Neue Versionen gegen fast unsichtbare Gegner
Saab erweitert das Combat Boat 90 um die Version CX. Das Kampfboot soll künftig nicht nur Soldaten transportieren, sondern auch Aufklärungs-, Seeziel- und Flugabwehraufgaben übernehmen.
Die Entwicklung des CB90 begann Ende der 1980er-Jahre. Die ersten Prototypen fuhren 1989, die Serienproduktion begann 1990. Das Boot wurde für amphibische Verbände entwickelt, die Soldaten und Ausrüstung schnell zwischen Schiffen, Küste und Inseln bewegen müssen. Die flache Bauweise und der geringe Tiefgang ermöglichen Fahrten in küstennahen Gewässern.
Das CB90 HSM, auf dem Saabs technische Vergleichswerte für das CB90 NG beruhen, ist 16,3 m lang und 3,8 m breit. Es wird von zwei Dieselmotoren mit je 900 PS angetrieben. An Bord finden neben drei Besatzungsmitgliedern bis zu 18 bis 21 Soldaten Platz. Das CX behält den Wasserstrahlantrieb bei, erhält aber stärkere Motoren und mehr Raum für Missionsausrüstung.
Drei Ausführungen mit Radar, Flugkörpern oder Kanone
Die Aufklärungsversion nutzt Saabs Sea Giraffe 1X. Das Radar soll Ziele in der Luft und auf der Wasseroberfläche rundum erfassen. Der ausfahrbare Mast reicht bis auf elf Meter Höhe und kann während schneller Fahrt auf etwa vier Meter abgesenkt werden. Saab gibt für das Radar eine technische Reichweite von mehr als 100 km an. Die tatsächliche Erfassung eines Schiffs hängt jedoch auch von der Sichtlinie und der Höhe des Ziels ab.
Für die Seezielbekämpfung wurde das CX mit zwei Startgeräten für Marte-ER-Flugkörper gezeigt. Die Raketen verfügen über eine aktive Radarlenkung und sollen im Tiefflug mehr als 100 km weit fliegen können. Für Ziele außerhalb der eigenen Radarreichweite benötigt das Boot Zieldaten von anderen Sensoren. Schweden plant für seine amphibischen Verbände einen anderen Flugkörper. Die Marte ER ist daher eine mögliche Ausrüstung des CX, aber keine bestätigte schwedische Bewaffnung.
Die Flugabwehrversion soll eine SeaSnake-30-Kanone von Rheinmetall erhalten. Das ferngesteuerte System verschießt 30 × 173-mm-Munition und erreicht eine maximale Feuerrate von 1.100 Schuss pro Minute. Zur Anlage gehören Tageslichtkameras, Infrarotsensoren und ein Laserentfernungsmesser.
Fernsteuerung und weitere Systeme
Die "Combat Core"-Architektur verbindet die Steuerung des Boots mit der Überwachung seiner Bordsysteme und der Waffensteuerung. Zusammen mit Saabs "Autonomous Ocean Core" ermöglicht sie den Fernbetrieb und autonome Funktionen. Über den Einsatz der Waffen entscheiden weiterhin Menschen.
Eine Torpedobewaffnung gehört bisher nicht zu den bestätigten CX-Konfigurationen. 2025 wurde der Torpedo 47 von einem herkömmlichen CB90 und einem unbemannten Überwasserfahrzeug aus erprobt. Die Tests sollten zeigen, ob sich der Torpedo vorübergehend auf kleineren Plattformen einsetzen lässt. Saab prüft außerdem den Start von Drohnen und weitere Ausstattungen für das CX.
Schweden ist Erstkunde
Schweden hat zwischen 2024 und 2026 insgesamt 36 neue Boote der CB90-Familie bestellt. Die Aufträge umfassen zehn Boote aus dem Jahr 2024, weitere 22 aus dem Jahr 2025 und vier aus dem Jahr 2026.
Saab erweitert außerdem das Werftgelände in Docksta. Die neue Anlage soll die Produktionskapazität mehr als verdoppeln und im ersten Halbjahr 2027 fertig werden. Für die CX-Version prüft Saab weitere Ausstattungen, darunter Torpedos und verschiedene Drohnentypen.
