China nimmt Touchscreens und Liegesitze ins Visier
Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) will Touchscreens und andere Ausstattungsfeatures im Hinblick auf deren ablenkende Wirkung stärker prüfen. Am Ende könnten neue Vorschriften stehen.
Nachdem die chinesischen Sicherheitsbehörden bereits versenkbare Türgriffe und sogenannte Yoke-Lenkräder in Neufahrzeugen ins Visier genaommen hat, rücken jetzt weitere moderne Ausstattungsfeatures in den Sicherheits-Fokus. Dazu hat das MIIT im Rahmen einer öffentlichen Konsultation verschiedene Funktionen aufgelistet, die im Zuge umfassender neuer Vorschriften für Fahrzeugdesign und -technik überprüft und in Folge auch reguliert werden sollen. Stellungnahmen dazu sind bis zum 10. November 2026 möglich.
Ablenkung und Crashsicherheit
Eine der wichtigsten potenziellen neuen Beschränkungen könnte Bildschirme im Fahrzeuginnenraum betreffen. Hier will das MIIT prüfen, inwieweit sich die Informationsdarstellung und auch die darin integrierten Bedienfunktionen auf die Fahrsicherheit auswirken, wie zuverlässig die Systeme unter extremen Bedingungen funktionieren und wie es um die Crash-Sicherheit bei Kollisionen bestellt ist. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte Infotainment-Systeme unter den neuen Regeln verboten werden könnten, sollten sie als zu stark ablenkend oder unzuverlässig eingestuft werden. Geplant ist zudem das Verbot von flexiblen oder gar faltbaren Displays.
Das MIIT macht darüber hinaus auch klar, dass zukünftig kritische Funktionen wie beispielsweise die Gangwahl, Scheibenheizung und Scheinwerfersteuerung über physische Tasten und Schalter bedienbar sein müssen. China stößt damit ins gleiche Horn wie das europäische EuroNCAP-Konsortium, das auch die Rückkehr von Knöpfen im Cockpit fordert. Seit 2026 knüpft EuroNCAP gute Crashtestergebnisse an entsprechende Testkriterien.
Liegesitz-Verbot und mehr Qualität
Ebenfalls überprüft werden sollen Liegesitze, also Fahrzeugsitze, die sich während der Fahrt in eine absolut waagrechte Position bringen lassen. Das soll künftig nicht mehr möglich sein. Ein Augenmerk hat das MIIT auch auf individuell einstellbare Lichtsignaturen in Scheinwerfern, die von den Nutzern selbst festgelegt werden können. Hier wird ein erhöhtes Blendpotenzial befürchtet.
Ebenfalls auf dem Prüfstand steht die Qualitätsüberwachung von Bauteilen, Software-Funktionen sowie ganzen Fahrzeugen. Um hier ein höheres Niveau zu erreichen, sollen die Prüfstandards hochgesetzt werden.
Das Verbot von versenkbaren Türgriffen in China wurde bereits im Februar 2026 veröffentlicht. In Kraft tritt es für Neufahrzeuge ab dem 1. Januar 2027. Die neue verbindliche nationale Sicherheitsnorm schreibt mechanische Türgriffe im Innen- und Außenbereich vor. Für bereits zum Verkauf in China zugelassene Modelle gilt eine Frist bis Januar 2029, um die entsprechenden Designänderungen umzusetzen.
