Unbemannte Plattform für Verwundeten-Transport
Auf der AUSA 2026 stellt GM Defense neue Fahrzeugkonzepte vor. Das UGV basiert auf dem zivilen Pick-Up Silverado und verdeutlicht die neue GM-Strategie.
GM Defense will die industrielle Fertigungskompetenz des Mutterkonzerns General Motors stärker für militärische Anwendungen nutzen. Auf der Jahrestagung der Association of the United States Army (AUSA) in Washington präsentierte das Unternehmen am 12. Oktober 2026 neue Entwicklungen für die taktische Mobilität, autonome Landfahrzeuge und die mobile Energieversorgung. Zugleich meldete der Rüstungsspezialist Fortschritte bei der Fertigung von Komponenten für die bodengebundene Luft- und Raketenabwehr sowie bei der internationalen Geschäftsentwicklung.
ISV-Programm wächst deutlich
Im Mittelpunkt steht das Infantry Squad Vehicle (ISV), ein leichtes taktisches Transportfahrzeug auf Basis des Chevrolet Colorado ZR2. Während der ursprüngliche Beschaffungsumfang der US Army bei 649 Fahrzeugen lag, ist der geplante Gesamtbedarf inzwischen auf knapp 12.000 Exemplare gestiegen. Nach Angaben des US-Heeresbudgets entfallen davon 4.677 Fahrzeuge auf das ursprüngliche ISV und 6.905 auf die Utility-Variante ISV-U. Die Zahlen beschreiben das Beschaffungsziel und nicht einen neu vergebenen Einzelauftrag über die gesamte Menge.
Das neunsitzige ISV ist für den Transport von Infanteriegruppen und deren Ausrüstung ausgelegt. Es nutzt zu einem großen Teil kommerziell verfügbare Komponenten und ist für den Lufttransport vorgesehen. Das Fahrzeug kann unter anderem in Transporthubschraubern der Typen CH-47 Chinook und CH-53 transportiert oder unter einem UH-60 Black Hawk als Außenlast befördert werden.
Die weiterentwickelte Variante ISV-U soll eine Fähigkeitslücke bei der taktischen Mobilität schließen. Sie bietet fünf Soldaten Platz und ist für unterschiedliche Nutzlasten und Einsatzaufgaben ausgelegt. GM Defense entwickelte den Prototyp nach eigenen Angaben in Abstimmung mit dem Auftraggeber und finanzierte die Entwicklung zunächst selbst. Sieben frühe Erprobungsfahrzeuge stellte das Unternehmen der Army für Truppenversuche zur Verfügung. Die Variante soll künftig in 39 aktiven und Reservebrigaden mit mobilen Einsatzprofilen eingeführt werden.
Fertigung für die Raketenabwehr
Auch bei der industriellen Zulieferung für die Luftverteidigung meldet GM Defense einen kurzen Fertigungsdurchlauf. Am 6. August 2026 unterzeichnete das Unternehmen einen Vertrag mit Lockheed Martin über Gehäusekomponenten für die PAC-3 Missile Segment Enhancement (MSE). Die erste Lieferung erfolgte am 28. August, lediglich 22 Tage nach Vertragsabschluss.
Die Komponenten sind für das Lenkflugkörpersystem PAC-3 MSE bestimmt, das zur bodengebundenen Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen eingesetzt wird. GM Defense verweist bei dem Auftrag auf seine Fähigkeiten in der Metallgusstechnik und der Präzisionsfertigung. Angaben zum Auftragswert, zum Gesamtumfang und zu weiteren Lieferterminen machte das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht.
Autonomes Fahrgestell auf Silverado-Basis
Eine weitere Neuheit ist das Konzept eines unbemannten Landfahrzeugs (Unmanned Ground Vehicle, UGV). Als technische Grundlage dient eine Fahrwerksplattform des Chevrolet Silverado 3500HD mit Doppelbereifung an der Hinterachse. Das Konzept ist für logistische Aufgaben und den Verwundetentransport vorgesehen. Die Erprobung eines funktionsfähigen Systems ist für 2027 geplant.
Der Ansatz nutzt die Architektur eines kommerziellen Schwerlast-Pick-ups als Basis für eine militärische Plattform. Die Auslegung soll den Transport von Material in Bereichen ermöglichen, in denen der Einsatz bemannter Fahrzeuge mit Risiken verbunden ist. Für den Verwundetentransport kann ein unbemanntes Fahrzeug zudem Personal für andere Aufgaben freisetzen. Weitere Angaben zu Reichweite, Nutzlast, Autonomiegrad und Kommunikationssystemen des vorgestellten Konzepts veröffentlichte GM Defense zunächst nicht.
Hybride Energieversorgung für den Einsatz
Mit dem EPIQ Hybrid zeigte das Unternehmen außerdem ein mobiles Energiesystem für den Einsatz abseits fester Infrastruktur. Die Anlage kombiniert einen Energiespeicher mit 100 Kilowattstunden Kapazität und einer Leistungsangabe von 60 Kilowatt mit einem integrierten Generator. Sie soll elektrische Verbraucher in abgelegenen oder infrastrukturell schwach erschlossenen Einsatzgebieten versorgen.
Zu den möglichen Anwendungsfeldern zählen mobile Gefechtsstände, Kommunikationsausrüstung und andere elektrische Systeme, die über längere Zeiträume mit Energie versorgt werden müssen. Der Batteriespeicher kann Lastspitzen abdecken und den Generatorbetrieb ergänzen. Nach Angaben von GM Defense soll die Kombination außerdem die akustische und thermische Signatur gegenüber einem stärker generatorgestützten Betrieb reduzieren. Konkrete Verbrauchswerte oder Angaben zur Betriebsdauer wurden nicht genannt.
Kooperation für britische Streitkräfte
Parallel dazu treibt GM Defense UK seine Bewerbung um das britische Light Mobility Vehicle (LMV)-Programm voran. Das Unternehmen arbeitet dafür im Konsortium Team LionStrike mit NP Aerospace und BAE Systems zusammen. Das Programm ist Teil der britischen Landmobilitätsplanung und soll die Erneuerung leichter militärischer Transportfahrzeuge unterstützen.
GM Defense bringt dabei das ISV und die Utility-Variante als kommerziell abgeleitete Fahrzeuglösungen ein. NP Aerospace verfügt über Kompetenzen bei Fahrzeugschutz, Integration und Instandhaltung, während BAE Systems seine Erfahrung in der Verteidigungsindustrie einbringt. Über den Stand des Verfahrens und die konkrete Ausgestaltung eines möglichen Auftrags machte GM Defense bei der AUSA keine näheren Angaben.
