Produktionsstopp wegen fehlender Teile
Ein Lieferengpass sorgt für stillstehende Produktionsanlagen bei Mercedes-Benz in Sindelfingen.
Am vergangenen Freitag (25. September 2026) fiel im Sindelfinger Stammwerk überraschend eine komplette Schicht aus. Von dem Stillstand ist ausgerechnet die hochmoderne Factory 56 betroffen. In dieser Montagehalle baut der Automobilkonzern seine teuersten und margenstärksten Fahrzeuge. Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Einschränkungen auf Anfrage des Portals Merkur. Welche Bauteile konkret fehlen und welcher Zulieferer die Teile nicht rechtzeitig liefert, ließ das Management offen.
Die Verantwortlichen arbeiten nach eigenen Angaben daran, die Materialversorgung rasch wieder zu stabilisieren. Die Fertigung soll bereits am Montag (28. September 2026) wieder ganz regulär anlaufen. Damit beschränkt sich der Ausfall nach aktuellem Stand auf eine einzige Schicht. Ob Kunden wegen dieses kurzen Stopps länger auf ihre bestellten Neuwagen warten müssen, ließ das Unternehmen bisher unbeantwortet.
S-Klasse, Maybach und EQS betroffen
Die im Jahr 2020 eröffnete Factory 56 gilt intern als technisches Aushängeschild. Dort rollen die S-Klasse, die exklusiven Mercedes-Maybach-Modelle sowie der rein elektrische EQS vom Band. Gerade diese Ober- und Luxusklasse ist für den wirtschaftlichen Erfolg unverzichtbar, weil diese Fahrzeuge im Verkauf hohe Preise erzielen und dem Unternehmen wichtige Gewinnspannen sichern.
Am Standort Sindelfingen arbeiten insgesamt mehr als 31.500 Menschen. Neben der reinen Fahrzeugmontage sind dort auch große Teile der Konzernforschung und der Entwicklung angesiedelt. Rund 19.000 Beschäftigte gehen direkt in produktionsnahen Bereichen ihrer Arbeit nach.
Kostendruck und harte Tarifkonflikte
Der Produktionsstopp platzt in eine ohnehin angespannte Phase. Mercedes steht wie die gesamte deutsche Autoindustrie unter einem massiven Kostendruck und ringt mit der Belegschaft um die Zukunft der heimischen Werke. Das Management fordert schärfere Einschnitte und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Im Raum steht dabei unter anderem eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit, während Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaft IG Metall strikt dagegenhalten und unbezahlte Mehrarbeit ablehnen. Bei ausbleibenden Einsparungen drohte das Management zuletzt sogar mit Werksschließungen.
