Der Lappen könnte um 1.000 Euro billiger werden
Der Führerschein kostet viele Fahrschüler mehrere tausend Euro. Die geplante Reform soll die Ausbildung günstiger machen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger gibt einen Ausblick, wie viel Ersparnis möglich sein kann.
Der Führerschein der Klasse B kostet in Deutschland derzeit durchschnittlich rund 3.400 Euro. Nach Einschätzung von Bilger könnten Fahrschüler künftig mehrere hundert Euro sparen. Im günstigsten Fall liege die mögliche Entlastung bei bis zu 1.000 Euro, sagte der CDU-Politiker im Interview mit der Welt.
"Mit mehr digitalem Unterricht und einer Bürokratieentlastung wollen wir die Kosten senken", sagte Bilger. Zugleich verwies der Minister auf "große regionale Unterschiede". Auch die Zahl der benötigten Fahrstunden beeinflusse den Gesamtpreis erheblich.
Weniger Pflichtinhalte und mehr digitaler Unterricht
Der Gesetzentwurf zur Reform der Führerscheinausbildung passierte im Mai das Bundeskabinett. Er sieht mehrere Änderungen vor. Dazu gehört ein deutlich kleinerer Fragenkatalog für die theoretische Prüfung. Fahrschüler müssten damit weniger Lernstoff für den Test beherrschen.
Auch den theoretischen Unterricht könnten Fahrschulen künftig vollständig online anbieten. Das könnte Anfahrten zur Fahrschule reduzieren und die zeitliche Planung erleichtern. Zudem sieht der Entwurf Änderungen bei den verpflichtenden Sonderfahrten vor. Dazu zählen unter anderem Nacht- und Autobahnfahrten.
Geplant sind außerdem Übungsfahrten mit Familienangehörigen. Fahrschüler könnten dadurch zusätzliche Fahrpraxis sammeln, ohne jede Fahrt über eine Fahrschule zu buchen. Welche Bedingungen für solche Fahrten gelten, hängt von der endgültigen Ausgestaltung der Reform ab.
Ersparnis hängt vom Einzelfall ab
Die von Bilger genannte Summe von bis zu 1.000 Euro stellt keine pauschale Entlastung für alle Fahrschüler dar. Vor allem die Zahl der Übungsfahrten hat großen Einfluss auf die Rechnung. Wer nur wenige zusätzliche Fahrstunden benötigt, könnte stärker von den geplanten Änderungen profitieren als Fahrschüler mit einem höheren Ausbildungsbedarf.
Auch die regionalen Preisunterschiede bleiben ein wichtiger Faktor. Fahrschulen verlangen je nach Standort unterschiedliche Preise für Grundgebühr, Theorieunterricht und Fahrstunden. Die Reform allein führt daher nicht automatisch zu derselben Ersparnis in ganz Deutschland.
Offen bleibt zudem, wie Fahrschulen die neuen digitalen und organisatorischen Möglichkeiten in ihre Preise einrechnen. Erst mit den konkreten gesetzlichen Vorgaben lässt sich abschätzen, wie stark die Gesamtkosten tatsächlich sinken.
Entscheidung steht noch aus
Der Bundestag muss den Gesetzentwurf noch verabschieden. Anschließend braucht die Reform die Zustimmung des Bundesrats. Nach den bisherigen Plänen könnten die neuen Regeln Anfang 2027 greifen. Bis dahin kann sich der Inhalt des Gesetzes noch ändern.
