil Associates warnt deshalb vor einer Kettenreaktion. Ein Exportstopp könnte nach seiner Einschätzung die Benzinpreise erhöhen und die gesamte Kraftstoffversorgung belasten. Auch US-Energieminister Chris Wright warnt vor Folgen für die Raffineriebranche und für befreundete Staaten.
Europa verliert einen wichtigen Lieferanten
Die USA gehören zu den wichtigsten Diesel-Lieferanten Europas. Nach dem Nahen Osten standen sie in den vergangenen Jahren an der Spitze der Lieferländer. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine spielte Russland eine deutlich größere Rolle im europäischen Dieselhandel. Seit dem Wegfall russischer Mengen hat sich Europa stärker auf Lieferungen aus den USA und anderen Regionen gestützt.
Ein US-Exportstopp würde deshalb keine isolierte Marktmaßnahme bleiben. Händler müssten Ersatzmengen aus dem Nahen Osten, Asien oder anderen Förderregionen beschaffen. Längere Transportwege, höhere Frachtkosten und zusätzliche Risiken auf den Seewegen würden den Einkauf verteuern.
Deutschland importiert rund ein Drittel seines Diesels
Deutschland deckt seinen Dieselbedarf über zwei Kanäle. Die Raffinerien im Inland verarbeiten Rohöl zu Kraftstoffen. Zusätzlich beziehen Händler fertigen Diesel aus dem europäischen Verbund.
Die Niederlande und Belgien spielen dabei eine wichtige Rolle. Über die ARA-Region mit Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen gelangen große Mengen Diesel per Pipeline, Binnenschiff, Bahn und Tankwagen nach Deutschland. Die dortigen Umschlagplätze reagieren eng auf Veränderungen am Weltmarkt.
Norwegen liefert Deutschland große Mengen Rohöl. Auch die USA gehören zu den wichtigen Rohöllieferanten deutscher Raffinerien. Weitere Lieferungen kommen unter anderem aus Kasachstan, Libyen, Großbritannien, Nigeria und Saudi-Arabien.
Preisdruck kommt vor einer möglichen Knappheit
Ein US-Exportstopp würde in Deutschland wahrscheinlich zunächst die Großhandelspreise erhöhen. Händler müssten Ersatz beschaffen und dabei gegen Abnehmer aus anderen europäischen Ländern konkurrieren. Diesen Aufschlag geben Tankstellen und Speditionen entlang der Lieferkette weiter.
Leere Tankstellen drohen deshalb nicht automatisch. Deutschland verfügt über gesetzliche Ölreserven für mindestens 90 Tage. Diese Vorräte können eine angespannte Versorgung abfedern, ersetzen aber keine laufenden Importe. Je länger der Exportstopp dauert, desto stärker wächst der Druck auf den europäischen Beschaffungsmarkt.
Diesel verteuert Transporte und Lebensmittel
Diesel treibt Lastwagen, Traktoren, Schiffe und zahlreiche Baumaschinen an. Steigen die Kraftstoffkosten, erhöhen Speditionen ihre Frachtraten. Landwirtschaftliche Betriebe zahlen mehr für Maschinen und Transporte. Händler und Lebensmittelproduzenten kalkulieren die zusätzlichen Kosten in ihre Preise ein.
Damit würde ein US-Exportstopp die Inflation in Europa weiter anheizen. Der Effekt hängt davon ab, wie lange die USA ihre Ausfuhren begrenzen und wie schnell andere Lieferanten einspringen. Eine teilweise befürchtete Verdoppelung der Preise lässt sich daraus nicht seriös ableiten.
