Volkswagen kündigt zehn Haustarifverträge
Volkswagen hat zehn seiner Haustarifverträge gekündigt. Darunter ist nach Angaben der IG Metall der Manteltarifvertrag, der unter anderem die Arbeitszeit regelt. Insgesamt besteht der VW-Haustarif aus 13 Einzelverträgen. Das Unternehmen bestätigte, die Kündigungen fristgerecht zum 31.12.2026 ausgesprochen zu haben.
Die Entscheidung wurde am 30.9.2026 bei einem Treffen von Unternehmensführung, IG Metall und Betriebsrat in Hannover bekannt. Welche Änderungen die Arbeitgeberseite um Verhandlungsführer Arne Meiswinkel konkret durchsetzen will, blieb zunächst offen. Nach einem Bericht des Handelsblatts wäre eine Verlängerung der bisher geltenden 35-Stunden-Woche eine mögliche Option. Eine konkrete Forderung dazu wurde jedoch zunächst nicht öffentlich genannt.
Zusatzvergütung und Zulagen betroffen
Zu den betroffenen Leistungen gehört nach einem Bericht des "Spiegel" die tarifliche Zusatzvergütung. Berechtigte Beschäftigte können unter bestimmten Voraussetzungen zwischen sechs zusätzlichen freien Tagen und einer Zahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens wählen. Die inzwischen veröffentlichte Aufstellung nennt außerdem Verträge zur Eingruppierung, zur Leistungs- und Personalbemessung sowie für Beschäftigte mit besonderen Arbeitszeiten.
Nach Angaben der IG Metall wurden folgende Vereinbarungen gekündigt. Beim Ausbildungstarifvertrag betrifft der Schritt nur die genannten Paragrafen.
- Manteltarifvertrag
- Entgelttarifvertrag
- Rahmentarifvertrag zur Eingruppierung
- Tarifvertrag Tarifliche Zulage
- Tarifvertrag über die Gewährung einer tariflichen Zusatzvergütung
- Tarifvertrag über Leistungs- und Personalbemessung
- Tarifvertrag für Beschäftigte mit besonderen Arbeitszeiten
- Paragrafen sechs und 18 des Ausbildungstarifvertrags
- Rahmentarifvertrag für Beschäftigte mit Spezialisten- oder Führungsfunktionen, TarifPlus
- Entgelttarifvertrag für Beschäftigte mit Spezialisten- oder Führungsfunktionen, TarifPlus
VW begründet den Schritt mit verschärfter Wirtschaftslage
Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen und Mitglied der erweiterten Konzernleitung, verwies laut "Bild" auf die veränderten Rahmenbedingungen. "Das wirtschaftliche Umfeld hat sich für die Automobilindustrie im Allgemeinen und damit auch für Volkswagen in den vergangenen 18 Monaten gravierend verschärft", erklärte er. Die Sparmaßnahmen aus dem Zukunftsplan des Vorstands müssten deshalb schnell und konsequent umgesetzt werden.
Die Kündigungen könnten nach Angaben der Arbeitnehmerseite frühestens ab Januar 2027 wirksam werden. Ob einzelne Leistungen gekürzt, gestrichen oder anders ausgestaltet werden sollen, lässt sich aus den bisher bekannten Angaben nicht ableiten.
Zukunftstarifvertrag bleibt bestehen
Das Treffen war ursprünglich als Überprüfungsgespräch zum Zukunftstarifvertrag von 2024 angesetzt worden. IG Metall und Betriebsrat wollten klären, ob Volkswagen die darin vereinbarten Zusagen angesichts des verschärften Sparkurses weiter erfüllt. Dabei verlangten sie auch Antworten darauf, wie der Vorstand die Werke erhalten und besser auslasten will. Dieser Vertrag ist von den aktuellen Kündigungen nicht betroffen.
Der damalige Kompromiss sieht den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vor. Die Beschäftigten akzeptierten zudem Einschnitte bei Vergütung und Sonderzahlungen. Im Gegenzug sagte Volkswagen den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 sowie Investitionen und neue Produkte für die deutschen Standorte zu.
IG Metall und Betriebsrat kündigen Widerstand an
IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger bezeichnete das Vorgehen laut "Spiegel" als "ein übles Foul an der Belegschaft". Die Gewerkschaft werde nicht hinnehmen, dass unternehmerische Kosten und Risiken auf die Beschäftigten verlagert würden. Gröger sieht darin zudem einen Bruch mit der jahrzehntelangen VW-Kultur und eine Auseinandersetzung über die Zukunft der tariflichen Arbeitsbedingungen.
Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo sprach dem Bericht zufolge von Erpressung. "Ich rechne mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel", sagte sie. Dann endet die Friedenspflicht im ebenfalls gekündigten Vergütungstarifvertrag. Ab dem 1.1.2027 wären Warnstreiks möglich.
Gewerkschaft fordert höhere Entgelte
Für die anstehende Tarifrunde verlangt die IG Metall fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich soll eine soziale Komponente insbesondere den unteren Entgeltgruppen zugutekommen. Ein konkreter Verhandlungstermin stand zuletzt noch nicht fest.
Die Gewerkschaft verweist darauf, dass die Beschäftigten im VW-Haustarif ihre letzte Entgelterhöhung im Mai 2024 erhalten hätten. Seither seien die Lebenshaltungskosten weiter gestiegen. Zugleich kritisiert sie die Dividendenausschüttungen an die Aktionäre nach den Zugeständnissen der Belegschaft im Tarifabschluss von 2024.
