KI soll 17 Monate sparen
Mercedes will sein Entwicklungstempo deutlich erhöhen und setzt dafür stark auf den Einsatz von KI. Die Entwicklungszeit soll um bis zu 30 Prozent sinken.
Getrieben durch die chinesische Autoindustrie sehen sich auch die europäischen Anbieter dazu gezwungen, neue Autos schneller zu entwickeln und auf die Straße zu bringen. Mercedes kündigt dazu jetzt eine neue Entwicklungsstrategie an, die stark auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz setzt.
Weniger Komplexität spart Zeit
Dafür investiert der Konzern rund eine halbe Milliarde Euro in das KI-System PLM.AI – wobei PLM für Product Lifecycle Management steht. Das neue System soll Entwicklung, Produktion, Einkauf, Vertrieb und After-Sales über den gesamten Produktlebenszyklus miteinander vernetzen, um Innovationen schneller zur Serienreife zu bringen. Die Entwicklungszeit neuer Fahrzeuge soll sich damit um rund 17 Monate oder bis zu 30 Prozent verkürzen. Bei einzelnen Prozessen wird sogar eine Halbierung der Entwicklungszeit angestrebt.
Trotz der deutlich verkürzten Entwicklungszeit sieht Mercedes aber keine Abstriche bei Qualität und Sicherheit. Vielmehr reduziert der neue KI-Ansatz die Komplexität der Prozesse und ermöglicht es so, neue Technologien schneller auf den Markt zu bringen. Als Beispiel nennt der Konzern die Gewichtsoptimierung. Bislang arbeiten hier verschiedene Abteilungen teilweise mit unterschiedlichen Daten und Systemen. KI könnte hier schneller sichtbar machen, wie sich Änderungen auf Kosten, Sicherheit und Produktion auswirken. Im After-Sales-Bereich könnten Daten zu Produkt-, Service- und Betrieb verknüpft werden und damit die Abläufe effizienter gestalten.
Mercedes behält die Datenhoheit
Künstliche Intelligenz ist bei Mercedes bereits heute fester Bestandteil der Produktentstehung. KI-Agenten unterstützen bei der Optimierung von Materialkosten, bei Zertifizierungs- und Zulassungsprozessen, Fehlererkennung und -behebung sowie bei der Softwareentwicklung.
Als Partner für das neue KI-System PLM.AI hat sich Mercedes Contact Software und Siemens ins Boot geholt. Beide liefern jeweils wichtige Bausteine für die neue Technologie. Mercedes selbst steuert die Umsetzung und behält die volle Datensouveränität sowie die Kontrolle über darauf basierende KI-Modelle.
