China will Export von Hybridautos wohl begrenzen
China könnte seine Hybridexporte in die EU innerhalb von vier Jahren halbieren. Damit sind Strafzölle wie für chinesische Elektroautos vorerst vom Tisch.
China und die Europäische Union haben sich nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums auf eine Vereinbarung zum Handel mit Hybridfahrzeugen geeinigt. Diese Vereinbarung wurde am Freitag, 9. Oktober, bei Gesprächen in Peking erzielt. Beteiligt waren EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič, der chinesische Handelsminister Wang Wentao und Vizepremier He Lifeng.
Was genau vereinbart wurde, haben weder die chinesische noch die europäische Seite bislang veröffentlicht. Offen sind unter anderem die Bezugsgröße für eine mögliche Begrenzung, konkrete Stückzahlen, der Zeitraum der Umsetzung und die Frage, mit welchem Verfahren die Ausfuhren gesteuert werden sollen. Auch Angaben zu möglichen Zollkontingenten oder zusätzlichen Abgaben liegen nicht vor.
Mögliche Halbierung
Šefčovič erklärte nach den Gesprächen, die chinesischen Exporte von Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen in die Europäische Union könnten durch die Verständigung um mehr als die Hälfte zurückgehen. Nach Medienberichten soll sich die Reduzierung über einen Zeitraum von vier Jahren erstrecken. Die F.A.Z. berichtete, China habe einer Halbierung der Ausfuhren innerhalb dieses Zeitraums zugestimmt. Eine absolute Zahl nannte Šefčovič nicht.
Nach Angaben aus EU-Kreisen könnte sich die Berechnung auf die für dieses Jahr erwarteten Lieferungen beziehen. Genannt wurde eine Größenordnung von 600.000 bis 800.000 Fahrzeugen. Ob diese Zahlen tatsächlich als Grundlage dienen, ist bislang nicht bestätigt. Ebenso wenig ist bekannt, ob die Begrenzung durch eine freiwillige Selbstbeschränkung chinesischer Hersteller, ein Kontingentsystem oder eine andere Regelung umgesetzt werden soll.
Enormer Anstieg beim Import
Hintergrund ist der deutliche Anstieg chinesischer Hybrid-Importe in die EU. Allein im Juli wurden nach den aktuellen Zahlen rund 50.000 Hybrid-Pkw aus China in die EU eingeführt; im Juli des Vorjahres waren es erst 19.000. Im ersten Halbjahr dieses Jahres kamen chinesische Marken nach Angaben des europäischen Automobilverbands ACEA bei Hybridfahrzeugen auf einen Marktanteil von 14 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden lag der Anteil demnach sogar bei 25 Prozent. Für beide Antriebsarten hatte der Anteil 2024 noch jeweils zwei Prozent betragen.
Der sprunghafte Anstieg steht im Zusammenhang mit den seit Ende Oktober 2024 geltenden zusätzlichen EU-Zöllen auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China. Je nach Hersteller werden zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von zehn Prozent Abgaben von bis zu 35,3 Prozent erhoben. Hybridfahrzeuge und Plug-in-Hybride sind von diesen Sonderzöllen bislang ausgenommen. Die EU-Kommission hatte deshalb mögliche Schutzmaßnahmen für diese Antriebsarten geprüft. Im Raum standen unter anderem Zollkontingente, bei denen Einfuhren bis zu einer festgelegten Menge mit dem regulären Zollsatz abgefertigt würden.
Weiteres Vorgehen unklar
Ob die EU solche Kontingente oder andere Schutzmaßnahmen tatsächlich einführt, ist weiterhin offen. Nach Angaben aus Brüssel handelt es sich bislang um vorbereitete Optionen und nicht um beschlossene Maßnahmen. Der weitere Verlauf hängt auch davon ab, ob die nun angekündigte Verständigung zwischen Brüssel und Peking in eine konkrete Regelung überführt und vor allem auch umgesetzt wird.
Neben dem Fahrzeughandel umfasst die Verständigung nach Angaben der EU-Kommission ebenfalls einen verbesserten Marktzugang für verschiedene europäische Produkte in China. Dazu zählen Autoteile, Olivenöl und Schuhe. Außerdem soll die Vergabe von Lizenzen für die Ausfuhr Seltener Erden und von Batterien in die EU erleichtert werden. Die Gespräche zwischen der EU und China sollen im Januar fortgesetzt werden.
