Bis 2031 bis zu 200.000 Jobs in Gefahr
Bis 2031 könnten in der deutschen Autoindustrie 200.000 Stellen wegfallen – so lautet eine zentrale Prognose aus einer aktuellen Roland-Berger-Analyse. Entscheidend ist, was hinter der Zahl steckt und wen sie besonders trifft.
Die Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger setzt den Zahlen-Hook klar: Bis 2031 könnten in der deutschen Autoindustrie 200.000 Jobs wegfallen. Die Studie beschreibt damit eine Verschärfung des Anpassungsdrucks mitten in der Transformation.
Konkrete "radikale Lösungen" werden in der Debatte als mögliche Bremsmanöver genannt, um einen Absturz zu verhindern. Damit ist weniger Kosmetik gemeint als Eingriffe in Strukturen, Kosten und Geschwindigkeit der Umstellung.
Wichtig für die Einordnung: Die Zahl ist eine Projektion, kein angekündigtes Programm einzelner Hersteller. Sie zeigt aber, welches Ausmaß die Studie für möglich hält, wenn der Wettbewerbsdruck weiter steigt.
Warum der Druck steigt
Volkswagen begründet aktuell harte Schritte mit einem "strukturell und tiefgreifend" verschärften Umfeld. Personalvorstand Arne Meiswinkel verweist dabei ausdrücklich auf chinesische Hersteller, die mit günstigen Exporten nach Europa drängen und damit den Preis- und Wettbewerbsdruck erhöhen.
In diesem Umfeld versucht VW, Kosten und Regeln schneller zu bewegen: Das Unternehmen hat einen Großteil seiner Haustarifverträge gekündigt, darunter den Manteltarifvertrag. Laut IG Metall betrifft das zehn von insgesamt 13 Tarifverträgen; gekündigt wurde fristgerecht zum 31. Dezember 2026.
Der Manteltarifvertrag bündelt grundlegende Regeln für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland, etwa zu Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Zulagen. Arbeitnehmervertreter rechnen damit, dass Folgen ab Januar 2027 spürbar werden könnten – und kündigen Widerstand an.
Wer besonders betroffen sein dürfte
Die Studie spricht von einem Jobrisiko für die Branche insgesamt, doch in der Praxis verteilt sich Transformation selten gleichmäßig. Besonders empfindlich sind dort die Bereiche, in denen klassische Wertschöpfung unter Druck gerät und zugleich hohe Fixkosten an Standorten hängen.
Bei Volkswagen wird die Dimension des Umbaus auch jenseits von Tariffragen sichtbar: Der Konzern will zusätzlich zu bisherigen Programmen weltweit 50.000 Stellen streichen; nach den Angaben zum Umbau könnte etwa die Hälfte auf deutsche Standorte entfallen. Zugleich ist die Zukunft mehrerer Werke und Standorte über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus offen.
Parallel laufen bereits längerfristige Personalpfade: Der Tarifkompromiss von 2024 sieht den Abbau von 35.000 VW-Jobs in Deutschland bis 2030 vor. Als Gegenleistung wurden Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 sowie der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen vereinbart – die aktuellen Auseinandersetzungen zeigen, wie fragil solche Balanceakte im Kostendruck werden.
