Mercedes bringt fast 3-mal so viele Verbrenner wie E-Autos
Spätestens 2027 wird klar: Electric first oder gar electric only ist bei Mercedes Geschichte. Im kommenden Jahr werden die Schwaben mehr neue Verbrenner an den Start bringen als Elektroautos – und das, obwohl die E-Auto-Nachfrage steigt.
Im Jahr 2020 war Mercedes-CEO Ola Källenius gerade ein Jahr auf seinem Posten, als er bei Mercedes die Electric-First-Strategie ausrief. Ein paar Monate später verschärfte er den Kurs zu Electric Only und setzte das Ziel 2030 komplett auf batterieelektrische Fahrzeuge umzustellen – allerdings immer mit dem Nebensatz flankiert: "wo es die Marktbedingungen zulassen."
Diese Bedingungen lassen in den kommenden Jahren wohl nicht mehr viel zu. Denn während Mercedes im Rahmen eines Tech-Days Journalisten aus aller Welt bei einem Crashtest die Sicherheit ihrer Verbrenner- und E-Autos live demonstrierte, kam auch Entwicklungschef Jörg Burzer zu Wort und berichtete von der Agenda und dem straffen Modellprogramm von Mercedes. Fast nebenbei zeigte der CTO dabei auch eine Folie mit den geplanten Modellen von Mercedes bis Ende 2027 – aufgeteilt nach batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) und jenen mit Verbrenner.
Ein Interview mit dem Mercedes-Entwicklungschef zu seiner Strategie lesen Sie hier.
Vier E-Autos vs. elf Verbrenner bei Mercedes
Auffällig an der Folie: Von insgesamt 15 neuen Autos kommen nur vier mit einem Elektroantrieb. Die anderen elf tragen einen Verbrenner unter der Haube. Kein Wunder, möchte man sagen, nachdem Källenius bereits 2024 zurückruderte und für 2030 nur noch das Ziel von 50 Prozent BEV und PHEV am Gesamtabsatz nannte – vor allem, weil der durchschlagende Erfolg durch die EQ-Modelle von EQS bis EQA ausblieb.
Das Problem dabei: In den letzten Monaten ziehen die Elektroauto-Zulassungen merklich an. In Europa machten die E-Autos von Januar bis September einen Marktanteil von 22,7 Prozent aus. Der europäische Automobilverband ACEA meldete 1,93 Millionen E-Autozulassungen, ein Wachstum von 48,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Dass sich dieser Trend zeitnah umkehrt, ist nicht in Sicht. Denn auch mit Tankrabatt werden Experten zufolge die Kraftstoffpreise auf absehbare Zeit hoch bleiben und der Bundesumweltminister meldete kürzlich, dass die E-Auto-Prämie auch 2027 noch werden kann.
