Nie wieder an die Ladesäule?
Honda entwickelt ein System zum kabellosen Laden von Elektrofahrzeugen während der Fahrt. Ab April 2027 startet die Praxiserprobung der Technik auf öffentlichen Straßen.
Stellen Sie sich vor, Sie müssten mit Ihrem E-Auto nicht mehr an die Ladesäule fahren, sondern könnten bequem während der Fahrt den Akku aufladen. Honda treibt momentan die Entwicklung genau solcher kabellosen Ladesysteme voran. Gemeinsam mit der Taisei Corporation und der Taisei Rotec Corporation konstruiert die Forschungssparte Honda R&D eine Infrastruktur, die Autos und Nutzfahrzeuge direkt über den Straßenbelag mit elektrischer Energie versorgt.
Ab dem 1. April 2027 soll die Praxiserprobung des Systems auf öffentlichen Straßen beginnen. Das Projekt zielt auf die Integration von Ladesystemen in den Verkehrsraum ab und soll die Reichweitenangst sowie die Ladehäufigkeit im Alltag reduzieren. Ganz ohne Ladesäule geht es also so schnell nicht.
Technische Funktionsweise und Infrastruktur im Straßenbelag
Das technische Konzept besteht aus drei Komponenten. Im Boden arbeitet eine Gleichstrom-Versorgung, die mit einem im Asphalt verankerten Übertragungssystem (Ground Assembly, GA) gekoppelt ist. Dieses in der Straße liegende Netzwerk verbindet mehrere Module über eine Gleichstromleitung. Honda integriert in diesen Modulen den Inverter und die Spule als kompakte Einheit.
Diese Bauweise soll die Verkabelung im Untergrund vereinfachen und die Anzahl der Bauteile sowie den Arbeitsaufwand beim Bau reduzieren. Das Gegenstück im Fahrzeug bildet die Empfängereinheit (Vehicle Assembly, VA), die unter dem Auto oder Lastwagen montiert ist und den Strom berührungslos während der Fahrt aufnimmt. Die Entwickler wollen das System so auslegen, dass die im Asphalt eingebetteten Module den Belastungen durch den fließenden Verkehr standhalten.
Die Straßenkonstruktion soll nach Herstellerangaben Radlasten schwerer Nutzfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von rund 20 Tonnen bewältigen. Zudem implementiert Taisei Rotec Verfahren, die das Einfräsen und Integrieren der Technik in bestehende Fahrbahnen sowie künftige Straßensanierungen erleichtern sollen.
Teststrecken und geplante Erprobungen ab 2026
Um das System für den Alltag fit zu machen, bauen die Partner gegen Ende 2026 eine Teststrecke. Zu den wichtigsten Tests gehört eine Dauerprüfung: Dabei simuliert eine Maschine die Beanspruchung durch eine Million Radlasten, wobei Techniker ein Gewicht von 49 Kilonewton pro Rad ansetzen. Außerdem prüfen sie, wie gut der Strom fließt und ob elektromagnetische Strahlung austritt.
Nach dieser Testphase wollen die Unternehmen die Leistung auf bis zu 150 Kilowatt steigern. Das ist wichtig, damit auch große Lastwagen schnell genug mit Energie versorgt werden können, während sie mit hohem Tempo über die Straße rollen.
