VW plant Gehaltsstopp bis 2030
Volkswagen plant offenbar eine weltweite Nullrunde bei den Gehältern bis 2030. Die IG Metall fordert dagegen fünf Prozent mehr Geld und bringt bei einem Scheitern der Verhandlungen Streiks ins Spiel.
Volkswagen plant offenbar einen Gehaltsstopp für viele seiner weltweit rund 600.000 Beschäftigten bis 2030. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf interne Unterlagen für das internationale Top-Management.
VW bestätigte die Pläne nicht. Ein Sprecher verwies auf die anstehende Verhandlungsrunde und erklärte, der Konzern äußere sich nicht zu "solchen Spekulationen".
Reallohn könnte um rund zehn Prozent sinken
Eine mehrjährige Nullrunde würde den Beschäftigten in Deutschland spürbare Einkommensverluste bringen. Steigen die Preise in den kommenden Jahren weiter, könnte das reale Einkommen um rund zehn Prozent sinken.
Für die rund 130.000 Beschäftigten mit VW-Haustarifvertrag verschärft sich die Lage damit weiter. Sie verzichteten im Sparpaket von 2024 bereits vorerst auf eine vereinbarte Lohnerhöhung von 5,5 Prozent.
Konjunkturforscher rechnen für dieses und das kommende Jahr mit einer Inflation von rund drei Prozent. Bleiben die Gehälter bis 2030 unverändert, verliert das Geld der Beschäftigten weiter an Kaufkraft.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld
Die IG Metall fordert in der neuen Tarifrunde eine Lohnerhöhung von fünf Prozent. Diese Forderung gilt auch für die Metall- und Elektroindustrie, unter deren Flächentarifvertrag Porsche, Audi und MAN fallen.
Der VW-Weltkonzernbetriebsrat weist den Gehaltsstopp scharf zurück. Ein Sprecher kritisierte, die Konzernspitze könne Hunderttausenden Beschäftigten nicht per Vorgabe aus Wolfsburg jahrelange Reallohnverluste auferlegen.
Die Gewerkschaft will die Forderung notfalls mit Arbeitskampfmaßnahmen durchsetzen. In der Metallbranche können Streiks ab November beginnen, bei Volkswagen ab Januar.
Konzern will Arbeitskosten weiter senken
VW-Chef Oliver Blume treibt unter dem internen Titel "Group Target Picture" einen umfassenden Sparkurs voran. Der Konzern plant neben dem bereits beschlossenen Stellenabbau weitere Einschnitte bei den weltweit rund 600.000 Beschäftigten.
Mehrere Werke stehen unter Druck. Dazu zählen Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm. Ende September kündigte VW zudem einen großen Teil der Tarifverträge. Damit stehen unter anderem Zulagen und zusätzliche Vergütungen zur Diskussion.
Die internen Unterlagen sehen ab dem vierten Quartal 2026 neue Vorgaben für weltweite Tarifverhandlungen vor. VW will Budgets für Lohnerhöhungen kürzen, variable Vergütungen reduzieren und Sonderzahlungen sowie bestimmte Vorteile abbauen.
Zusätzlich fordert das Management eine höhere Produktivität, mehr zeitliche Flexibilität, weniger Überstunden und weitere Stellenstreichungen – vor allem in Bereichen außerhalb der Produktion.
Nullrunde gilt nicht zwingend für jede Region
VW lässt in den Unterlagen Spielraum für regionale Unterschiede. Die einzelnen Marken, Regionen und Werke sollen nach ihren jeweiligen Rahmenbedingungen zu den Sparzielen beitragen.
Eine weltweite Nullrunde muss daher nicht an jedem Standort identisch ausfallen. Die Unterlagen legen jedoch keine Kriterien für einen "angemessenen" Beitrag fest.
Besonders problematisch könnte die Lage bei Porsche, Audi und MAN werden. Die drei Unternehmen unterliegen bislang dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie. Diesen Tarifvertrag verhandelt die IG Metall für rund vier Millionen Beschäftigte.
US-Werk zeigt den Widerspruch
In den USA setzte die Gewerkschaft UAW im Werk von Volkswagen in Chattanooga erst vor Kurzem den ersten Tarifvertrag eines Autowerks in einem traditionell gewerkschaftsfeindlichen Südstaat durch. Dieser Vertrag sieht zwischen 2027 und 2030 Lohnsteigerungen von rund 20 Prozent vor.
Damit steht die VW-Führung vor einem schwierigen Spagat. Während der Konzern in Deutschland und vielen anderen Regionen über Nullrunden spricht, steigen die Löhne in Tennessee in den kommenden Jahren deutlich.
Bei Porsche akzeptierten die Beschäftigten im Rahmen eines Zukunftspakets bereits einen Verzicht auf 3,5 Prozent künftiger Tariferhöhungen sowie auf Teile der Zulagen. Weitere Einschnitte könnten den Konflikt zwischen Vorstand und Arbeitnehmerseite verschärfen.
Streiks rücken näher
Die Arbeitnehmerseite hält laut der Süddeutschen Zeitung Streiks bei Volkswagen für möglich. Der niedersächsische Verhandlungsführer der IG Metall, Thorsten Gröger, kündigte Arbeitskampfmaßnahmen bereits nach der Kündigung zahlreicher Tarifverträge durch den Vorstand an.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo sieht die Ursachen der VW-Krise vor allem bei der Konkurrenz aus China und den USA sowie bei strategischen Fehlern des Managements. Personaleinsparungen allein würden die Probleme des Konzerns nicht lösen.
