Frankreich plant schlechtere Qualität und mehr B10
Frankreich will die Qualität von Diesel und Kerosin zeitweise verringern, um die Raffinerieproduktion zu steigern. Auch ein höherer Anteil von Biodiesel steht im Raum. Doch welche Probleme würden qualitativ schlechterer Diesel oder B10-Diesel für Autos bedeuten?
Präsident Emmanuel Macron forderte die EU-Kommission in einem Schreiben vom 18.9.2026 auf, die Anforderungen an Diesel und den chemisch verwandten Flugkraftstoff Kerosin vorübergehend anzupassen. Macron warnt in dem Brief, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, vor zunehmenden Schwierigkeiten bei der Sicherung der Lieferungen für die kommenden Wochen. Hintergrund sind angespannte Öl- und Kraftstoffmärkte sowie der mögliche Ausfall von vier bis fünf Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten.
Nach einer Schätzung französischer Raffinerien könnten sie je nach Anlage fünf bis 20 Prozent mehr Kraftstoff produzieren.
Schwefelgrenzwert könnte gelockert werden
Macron schlägt Ausnahmen bei der Dichte, dem Verdampfungsverhalten und der Entschwefelung vor. Der Schwefelgehalt von Diesel darf in der EU derzeit höchstens zehn Milligramm je Kilogramm betragen.
Diese Parameter beeinflussen, wie sich der Kraftstoff bei der Raffination, Lagerung und Verbrennung verhält. Wie weit Frankreich diesen Grenzwert anheben möchte, ist noch nicht bekannt, entsprechend stehen auch mögliche Folgen für Abgase und Abgasnachbehandlung noch nicht fest.
Mehr Biodiesel-Anteil
Zusätzlich möchte Frankreich häufiger Diesel B10 statt B7 einsetzen. B7 darf bis zu sieben Prozent Biodiesel enthalten, B10 bis zu zehn Prozent. Wird der Anteil von sieben auf zehn Prozent erhöht, stecken in 100 Litern Kraftstoff drei Liter mehr Biodiesel und entsprechend drei Liter weniger fossiler Diesel.
B10 ist in Frankreich als zusätzliche Dieselsorte zugelassen und an Tankstellen erhältlich. Er wird dort getrennt vom üblichen B7 angeboten. Für Autofahrer ist die Kennzeichnung an der Zapfsäule wichtig: B7 kann nach Angaben des französischen Umweltministeriums in allen Dieselfahrzeugen verwendet werden, B10 nur in dafür freigegebenen Modellen. Das gilt ebenso für Urlauber oder Pendler aus Deutschland.
Wer darf B10-Diesel tanken?
Laut der DAT-Verträglichkeitsliste dürfen Dieselmodelle von Citroën und Peugeot B10 tanken, wenn ihre Modellreihe nach dem 1.1.2000 eingeführt wurde. Bei DS sind sämtliche Dieselmodelle freigegeben. Renault und Dacia nennen Fahrzeuge ab der Abgasnorm Euro 5.
Auch Nissan führt alle Dieselmotoren ab Euro 5 als B10-kompatibel auf. Bei BMW gelten die Freigaben unter anderem für Dreizylinder-Diesel ab 2014, bestimmte Vierzylinder ab 2014 beziehungsweise 2015 und Reihensechszylinder ab 2011. Mercedes-Benz gibt laut DAT seine europäische Diesel-Pkw-Flotte seit Ende 2020 und seine Diesel-Transporter seit Ende 2021 frei.
Nicht freigegeben sind laut DAT derzeit Fahrzeuge des VW-Konzerns, etwa von VW, Audi, Seat und Škoda. Hyundai, Kia und Volvo nennen ebenfalls keine allgemeine B10-Freigabe. Wer bei seinem Auto unsicher ist, findet die zulässigen Sorten am Tankdeckel oder in der Betriebsanleitung. Eine Freigabe für XTL oder HVO100 gilt nicht automatisch auch für B10.
In Deutschland ist B7 der normale Diesel
An deutschen Tankstellen ist B7 die übliche Dieselsorte. B10 darf zusätzlich verkauft werden, muss aber als B10 gekennzeichnet sein. Tankstellen sind nicht verpflichtet, ihn anzubieten. B7 bleibt grundsätzlich verfügbar, damit auch Fahrer ohne B10-Freigabe tanken können.
Die Namen der großen Mineralölkonzerne sind dabei keine Abkürzungen für den Biodieselanteil. Shell Diesel FuelSave ist B7. Shell V-Power Diesel bezeichnet eine Premiumsorte, nicht B10. Aral Ultimate Diesel ist nach Angaben von Aral ebenfalls als B7 klassifiziert. Entscheidend ist die Kraftstoffkennzeichnung an der Zapfsäule, nicht der Produktname.
Niedrigere Preise sind nicht sicher
Macron will mit zusätzlicher Raffinerieproduktion und einem geringeren Bedarf an fossilem Diesel den Preisdruck mindern. Ob Autofahrer dadurch weniger bezahlen, hängt unter anderem davon ab, welche Ausnahmen die EU zulässt und wie viel zusätzlicher Kraftstoff tatsächlich auf den Markt kommt. Ein Preisnachlass pro Liter lässt sich aus den Vorschlägen nicht ableiten.
