eActros 600 mit MCS-Laden bei 1.000 kW erklärt
Mercedes-Benz Trucks hat den eActros 600 in einem internen Test erstmals mit 1.000 kW geladen. Was das Megawatt Charging System im Alltag bringt, zeigt sich erst im Vergleich zu heutigen Ladern.
Das Megawatt Charging System, kurz MCS, ist ein neuer Ladestandard für schwere E-Lkw, der deutlich höhere Ladeleistungen als heutige Schnelllader ermöglichen soll. Mercedes-Benz Trucks hat dazu einen eActros-600-Prototyp im Entwicklungs- und Versuchszentrum in Wörth am Rhein an einer Ladesäule mit 1.000 kW erfolgreich geladen.
In der Branche gilt teils schon eine Ladeleistung ab 700 kW als "MCS-Laden". Mercedes-Benz Trucks setzt die Messlatte höher und nennt als Ziel, den eActros 600 mit vollen 1.000 kW laden zu können. Der Hersteller arbeitet dafür an der Serienreife und erprobt unter anderem die definierte Kommunikationsschnittstelle zwischen Fahrzeug und Ladesäule.
Für Kunden ist wichtig: MCS ist beim eActros 600 nicht automatisch ab Start verfügbar. Geplant ist, dass der eActros 600 zunächst CCS-Laden bis 400 kW kann und später, "sobald verfügbar", auch MCS mit 1.000 kW. Dafür soll es eine bestellbare Vorrüstung geben, außerdem ist eine Nachrüstbarkeit der MCS-Technologie vorgesehen.
Was 30 Minuten bringen
Der eActros 600 nutzt drei Batteriepakete mit zusammen 621 kWh Kapazität; im Fahrbetrieb stehen laut ADAC rund 95 Prozent davon zur Verfügung, also etwa 600 kWh. Mercedes-Benz Trucks nennt für den Fernverkehr eine Reichweite von 500 Kilometern ohne Zwischenladen bei 40 Tonnen Gesamtzuggewicht. Damit lässt sich die Wirkung kurzer Ladefenster greifbar machen.
Der ADAC ordnet das Zusammenspiel aus Fahrzeit und Ladung praktisch ein: Nach 4,5 Stunden Fahrt ist in der EU eine 45-minütige Pause vorgeschrieben, und diese Zeit kann zum Nachladen genutzt werden. An einer 400-kW-Ladesäule lasse sich der Akku in einer solchen Pause "fast wieder komplett" füllen, wenn ein passender Stellplatz mit Lademöglichkeit vorhanden ist. Zusätzlich nennt der ADAC für den MCS-Anschluss die Perspektive, dass rund 30 Minuten genügen sollen, um die großen Akkus auf bis zu 80 Prozent zu laden.
Mercedes-Benz Trucks leitet daraus eine Einsatzlogik ab: Der eActros 600 soll am Tag deutlich über 1.000 Kilometer schaffen, wenn während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen nachgeladen werden kann. Das gelte sogar "selbst ohne Megawattladen", also auch mit CCS, solange Infrastruktur vorhanden ist. MCS mit 1.000 kW zielt dann vor allem auf die Einsätze, in denen besonders kurze Standzeiten entscheidend sind.
Infrastruktur und Rückgewinnung
MCS spielt laut Mercedes-Benz Trucks besonders beim öffentlichen Laden entlang wichtiger Verkehrsachsen eine zentrale Rolle. Genau dort entscheidet sich, ob ein Fernverkehrs-Lkw wirklich durchgehend planbar ist: Nicht das Fahrzeug allein, sondern die verfügbare Ladeleistung am richtigen Ort zählt.
Der ADAC beschreibt die Infrastruktur als aktuellen Knackpunkt: Es gebe zu wenige geeignete Schnellladesäulen für schwere Lkw, und Megawatt-Ladesäulen seien bislang eher Versuchsprojekte. Dazu kommt ein praktisches Problem, das Pkw-Fahrer selten haben: Viele Schnelllader an Autobahnen sind auf Pkw-Stellplätze ausgelegt, Lkw können dort oft nicht passend parken.
Neben dem Laden senkt auch Rekuperation den Energiebedarf: Das ist Bremsenergierückgewinnung, bei der die E-Maschinen beim Verzögern Strom in die Batterie zurückspeisen. Der ADAC nennt dafür beim eActros 600 400 kW im Dauerbetrieb und 600 kW in der Spitze. Das ersetzt keine Ladesäule, kann aber im welligen Streckenprofil Reichweite zurückholen und damit den nächsten Ladestopp entzerren.
