Mennekes und der Typ-2-Stecker
Ein Stecker aus dem Sauerland machte ein Familienunternehmen zum Standard in der Auto-Industrie und einem "Hidden Champion" Deutschlands.
Mennekes sitzt in Kirchhundem im Sauerland und wuchs über die Jahre mit Industriesteckvorrichtungen für Starkstrom. Solche Stecker und Kupplungen finden sich etwa in Betrieben, auf Campingplätzen oder in der Schifffahrt. Nach Angaben des Unternehmens macht dieses Industriestecker-Geschäft bis heute noch rund die Hälfte des Umsatzes aus.
Der Sprung in die Elektromobilität begann mit einem Problem, das entscheidend für den Elektroauto-Alltag war: Wie soll man diese neuen Modelle eigentlich aufladen? In den ersten Jahren der E-Neuzeit konkurrierten japanische, amerikanische und europäische Normen um die Vorherrschaft an den Ladesäulen. Im Februar 2011 präsentierten Walter Mennekes und sein Kollege Voker Lazzaro in Brüssel bei der EU-Kommission ein Ladesystem – samt Demonstrator auf einem umgebauten Bobbycar. Es ging um die Frage, welche Lösung sich als europäischer Standard durchsetzt.
Diese Standardfrage entschied später über Marktchancen entlang der gesamten Ladeinfrastruktur. Denn wer den Anschluss definiert, wird für Autohersteller, Betreiber und Zulieferer zur Referenz. Für Mennekes war das der Weg vom klassischen Zulieferer hin zu einer Marke, deren Produkt in der Elektromobilität plötzlich jeder nutzt.
Typ 2 und die Normierung
Der Typ-2-Stecker ist technisch als IEC 62196-2 Type 2 definiert und wurde zunächst von Mennekes vorgeschlagen. Die Entwicklung wird dort auf 2009 datiert, später folgten Tests und Standardisierung in der Branche. Für das AC-Laden setzt Typ 2 auf sieben Kontakte und ist für ein- oder dreiphasigen Wechselstrom ausgelegt.
In Europa wurde Typ 2 zur prägenden Schnittstelle für das Laden mit Wechselstrom – und damit zur gemeinsamen Sprache zwischen Fahrzeug und Ladepunkt. Eine spätere Erweiterung ist CCS "Combo 2", das die Typ-2-Geometrie nutzt und zusätzliche DC-Pins für Schnellladen ergänzt. Typ 2 selbst bleibt damit der Kernbaustein, der auch auch beim Schnellladen mit Gleichstrom die Norm setzt. Deshalb sind die Ladeports an Elektroautos auch zweigeteilt: Der obere Typ-2-Anschluss für Wallbox & Co., der zusätzliche zweipolige Anschluss für die kombinierten Schnellladestecker. Praktisch heißt das: Wer in Europa ein E-Auto an öffentlichen AC-Ladepunkten oder viele Wallboxen anschließt, begegnet in der Regel Typ 2. Für ein Unternehmen aus dem Sauerland wurde die Standardisierung so zum gewaltigen Erfolg.
Wachstumsschub und Sichtbarkeit
Mit dem Rückenwind der Normierung wuchs das Geschäft deutlich. Mennekes beziffert den Umsatzanstieg von 120 Millionen Euro im Jahr 2014 auf knapp 300 Millionen Euro im Jahr 2022 – ein Plus von rund 150 Prozent. Gleichzeitig stieg die Beschäftigtenzahl auf 1.600 Mitarbeitende, davon 1.100 in Deutschland.
Zum Erfolg trug auch bei, dass Mennekes vom reinen Stecker in Richtung Systemanbieter rund ums Laden gehen wollte. Laut Unternehmensangaben ist Mennekes seit 17 Jahren im Bereich Elektromobilität aktiv und sieht das E-Auto als Zukunftstechnologie. Parallel blieb das klassische Geschäft mit Industriesteckern als zweites Standbein wichtig.
Die Kehrseite eines solchen Booms: Ein wachsender Anteil hängt an der Konjunktur der Elektromobilität – und die reagiert auf Förderkulissen und Zulassungszahlen. Mennekes selbst beschreibt den Markt als wechselhaft, besonders in den Kernmärkten EU und Deutschland. Damit wird aus dem planbaren Normgeschäft ein Geschäft, das kurzfristig stark schwanken kann.
Wenn der E-Auto-Markt stockt
Wie schnell das durchschlägt, zeigte der Förderstopp in Deutschland: Die Bundesregierung beendete im Dezember 2023 abrupt den Umweltbonus für Elektroautos. In der Folge sanken 2024 die Neuzulassungen rein batterieelektrischer Autos in Deutschland um fast 30 Prozent. Für Anbieter von Ladekabeln, Wallboxen und Ladeinfrastruktur bedeutet das typischerweise weniger Nachfrage im Zubehör- und Ausbaugeschäft.
Mennekes beschreibt in einem Bericht bei t-online, dass Schwankungen in Deutschland und der EU das Unternehmen unmittelbar treffen, weil es dort besonders stark präsent ist. Gleichzeitig gelingt es nach eigenen Angaben nicht, auf dem größten E-Auto-Markt China Fuß zu fassen, auch wegen intensiver Konkurrenz durch große Anbieter. Zusätzlich kommt hinzu, dass dort ein anderer Steckertyp verbreitet ist.
Als Antwort setzt Mennekes auf mehr als das reine Steckerprodukt und sucht Kooperationen, um Kunden bei Planung und Aufbau von Ladeinfrastruktur zu unterstützen. Der Fokus verschiebt sich damit: weg vom einzelnen Typ-2-Anschluss hin zur kompletten Lösung rund ums Laden – siehe auch unser oben eingebundener Podcast, in dem Mennekes-Geschäftsführer Volker Lazzaro die Zukunft der Ladetechnik skizziert.
