Ineos Grenadier für Italiens Armee
Das Multi-Role Light Vehicle ist für wechselnde Aufbauten und militärische Ausrüstung vorgesehen.
Ineos Automotive erhält zwei größere Aufträge aus dem europäischen Verteidigungssektor. Italien setzt den Grenadier als Militärgeländewagen ein.
Ineos Automotive baut sein Geschäft mit Militärfahrzeugen aus. Die italienische Armee hat eine größere Zahl des Geländewagens Grenadier bestellt. Österreich vergab seinerseits einen Auftrag für speziell umgerüstete Fahrzeuge mit erhöhtem Schutz. Für Ineos sind es die ersten größeren Bestellungen von staatlichen Streitkräften, wie das Unternehmen mitteilt.
Italien ist damit nach Angaben des Herstellers das erste NATO-Mitglied, das den Grenadier in größerem Umfang für seine Streitkräfte beschafft. Die Auslieferung soll Anfang 2027 beginnen. Zuständig für die Abwicklung ist ATflow, der regionale Vertriebspartner von Ineos Automotive. Wie viele Fahrzeuge die italienische Armee bestellt hat und welches Volumen der Vertrag umfasst, wurde nicht bekannt gegeben.
Gepanzert für Österreich
Der österreichische Auftrag sieht Grenadier-Versionen mit erweitertem Schutz für die Verteidigungs- und Sicherheitskräfte des Landes vor. Den Zuschlag bei der Ausschreibung erhielt Valentin Tusch, ein auf Panzerung und Spezialumbauten von Fahrzeugen spezialisiertes Unternehmen. Erste Auslieferungen und Erprobungen sollen noch Ende 2026 beginnen. Angaben zur Auslegung des Schutzes, zu den möglichen Bedrohungsszenarien oder zum Umfang der Bestellung liegen bislang nicht vor.
Leiterrahmen als Basis für Umbauten
Der Grenadier basiert auf einem separaten Leiterrahmen und verfügt über permanenten Allradantrieb sowie Starrachsen. Die Konstruktion ist auf den Einsatz abseits befestigter Straßen und hohe Belastungen ausgelegt. Verschiedene Karosserievarianten und Radstände schaffen Spielraum für unterschiedliche Aufgabenprofile. Hinzu kommt die Möglichkeit, spezielle Aufbauten und Ausrüstung für militärische Einsätze zu integrieren.
Bei der Auswahl für die beiden Aufträge spielten laut Ineos die Vielseitigkeit der Plattform, die Belastbarkeit im Gelände und der Wartungsaufwand eine Rolle. Weniger Bauteile sollen die Instandhaltung vereinfachen. Welche konkreten Änderungen die italienischen Fahrzeuge erhalten, ist ebenso wenig bekannt wie die genaue technische Ausführung der österreichischen Schutzversionen.
Bereits im Einsatz
Der Grenadier ist bereits bei Polizei, Grenzschutz, Spezialeinheiten und Rettungsdiensten in verschiedenen Ländern im Einsatz. In Deutschland, Frankreich und Spanien nutzen ihn unter anderem spezialisierte Einheiten für Terrorismusbekämpfung und taktische Einsätze. Auch Ungarn, Polen, Tschechien, Serbien und die Slowakei setzen das Modell nach Unternehmensangaben bei Sicherheits- und Grenzschutzkräften ein.
Ineos Automotive führt darüber hinaus Gespräche mit weiteren europäischen und NATO-Streitkräften über mögliche Beschaffungen. Die beiden neuen Verträge markieren damit den Ausbau eines Geschäftsfelds, das bislang vor allem von zivilen Geländewagen und deren Nutzung durch Behörden geprägt war.
Auch Großbritannien prüft den Grenadier
Zusätzlich ist Ineos bei einer britischen Ausschreibung weitergekommen. Das Konsortium Team Grenadier wurde für die nächste Phase des Light Mobility Vehicle Programme des britischen Verteidigungsministeriums ausgewählt. Gesucht wird ein leichter Militärgeländewagen als Nachfolger für den Land Rover Wolf. Das Programm umfasst neun geplante Varianten und könnte langfristig mehr als 9.500 Fahrzeuge betreffen.
Ineos arbeitet dafür mit vier britischen Spezialisten zusammen. Vorgesehen sind unter anderem ein Transportfahrzeug für Personal und Material, eine Variante mit wechselnden Aufbauten sowie eine Ausführung mit erhöhtem Schutz. Die Zulassung zur Erprobungsphase ist noch keine Vergabeentscheidung. Ob der Grenadier den Zuschlag erhält, hängt vom weiteren Auswahlverfahren ab.
